Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

 

Wo sind die Frauen? Die Tech-Branche hat ein Gender-Problem

Zwischen Sexismus und Geschlechterkluft: Frauen sind in der Tech-Branche in der Minderheit und müssen oftmals gegen Probleme ankämpfen. Dabei kann die IT-Welt weibliche Fachkräfte dringend gebrauchen.



Mobile World Congress
Frauen sind in der Tech-Branche noch immer in der Minderheit und müssen oftmals gegen Probleme ankämpfen. Foto: Alberto Estevez/EFE/dpa  

Das Problem ist nicht neu, aber hochaktuell: In der Tech-Branche herrscht Frauenmangel. «Wir leben im Jahr 2017, aber Tatsache ist, dass die Gender Gap enorm ist», sagt Sabeen Ali, die seit vielen Jahren im Silicon Valley tätig ist.

Ihrer Erfahrung nach fühlen sich Frauen gegenüber männlichen Kollegen oft benachteiligt. Um die Kluft zwischen den Geschlechtern zu verringern, ist die Gründerin und Chefin des kalifornischen Start-ups AngelHack zum Mobile World Congress (27.02. - 02.03.) nach Barcelona gefahren.

Denn die Organisatoren der weltgrößten Mobilfunkmesse haben in diesem Jahr erstmals das Programm «Women4Tech» auf die Agenda gesetzt. Vier Tage lang wird in Konferenzen und Workshops analysiert, wie man mehr Mitarbeiterinnen in die IT-Branche bringen und ihre Karrierechancen dort verbessern kann. «Wir müssen ein Gleichgewicht herstellen», fordert Nimma Bakshi, Managing Director bei PricewaterhouseCoopers in San Francisco. Seiner Ansicht nach bringt ein höherer Frauenanteil ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile: «Gemischte Teams sind kreativer, produktiver und finanziell erfolgreicher.»

Doch die Aussichten auf eine Welt ohne Geschlechterkluft sind düster: Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung Accenture und der Initative «Girls Who Code» wird im Jahr 2025 nur einer von fünf Tech-Jobs in den USA von Frauen besetzt sein. «Das ist eine nationale Krise mit schweren Auswirkungen auf Amerikas Platz in der globalen Wirtschaft und auf die Zukunft von Frauen», heißt es in der Studie . In Deutschland lag der weibliche Anteil in der Tech-Branche einer Bitkom-Umfrage von 2015 zufolge bei 24 Prozent. Im Top-Management waren es gerade mal 5 Prozent. 

Tatsächlich scheinen viele Frauen eine geringere Leidenschaft für Fächer wie Mathematik, Informatik oder Technik zu haben. Warum ist das so? Eine von Microsoft in Auftrag gegebenen Studie  ergab, dass das Interesse im Alter von 11 bis 16 Jahren am stärksten ausgeprägt ist und dann allerdings rapide absinkt. Verantwortlich dafür seien Faktoren wie Ungleichbehandlung, fehlende Praxiserfahrungen oder der Mangel an weiblichen Vorbildern.

Vereinzelt gibt es Vorzeigefrauen wie Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, YouTube-CEO Susan Wojcicki oder die Chefin von Microsoft Deutschland, Sabine Bendiek. «Wir können es uns nicht leisten, auf das Potenzial weiblicher Talente zu verzichten», erklärte Bendiek Mitte Februar anlässlich der Studie. Gerade bei jungen Frauen liege ein großes Potenzial, um dem akuten Mangel an digitalen Fachkräften entgegenzuwirken.

Manche der großen US-Konzerne lassen sich inzwischen einiges einfallen, um Mitarbeiterinnen anzulocken oder ihnen die Karriere zu erleichtern. Facebook und Apple bezahlen das Einfrieren von Eizellen. IBM übernimmt den Transport abgepumpter Muttermilch zum Baby, wenn die Mutter dienstlich unterwegs ist. Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Silicon Valley nach wie vor eine Domäne weißer Männer ist, in der es manche Frauen schwer haben.

Erst kürzlich hatte eine frühere Mitarbeiterin dem Fahrdienst-Vermittler Uber eine Unternehmenskultur voller Sexismus vorgeworfen. In den vergangenen Jahren sorgte auch die Klage von Ellen Pao gegen die berühmte Risikokapital-Firma Kleiner Perkins für Aufsehen. Pao konnte die Geschworenen jedoch nicht davon überzeugen, dass sie in ihrer Karriere benachteiligt wurde, weil sie eine Frau ist.

Diskriminierungen und Benachteiligungen seien alltäglich, sagt auch Sabeen Ali, die seit vielen Jahren im Valley arbeitet. «Es ist sehr wichtig für mich, Frauen zu ermutigen und sie in Positionen zu bringen, wo sie erfolgreich sein können.» Es sei keine leichte Aufgabe und der Weg lang. Aber - und auch deshalb sei sie nach Barcelona gekommen - «jeder Wandel beginnt mit einem Gespräch».

Veröffentlicht am:
01. 03. 2017
11:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Accenture Apple Facebook IBM Microsoft Microsoft Deutschland GmbH Mobile World Congress PricewaterhouseCoopers Sexismus Silicon Valley Uber
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Sich absetzen von der Masse

05.08.2019

Was Personal Branding im Beruf bringt

Vom Personal Branding spricht man, wenn sich Berufstätige selbst zur Marke machen. Dazu sollte man auf inspirierende Aspekte der eigenen Vita setzen. Das Selbstmarketing kann aber auch nach hinten losgehen. » mehr

Gegen das Schweigen

30.08.2019

Wie sich sexuelle Übergriffe im Job verhindern lassen

Vor knapp zwei Jahren startete die #metoo-Bewegung. Was hat sich seither getan in der deutschen Wirtschaft? Und wie können sich Frauen - aber auch Männer vor sexueller Belästigung schützen? » mehr

Lars-Peter Leu

14.08.2019

Darf ich Ihnen meine Karte geben?

Bei Geschäftstreffen, auf Tagungen und Messen werden sie seit vielen Jahrzehnten bis heute ausgetauscht: gedruckte Visitenkarten. Warum trotzen die Kärtchen der Digitalisierung im Job? » mehr

Nickerchen im Büro

31.08.2018

Wann macht der Büroschlaf Karriere?

Snoozing is losing? Wer am Schreibtisch ein Nickerchen macht, erntet Spott. Doch ausgeschlafene Mitarbeiter bringen mehr Leistung, das erkennen erste Konzerne. Aber nicht unbedingt in Deutschland. » mehr

Ausbildung

26.07.2019

Keine Angst vor der Digitalisierung

Selbstfahrende Lastwagen oder Zahnersatz aus dem 3-D-Drucker: Was heute noch Menschen erledigen, könnten zukünftig Maschinen übernehmen, denn die Digitalisierung verändert auch viele Ausbildungsberufe. Ein Wagnis für ang... » mehr

Der Kontrollblick

10.07.2017

Datenschutz im Job: Was der Chef nicht wissen darf

Jede E-Mail, jede Zeiterfassung, jede Dienstwagenfahrt, jeder Anruf und jeder Arbeitsschritt produziert heute Daten. Für Chefs sind die sehr interessant, für Angestellte potenziell gefährlich. Das Gesetz schützt Arbeitne... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
01. 03. 2017
11:00 Uhr



^