Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Schichtdienst: So achten Schichtarbeiter auf ihre Gesundheit

Schichtarbeit gilt als große Belastung für Psyche, Gesundheit und das Familienleben. Trotzdem arbeitet rund jeder achte Erwerbstätige zu wechselnden Arbeitszeiten. Wie bleiben sie gesund?



Wechsel-Ryhtmus
Die Partnerin schläft noch, man selber muss aber raus: Beziehungen und das Familienleben können unter Schichtarbeit leiden. Foto: Christin Klose  

Ein Frühaufsteher war Stefan Scherf nie. Dennoch arbeitet er an diesem Sonntagmorgen schon um 6.00 Uhr in einer Tierfutter-Abfüllanlage in Sachsen-Anhalt.

In der Fabrik hat der 26-jährige Produktionstechniker aus Weißenfels seine Ausbildung gemacht. Seinen Meister hat er noch vor sich. «In der Ausbildung hast du dir über die Schichtarbeit noch keinen Kopf gemacht», erklärt er. Stören tue ihn die Schichtarbeit aber auch nicht. «In meinem Beruf ist das alles Schichtbetrieb. Wie willst du es ändern? Du willst ja arbeiten gehen.»

Er und seine Kollegen arbeiten im Vierschichtsystem. Das bedeutet: Die Produktion läuft 24 Stunden am Tag ununterbrochen, sieben Tage die Woche. Arbeiten, wenn der Partner schlafen geht und frei haben, wenn die Freunde im Büro sitzen: Das kann nicht nur eine große Belastung für Beziehungen und Freundschaften sein, sondern auch für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Immerhin folgt der Körper einem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus: Das Tageslicht hat großen Einfluss auf Verdauung, Wohlbefinden und vieles mehr.

Laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung arbeiten 15,8 Prozent der Erwerbstätigen in wechselnden Schichten. «Nicht jeder Mensch ist für Schichtarbeit geeignet. Eine gute körperliche und psychische Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung», sagt Psychologie-Professor Hannes Zacher von der Universität Leipzig.

Jüngere und gesunde Menschen erleben generell weniger Beeinträchtigungen durch Schichtarbeit, so Zacher. Dazu kommen laut dem Psychologen andere Faktoren: Hat ein Mitarbeiter Erfahrung mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und passt das Schichtsystem zu seiner inneren biologischen Uhr, könne das die negativen Folgen von Schichtarbeit mindern. Wichtig seien eine positive Einstellung zur Arbeit sowie ein gesundes Ess- und Schlafverhalten.

Der menschliche Körper passt sich an die ständig wechselnden Arbeitszeiten nur begrenzt an. «Praktisch alle Körperfunktionen unterliegen einem tagesperiodischen Wechsel. Ein wichtiger Einflussfaktor ist hierbei das Licht», erklärt Ricarda Holtorf von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Darum sei es wichtig, sich auch bei Schichtarbeit ausgewogen zu ernähren .

Süße oder salzige Snacks sollten Schichtarbeiter eher vermeiden. Stattdessen empfiehlt Holtorf Joghurt mit frischem Obst, Vollkornbrot mit Frischkäse und Paprikastreifen. Auch die richtigen Getränke seien wichtig. «Greifen Sie hier zu warmen und kalten Getränken ohne Koffein, wie Trink- oder Mineralwasser, Früchte-, Kräuter- oder Rotbuschtee.»

Wer arbeitet, wenn andere schlafen, hat es auch mit Freunden und Familie nicht leicht. Gute Planung sei wichtig, erklärt Psychologe Hannes Zacher. «Nutzen Sie die Zeit mit ihrem Partner, Kindern und Freunden sinnvoll, anstatt nur fernzusehen. Erstellen Sie einen Zeitplan, und planen Sie gemeinsame Unternehmungen sowie Zeit für spontane Aktivitäten langfristig ein», so der Psychologe. Eine aktive Teilnahme am sozialen Leben könne das Risiko für Beeinträchtigungen aufgrund von Schichtarbeit verringern.

Nach knapp vier Jahren im Schichtsystem hat Stefan Scherf seinen Rhythmus gefunden. Er ernährt sich bewusster, sucht den Ausgleich im Sport. Den braucht er auch, denn an Sonntagen wie heute steht er zwölf Stunden in der Tierfutter-Fabrik. Nach so einem Arbeitstag gönnt er sich meist ein heißes Bad und geht dann schlafen.

Veröffentlicht am:
19. 12. 2016
05:11 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitszeit Ernährung unter gesundheitlicher und wissenschaftlicher Perspektive Ernährungstipps Erwerbstätige Familienleben Freunde Frischkäse Psyche Psychologinnen und Psychologen Universität Leipzig Vollkornbrote
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Gespräch mit Freunden

23.11.2020

Sieben Methoden, die beim Abschalten helfen

Knappe Abgabetermine, enormer Workload, große Herausforderungen: Manchmal lässt einen der Job auch in der Freizeit nicht los. Wie bekommt man die Arbeit aus dem Kopf? » mehr

Hochstapler-Syndrom

23.11.2020

Selbstzweifel im Job: Vom Gefühl, ein Betrüger zu sein

Sie lügen, dass sich die Balken biegen. Erfinden Fähigkeiten und Erfolgsgeschichten: Hochstapler. Menschen, die am Hochstapler-Phänomen leiden, fühlen sich ähnlich. Doch die Geschichte dahinter ist eine ganz andere. » mehr

Kampf um den Traumjob

16.03.2020

Wenn aus Freunden Konkurrenten werden

Beim Geld hört die Freundschaft auf, besagt ein Sprichwort. Aber gilt das auch indirekt, nämlich dann, wenn Freunde oder gar Paare um einen Job konkurrieren? » mehr

Neue Mitarbeiter integrieren

12.10.2020

Woran Sie ein gutes Onboarding-Konzept erkennen

Starten Sie demnächst in einen neuen Job? Wie ernst Ihr Arbeitgeber das Thema Onboarding nimmt, werden Sie dann bald herausfinden. Als Neuling ist man allerdings auch selbst gefragt. » mehr

Cordula Nussbaum

05.10.2020

Wie Sie im Homeoffice die Kreativität ankurbeln

Plötzlich war sie da... DIE Idee. So stellen sich viele Leute Kreativität vor - ganz so einfach ist es aber nicht. Gerade im Homeoffice tun sich viele schwer. Doch es gibt Abhilfe. » mehr

Kontrolle per Stechuhr?

12.10.2020

Was Zeiterfassung am Arbeitsplatz bringt

Alle Stunden akribisch dokumentieren, nie mehr früher gehen: Manche halten nichts davon, Arbeitszeiten im Job genau zu erfassen. Warum Beschäftigte davon vor allem profitieren, erklären Expertinnen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
19. 12. 2016
05:11 Uhr



^