Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

 

Karriereanker geben Halt im Berufsleben

Menschen brauchen einen Job, der zu ihnen passt und mit ihren Werten im Einklang steht - sonst werden sie immer mit ihrer Arbeit hadern. Um diese Werte zu finden, gibt es verschiedene Methoden. Eine davon ist die der sogenannten Karriereanker.



Bild eines Ankers
Karriereanker sollen Arbeitnehmern Orientierung bieten und sie durch ihr gesamtes Berufsleben begleiten.   Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn » zu den Bildern

Was kann ich gut? Was will ich erreichen? Was ist mir wichtig? Große Fragen - und die Antwort darauf ist gar nicht leicht zu finden. Eine Hilfe bei der Suche nach solchen Werten ist das Konzept der Karriereanker, entwickelt von Edgar Schein.

Mehr als fünf Jahrzehnte hat es schon auf dem Buckel, ist aber zumindest teilweise noch hochaktuell. «Die acht Anker sind ein effizientes Werkzeug für die eigene Entwicklung», sagt Schein, emeritierter Professor für Organisationspsychologie und Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston. «Der Karriereanker einer Person spiegelt die Selbsteinschätzung in Bezug darauf wider, worin sie kompetent ist, was sie will und wertschätzt.»

Acht Anker gibt es, die einen Menschen ausmachen. Wer eine schwierige Entscheidung im Beruf oder in seiner Karriere zu treffen hat, der kann sich darauf beziehen. «Und er weiß, welche Werte niemals auf der Strecke bleiben dürfen», so Schein. Viele Karriere- und Personalberater arbeiten schon seit Jahren mit den Ankern, um Kunden in ihrer beruflichen Entwicklung zu begleiten. «Dabei geht es darum, dass sie einen Job finden, der zu ihren Werten und ihren Fähigkeiten passt», sagt Heike Schröder, die Doktoranden an der Freien Universität Berlin mit Hilfe der Karriereanker coacht.

Sie sollen dazu beitragen, den Matching-Prozess zu verbessern zwischen dem, was ein Arbeitnehmer selber will und was der Arbeitgeber von ihm erwartet und verlangt. Meistens trifft nicht nur ein Anker auf Menschen zu, sondern bis zu drei passen. «Es passiert auch, dass Anker in Konkurrenz zueinander stehen», sagt Schröder - etwa bei einem Menschen, der Unabhängigkeit schätzt, aber trotzdem immer einen sicheren Job haben will.

Um die Anker zu ermitteln, hat Schein einen Fragebogen erarbeitet - den lässt auch Heike Schröder von ihren Klienten ausfüllen. «So kommen wir auf die Dinge, die jedem Einzelnen wichtig sind.» Andere Karriereberater vertiefen die Analyse mit einem strukturierten Interview, das bisherige Karriereentscheidungen und Wendepunkte beleuchtet. «Das Wichtigste ist, dass der Job mit der Persönlichkeit und ihren Werten im Einklang steht», sagt Matthias Martens, Experte für berufliche Neuorientierung.

Im Idealfall finden Menschen so besser zum Traumjob. «Die Arbeit soll ja keine Strafe sein oder nur Mittel zu dem Zweck, dass man Geld nach Hause bringt», sagt Personalberaterin Doris Brenner. Im Gegenteil: Sie soll Spaß machen und jeder soll den Job haben und finden, mit dem er glücklich ist und hinter dem er steht.

Sowohl Martens als auch Brenner arbeiten allerdings nicht nur mit Scheins Ankern, sondern auch mit anderen Werkzeugen. «Mit dem Konzept können sich meine Klienten selbst einschätzen, man kann es gut erklären», sagt Martens. «Aber es misst nicht objektiv Stärken und Neigungen, sondern schätzt diese nur ein.»

Und wann soll man sich zum ersten Mal auf die Suche nach den Karriereankern begeben? Heike Schröder meint, man könne gar nicht früh genug damit anfangen, «denn die grundlegenden Werte ändern sich meistens nicht, nur die Priorisierung wechselt». Edgar Schein schreibt in einem neueren Aufsatz, dass die Karriereanker klarer werden, je länger man im Berufsleben steht. Wie sich die Anker allerdings in einer Arbeitswelt anwenden lassen, die zunehmend flachere Hierarchien bekommt und nicht mehr so funktioniert wie noch vor einer oder zwei Jahrzehnten - das müsse sich erst noch zeigen.

Veröffentlicht am:
26. 06. 2017
04:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berufsleben Freie Universität Berlin Karriere Massachusetts Institute of Technology Organisationspsychologie Personalberatungsunternehmen Traumjobs
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wolfram C. Tröger

05.11.2018

Wie Firmen den Charakter ihrer Bewerber prüfen

«Stehen Sie gern im Wettbewerb mit anderen? Wie verhalten Sie sich in einem Team?» Solche Fragen können Bewerber in Persönlichkeitstests erwarten. Inzwischen spricht man dafür sogar manchmal mit Computern. Doch wie sind ... » mehr

Ingo Rottländer

28.10.2019

Per Video-Clip zum Traumjob

Unternehmen suchen dringend Fachkräfte und gehen verstärkt auf geeignete Kandidaten zu. Auch in Sachen Bewerbung. Ein Video-Clip kann heute erster Türöffner sein. Wie stellt man sich authentisch dar? » mehr

Online netzwerken

22.07.2019

Erfolgreich online netzwerken

Konzernchefs, Arbeitskollegen, ehemalige Schulfreunde: In Karriere-Netzwerken können Berufstätige zahlreiche Bekannte und weniger Bekannte finden. Doch wie baut man ein virtuelles Kontaktbuch auf, das für die eigene Karr... » mehr

Salka Schwarz

22.07.2019

Kommunikationsknigge im Mail-Zeitalter

Einen Anruf zu tätigen kann im Job-Alltag oft sinnvoller sein als eine Nachricht zu schreiben. Viele greifen aus Unsicherheit trotzdem nur ungern zum Hörer. Leichter wird es mit einem Leitfaden. Experten verraten, was be... » mehr

Buch von Tomas Bohinc

27.05.2019

So verschaffen sich Berufseinsteiger Respekt

Als Berufs-Neuling für voll genommen zu werden, kann mühsam sein. Damit man nicht für immer als «der Neue» abgestempelt wird, braucht es neben ein wenig Anstrengung eine gute Portion Gelassenheit. Sechs Tipps für einen s... » mehr

Schreibtischarbeit gehört dazu

21.01.2019

Arbeiten auf dem Flusskreuzfahrtschiff

Knapp 15.000 Menschen arbeiten auf Flusskreuzfahrtschiffen in Europa. Der Bedarf an Arbeitskräften ist groß. Nicht jeder kann sich mit den Arbeitszeiten, der Bezahlung und der fehlenden Privatsphäre anfreunden. Doch der ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 06. 2017
04:45 Uhr



^