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Das Ding mit dem Du: Tipps für Bewerber und Arbeitnehmer

«Kannst du mal eben vorbeikommen?» statt «Können Sie mir helfen?»: Das Du ist in vielen Unternehmen heute Standard - selbst gegenüber Vorgesetzten. Aber Vorsicht: Gute Freunde sind Kollegen oder Chefs deswegen noch lange nicht.



Das kollektive Du
Eine Frage der Unternehmenskultur: An vielen Arbeitsplätzen herrscht heute das kollektive Du - vom Azubi bis zum Geschäftsführer.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn

Das förmliche «Herr», die «Frau» und ganz allgemein das «Sie» gelten in vielen Firmen als altbacken. Nicht nur trendige Start-ups, auch traditionellere Mittelständler praktizieren das kollektive Du, vom Azubi bis zum Geschäftsführer. 

Die Idee dahinter: Beim gemeinsamen Streben nach dem Unternehmenserfolg kommt es auf jeden Einzelnen an - deshalb sollen die Hierarchien flach und der Umgangston locker sein. Und dann ist der Chef eben «Heiner» und nicht «Herr Schmitz». Doch das gefällt nicht jedem.

Es fängt mitunter schon mit der Stellenanzeige an. «Wir suchen Dich, bring Dich mit Deinen Fähigkeiten und Talenten bei uns ein und bewirb Dich», heißt es da. Die Stellenbeschreibung klingt verlockend. Aber manch ein Interessent gerät vielleicht ins Grübeln, wie er jetzt seine Bewerbungsunterlagen gestalten soll. Auch duzen? Die Personalchefin, die man gar nicht kennt, mit «Hallo Stefanie» anschreiben? Klare Antwort: «Ja, natürlich», sagt Christa Stienen, Vizepräsidentin beim Bundesverband der Personalmanager (BPM).

Wer geduzt wird, darf zurückduzen. Wer sich davor scheut, kann stattdessen aber auch allgemeinere Anreden benutzen und zum Beispiel ?Liebes Team» schreiben, rät Stienen. Auch eine Anrede wie «Guten Tag Ralf Schröder» sei möglich, erklärt Jutta Boenig, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). Und wer Ralf Schröder so gar nicht duzen mag, kann auch das Sie verwenden. Selbst die Anrede «Sehr geehrte Damen und Herren» geht in solchen Fällen noch - im Auswahlverfahren von Bewerbern ist etwas zu viel Höflichkeit wohl kaum ein Ausschlusskriterium.

Linda Kaiser von der Deutschen-Knigge-Gesellschaft (DKG) empfiehlt sogar, auch bei locker-flockigen Inseraten im Anschreiben zunächst förmlich zu bleiben. «Kommt es dann zum Vorstellungsgespräch, kann der Bewerber immer noch schauen, ob man gesiezt oder geduzt wird und sich darauf einstellen», erklärt sie. Denn auch wenn die Stellenanzeige eher kumpelhaft daherkommt, gelten die Grundregeln für eine gelungene Bewerbung weiter: Rechtschreib- und Grammatikfehler sollte man sich dann also auch nicht leisten.

Und auch im Vorstellungsgespräch ist selbst bei Duz-Unternehmen Zurückhaltung gefragt. Bewerber sollten also keinesfalls direkt auf den Chef zugehen und «Hi, ich bin die Melanie» sagen. Stattdessen rät Boenig, die Situation erstmal zu beobachten und sich dann anzupassen. «Wird sich geduzt und der Bewerber tut sich damit schwer, dann kann er dies auch sagen», sagt die Expertin. Etwa so: «Das "Du" ist für mich momentan ungewohnt und ich bitte um Nachsicht, wenn mir zwischendurch das "Sie" herausrutscht.»

Die gleiche Zurückhaltung wie im Vorstellungsgespräch ist auch am ersten Arbeitstag gefragt. Denn der Ball für das Duzen liegt bei den anderen. «Unter keinen Umständen darf beim kollektiven Duzen die Hierarchie außer Acht gelassen werden», warnt Kaiser. Der Chef ist und bleibt der Vorgesetzte, dem man auch bei einem Du mit Abstand und Respekt begegnen sollte. Das gilt auch im Umgang mit allen anderen Kollegen.

Das Duzen am Arbeitsplatz sollte auch nicht dazu verleiten, Kollegen automatisch wie Freunde zu behandeln. «Vertraulichkeiten und private Dinge haben im Job nichts zu suchen», betont Stienen. Solche nicht erwünschte Nähe können sich Arbeitnehmer, die darauf keine Lust haben, auch verbitten. Eheprobleme oder Schwierigkeiten mit dem pubertierenden Kind sind auch unter Duz-Kollegen keine guten Smalltalk-Themen. Anders ist das natürlich, wenn Kollegen außerhalb des Jobs Freunde sind.

«Durch Duzen am Arbeitsplatz wächst nicht automatisch Vertrauen», sagt Stienen. Aus ihrer Sicht vereinfacht der Verzicht auf «Herr» oder «Frau» im Alltag aber vieles. So könne das Du tatsächlich dazu beitragen, das Wir-Gefühl zu stärken. Und ist es Teil der Unternehmenskultur, können sich Duz-Muffel dem ohnehin nur schwer entziehen. «Wer mit dem Duzen in der Arbeitswelt grundsätzlich Bauchschmerzen hat, sollte sich gut überlegen, ob er oder sie in der Firma überhaupt richtig ist», rät auch Boenig. Unternehmen mit Sie-Kultur gibt es ja weiterhin.

Veröffentlicht am:
12. 02. 2018
04:58 Uhr

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dpa

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12. 02. 2018
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