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Jobsharing bleibt ein Randphänomen

In der Theorie sieht der Gesetzgeber das Teilen von Arbeitsplätzen schon seit den 1980er Jahren vor. Doch in der Praxis kommt Jobsharing nur in Einzelfällen vor. Der Softwarekonzern SAP will jetzt nachhelfen.



Jobsharing bei SAP
Die beiden Angestellten im Vertrieb es Softwareherstellers SAP Svenja Müller und Britta Freudenstein teilen sich eine Stelle. Foto: SAP   Foto: dpa

Der Einfall kam den beiden SAP-Managerinnen quasi auf dem Spielplatz. In ihrer Elternzeit trafen sich Svenja Müller und Britta Freudenstein immer wieder, beide wollten in Teilzeit einsteigen, aber möglichst wenig Verantwortung in ihren Jobs im Vertrieb für den Softwarekonzern abgeben.

«Wir kannten und mochten uns aus dem Team und waren schon vorher sehr kompatibel», sagt Müller. Damit war die Idee geboren: Jobsharing. Job-Tandems haben bei SAP eine gewisse Tradition. Selbst die Vorstandsspitze bestand vor Jahren einmal aus zwei Leuten.

Jim Hagemann Snabe teilte sich die Aufgabe mit dem heute alleinregierenden Bill McDermott. Snabe schied 2014 aus privaten Gründen aus. Das Beispiel machte dennoch Schule. Seit 2013 lässt SAP grundsätzlich geteilte Verantwortung auf Führungsebene zu. Jetzt plant der Konzern den nächsten Schritt.

Wunsch nach maximaler Flexibilität

«Wir schreiben ab sofort standardmäßig alle Stellen als für Job-Sharing geeignet aus», sagt SAPs Personalchef Cawa Younosi. «Wir haben festgestellt, dass maximale Flexibilität am wichtigsten für unsere Mitarbeiter ist», sagt Younosi. Jobs teilen konnten sich auch schon Mitarbeiter auf niedrigeren Ebenen. «Bislang arbeiten bei SAP in Deutschland fünf oder sechs Tandems», so der Manager. «Das größte Problem war es bislang, einen passenden Partner außerhalb des eigenen Netzwerks zu finden.» Deshalb richtet SAP eine Online-Plattform ein. Wie in einer Partnerbörse sollen sich zwei Mitarbeiter dort über gemeinsame Interessen finden können.

Die Idee ist nicht ganz neu: Bosch beispielsweise hat 2016 eine «Jobconnector» genannte Partnerbörse eingeführt. Rund 1600 Mitarbeiter haben sich dort inzwischen registriert. Wie viele Paare sich dort gefunden haben, weiß man bei Bosch offiziell nicht. Die Modelle reichen aber von einer 50:50-Teilung bis hin zu klassischen Doppelspitzen oder Vollzeitstellen, bei denen ein Prozentsatz in eine geteilte Position eingebracht wird. Damit Übergaben möglich sind, lässt Bosch bei Jobsharing auch 120 Prozent auf einer Stelle zu.

Keine Angst vor Teilzeitfalle

Svenja Müller und Britta Freudenstein arbeiten inzwischen je 70 Prozent. Sie teilen sich ein großes Gebiet im SAP-Vertrieb - Messen und ganztägige Kundenbesuche gehören zum Geschäft. Angst vor der Teilzeitfalle haben sie nicht. SAP bietet seit Jahren befristete Teilzeit an. «Die Teilzeitquote ist bei uns nicht höher als anderswo, aber die Tendenz ist steigend», sagt Personalchef Younosi. Natürlich sei das mit höheren Kosten etwa für Sozialabgaben verbunden. Er rechnet nicht damit, dass Jobsharing sich flächendeckend verbreitet.

Laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung GfK und Roland Berger im Auftrag des Bundesfamilienministeriums bietet etwa ein Drittel der deutschen Firmen mit mehr als 15 Mitarbeitern ein solches Modell an. Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf etwa zählte zuletzt bundesweit 19 Job-Tandems. Bei Siemens zum Beispiel spielt das Thema noch keine Rolle.

Im Wechsel wochenweise arbeiten

Anders bei der Bahn. Der Konzern stellt derzeit mehr Menschen ein als je zuvor - 20.000 Mitarbeiter werden gesucht. Moderne Arbeitszeitmodelle sind da ein wichtiges Argument. Die beiden Bahn-Managerinnen Carola Garbe und Catherine-Marie Koffnit teilen sich seit gut einem Jahr die Stelle der Personalleiterin des Regionalbereichs Ost bei der DB Netz. Sie arbeiten jeweils 60 Prozent und wechseln sich wochenweise ab. Montag ist Übergabetag.

Widerstände gab es vor allem auf den mittleren Führungsebenen. «Es ist so, dass wir den tradierten Führungskräften einen Spiegel vorgehalten haben», sagt Garbe. Früher sei Verantwortung immer mit langen Arbeitszeiten gleich gesetzt worden. «Das ist nicht das, was wir wollen, wenn wir an Millennials denken», sagt sie. Inzwischen habe ein Umdenken eingesetzt. In ihrem eigenen Team seien die Leute begeistert gewesen. «Besonders Leute um die 30 finden das ein cooles Modell», sagt die Bahn-Personalerin. Nur vereinzelt täten sich Mitarbeiter schwer mit der doppelten Chefin.

Bei der Bahn wird Jobsharing nur Führungskräften angeboten. Auf anderen Ebenen - etwa bei Referenten und Schichtarbeitern sei Teilzeit im Tarifvertrag verankert und müsse nur organisiert werden, erklärt Personalerin Garbe. Ihre Kollegin Koffnit sieht vor allem eine wichtige Grundlage, damit das Modell funktioniert: «Man muss sich vertrauen und Macht abgeben», sagt sie. Koffnit war zuvor die Stellvertreterin ihrer heutigen Tandem-Partnerin. «Zwei Fremde zusammenzubringen, halten wir für schwierig.»

Wichtig sind ähnliche Arbeitsweisen

Genau darauf zielt die Software der Firma Tandemploy, die auch SAP für seine Job-Partnerbörse einsetzt. Mitgründerin Jana Tepe sagt: «Die beiden müssen nicht befreundet sein, aber ähnliche Arbeitsweisen haben.» Auch Kommunikationsweisen und Ziele müssten sich gleichen.

Das sehen die beiden SAP-Mitarbeiterinnen ähnlich: «Uns beiden ist der Job wichtig - Überstunden sind für uns selbstverständlich, wenn es sein muss. Das minimiert den Gesprächsaufwand», sagt Svenja Müller. Gleichzeitig gebe es durchaus Unterschiede, sagt ihre Kollegin Britta Freudenstein. «Svenja trifft schnell Entscheidungen, während ich viele Möglichkeiten abwäge. Da ergänzen wir uns gut.»

Sie kann sich gut vorstellen, dass das Modell auch in anderen Situationen funktioniert. «Etwa beim Übergang in den Ruhestand, wenn ein Nachfolger gefunden werden muss.» Wie lange die beiden weitermachen wollen, ist offen und auch, was dann passiert. «Es gibt keine Regeln dafür, wenn ein Tandem nicht mehr existiert», sagt ihre Kollegin Müller.

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
14:54 Uhr

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dpa

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