Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"BlitzerwarnerCoronavirus

 

Bewertungsportale für Berufstätige

Empfehlungen für gute Handwerker oder Ärzte gibt es nicht mehr nur von Freunden oder Nachbarn. Längst hat das Internet die Rolle des Ratgebers übernommen - und nicht alle Kommentare dort sind positiv. Wird es unfair, können sich Betroffene aber wehren.



Bewertungsportale
Bestnote: Solche Bewertungen sind oft die beste Werbung - umgekehrt können schlechte Noten aber auch schlecht fürs Geschäft sein. Foto: Andrea Warnecke   Foto: dpa

Ob es um vegane Küche, einen guten Kieferchirurgen oder einen Elektriker geht: Im Internet gibt es fast für alles Sterne, Noten oder Kommentare. «Gemüse an Menge wie eine Suppeneinlage», lautet zum Beispiel der Kommentar zu einem Thai-Imbiss, «für mich ist der Laden gestorben».

«Dieser Kleintransport war wirklich spitze», zeigt sich ein Umzügler begeistert, obwohl er bekennt: «Ich bin nicht eigentlich der Typ, der Beurteilungen schreibt.»«Die Verbraucher haben ein sehr großes Vertrauen in die Bewertungen im Netz», sagt Rebekka Weiß, Referentin für Datenschutz und Verbraucherrecht beim Branchenverband Bitkom in Berlin. Entsprechend große Macht genießt, wer solche Bewertungen schreibt. «Gerade wenn man nicht gut behandelt worden ist, kann man sich auf diese Weise rächen», sagt Laszlo Pota, Psychologischer Psychotherapeut. Die Anonymität sei dabei ein Schutzfaktor. Ohne ein direktes Gegenüber sind harsche Worte schnell in die Tasten gehämmert.

Manche Portale bieten zwar an, auf Kritik zu reagieren. So wie ein Orthopäde, der den Vorwurf eines Patienten, einen angeblichen Rippenbruch nicht erkannt zu haben, mit Verweis auf dessen erfolglose Schmerzensgeldklage kontert. «Auch schlechte Kommentare sind uns wichtig, da wir daraus nur lernen können», schreibt ein anderer Arzt unter eine böse Bewertung. «Gerne biete ich Ihnen einen weiteren Termin an, um das Problem erneut zu besprechen.»

Das geht schon in die richtige Richtung, wie Pota sagt: «Gut wäre, wenn man den Beschwerden nachgehen könnte und miteinander in Kontakt kommt.» Oft sei auch Wahres enthalten. Ob Arzt oder Automechaniker, Friseur oder Fliesenleger - jeder sollte einmal einen Blick auf seine Sterne werfen.

«Jemand, der im Wettbewerb steht, kann nicht erwarten, dass nur positive Meldungen über ihn verbreitet werden», sagt der Medienanwalt Thorsten Feldmann aus Berlin. «Eine redliche Kritik muss er hinnehmen.» Ist der Handwerker viel zu spät zum vereinbarten Termin gekommen, darf der genervte Kunde das online bemängeln. Ebenso darf er die Leistung als gut oder schlecht bewerten.

Nicht hinzunehmen ist dagegen sogenannte Schmähkritik. «Das ist eine Äußerung, wo jeder Sachbezug fehlt und es nur darum geht, den Gegner zu verletzen», erklärt Feldmann. «Auch Unwahrheiten und Dinge, die sich nicht beweisen lassen, müssen nicht hingenommen werden.» Wer zum Beispiel über Schimmel auf der Restauranttoilette motzt, muss im Zweifelsfall auch Belege haben. «Schreibt der Restaurantbesucher «Auf den Toiletten war es eklig», ist das wiederum zulässig.»

Für Bewertete haben Negativkommentare Folgen, vor allem für Selbstständige - denn sie genießen im Zweifel weniger Schutz als Angestellte. «Das ist der Ruf, der auf dem Prüfstand steht, da kann ein massiver Imageschaden entstehen», sagt Laszlo Pota.

Geht es um Falschbehauptungen, können sich die Betroffenen aber wehren: Die Betreiber solcher Portale müssen Beschwerden von Ärzten oder Handwerkern nachgehen, wie Feldmann erklärt. «Er muss den Bewertenden anschreiben und versuchen zu hören, was der dazu sagt. Wenn der Beweis letztlich nicht geführt werden kann, dass die Behauptung wahr oder unwahr ist, dann gewinnt der Bewertete.» Entsprechende Einträge müssten dann gelöscht werden.

Bei einer unklaren Lage ist der Plattformbetreiber mit dem Löschen somit auf der sicheren Seite. Deshalb passiere das in vielen Fällen auch, erzählt Feldmann. Für Betroffene sei das aber trotzdem eine große Belastung, sagt Psychologe Pota: Für sie ist der Kampf gegen unfaire Bewertungen mit viel Aufwand verbunden - und manchmal sogar mit einer Gerichtsverhandlung.

Auch dem Bewerter droht in solchen Fällen aber eventuell mehr Ärger. Denn während für den Portalbetreiber die Sache mit dem Löschen erledigt ist, kann der Autor böswilliger Kommentare weiter haften. «Es gibt Straftatbestände wie die üble Nachrede oder die Verleumdung», erklärt Medienanwalt Feldmann. «Das kann einer strafrechtlichen Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft unterzogen werden, wenn es eine gewisse Grenze der Vehemenz überschreitet.»

Das sei aber eher die Ausnahme, so Feldmann. Er rät Bewerteten ohnehin zu mehr Gelassenheit: «Wenn ich negativ kritisiert werde, scheint zunächst mal der Kritisierende ein Problem zu haben. Ein bisschen Souveränität hilft da vielleicht.» Beurteilende dagegen sollten auf Sachlichkeit achten. Rebekka Weiß vom Bitkom nutzt Bewertungen und schreibt auch selbst gern welche - allerdings vor allem positive.

Veröffentlicht am:
30. 04. 2018
04:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berufstätige Bewertungsportale Handwerker Ratgeber
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wilfried Schumann

16.03.2020

Wenn aus Freunden Konkurrenten werden

Beim Geld hört die Freundschaft auf, besagt ein Sprichwort. Aber gilt das auch indirekt, nämlich dann, wenn Freunde oder gar Paare um einen Job konkurrieren? » mehr

Mit der Hand schreiben

06.02.2020

Warum Handschriftliches sich besser einprägt

Schnell, sofort verfügbar und jederzeit überarbeitbar: Wichtiges per Tastatur festzuhalten, hat seine Vorteile. Wer vom Geschriebenen aber etwas behalten will, sollte lieber analog arbeiten. Warum? » mehr

Karriere nach Wohnortwechsel

20.01.2020

Soll ich für einen neuen Job umziehen?

Neuer Job, neue Stadt? Einen Umzug für eine andere Stelle nehmen Menschen eher ungern in Kauf - und schon gar nicht leichtfertig. Flexibel zu sein kann sich aber lohnen, vor allem für Einsteiger. » mehr

Silvia Hänig

20.01.2020

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Die Palette der Benefits, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten bieten können, ist groß. Aber haben Mitarbeiter wirklich etwas davon - oder bringen die Zusatzleistungen vor allem den Unternehmen etwas? » mehr

Arbeit als Senior

04.10.2019

Wie Weiterarbeit im Alter Erfüllung bringt

Ab einem gewissen Alter sehnen sich manche Berufstätige ihren Ruhestand herbei. Für andere ist es Zeit, noch einmal über berufliche Pläne nachzudenken. Dafür muss man nichts ganz Neues anfangen. » mehr

Stephanie Borgert

12.08.2019

Wie viel ist bei der Karriere Zufall, wie viel Planung?

Master mit 23, die erste Führungsrolle mit 30, und Geschäftsführer mit 35: Kann und sollte man die Karriere so genau durchplanen? Nein, sagen Coaches und verraten, worauf es ankommt. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 04. 2018
04:27 Uhr



^