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Das andere Sabbatical: Freiwilligendienst für Berufstätige

Bei einem Sabbatical denken viele an Reisen und Füße hochlegen. Freiwilligendienste bieten hingegen die Chance, in internationalen Projekten mitzuarbeiten - und so Wissen weiterzugeben und zu helfen. Auch die Karriere kann von so einem Einsatz profitieren.



Freiwllige Hilfe in Afrika
Ralf Schaab ist Agrarökonom und war als Freiwilliger auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs. Bild: SES/dpa-tmn   Foto: SES » zu den Bildern

Ein Schulgarten sollte es sein. Klingt erstmal nicht so schwierig. In Deutschland vielleicht, wo das Wetter mitspielt. In Namibia dagegen ist es trocken und heiß. Ralf Schaab ist Agrarökonom aus Wiesbaden, führt dort einen Obstbaubetrieb.

In Namibia hat er Lehrern und Schülern dabei geholfen, den Garten zu bauen. Mit einfachen Mitteln vor Ort produzieren, die Eigenversorgung stärken - das war das Ziel.

Schaab war im Rahmen des « Weltdienstes 30+ » in Namibia. Der neue Freiwilligendienst des Senior Experten Service (SES) wird vom Bundesentwicklungsministerium gefördert und soll eine Lücke schließen. «Es gibt Entsendedienste wie Weltwärts für junge Leute und für Ruheständler wie den SES», sagt Bettina Hartmann vom SES. Der «Weltdienst 30+» wurde Anfang 2017 ins Leben gerufen - er richtet sich an Berufstätige.

Viele Entsendedienste sprechen jüngere Menschen an - häufig gibt es eine Altersgrenzen von 30 Jahre. Ein gefördertes Programm für Berufstätige zu finden, ist durchaus schwieriger. Mit Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen ist ein solcher freiwilliger Einsatz zum Beispiel möglich - und das nicht nur für Mediziner. Es gibt auch Vereine und Unternehmen, die Projektmitarbeit im Ausland vermitteln oder organisieren - allerdings in der Regel gegen Bezahlung.

Der «Weltdienst 30+» ist hingegen kostenfrei. Allerdings gibt es Voraussetzungen für die Teilnahme am Programm. Mindestens acht Jahre relevante Berufserfahrung, eine Freistellung des Arbeitgebers und Kranken- und Sozialversicherung in Deutschland sind etwa Pflicht. Die Einsätze dauern im Schnitt sechs Wochen, Arbeitnehmer müssen sich unbezahlt freistellen lassen.

Neben einem Vorbereitungsseminar in Bonn werden Teilnehmer bei der Organisation eines Visums unterstützt, auch die Unterkunft im Zielland und der Flug werden gestellt.

Ein solches Sabbatical kann sich durchaus lohnen - ganz besonders, wenn Berufstätige während dieser Zeit eben nicht nur reisen, sondern ihre beruflichen Fähigkeiten im Ausland einsetzen. «Es bereichert das Wissen des Mitarbeiters», sagt Christa Stienen, Vizepräsidentin des Bundesverbands der Personalmanager.

Für Agrarökonom Schaab ging es bei seinen Einsätzen immer auch darum, ein Gespür für Land und Leute zu bekommen. Das Vermitteln der fachlichen Expertise sei das eine, das Menschliche das andere. Namibia war dabei nur eine seiner Stationen, in Malawi hat er einen Kräutergarten mitgestaltet.

«Wenn Sie das Herz der Menschen erobern, bekommen Sie auch Zugriff auf den Kopf», sagt er. Und: Das Ganze sei Teamwork. «Ich komme hier nicht als Deutscher und erzähle den Leuten, was sie zu machen haben», betont er.

Ähnlich sieht das Heidi von Lilienfeld. Wie Schaab ist auch sie ein alter Hase beim SES. Bereits bevor es das Programm «Weltwärts 30+» gab, haben beide Auslandseinsätze über den SES gemacht - und zwar immer dann, wenn ein Projekt nicht mit einem Senior besetzt werden konnte. Von Lilienfeld hatte ihren ersten Einsatz mit 47 Jahren. Die heute 52-Jährige ist im Verlagswesen tätig und hat zum Beispiel in Bolivien und der Ukraine in Druckereien und Verlagen mitgearbeitet.

«Ich fühlte mich immer mit offenen Armen willkommen», sagt sie. Für die Auszeiten hat sie sich entschieden, um sich selbst auf die Probe zu stellen und sich auf völlig verschiedene Situationen und Kulturen einzulassen. «Toll» sei es immer gewesen. «Die saugen dich aus wie einen Schwamm», sagt sie über die Zusammenarbeit vor Ort.

Veröffentlicht am:
19. 06. 2017
04:20 Uhr

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dpa

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19. 06. 2017
04:20 Uhr



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