Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

 

Das Bewerbungsgespräch per Video meistern

Wohin mit den Händen? Und wieso stehen die Haare so komisch ab? Sich beim Video-Bewerbungsgespräch aufs Wesentliche zu konzentrieren, ist eine Herausforderung. Kamera- und Karriereprofis geben Tipps.



Bewerbungsgespräch per Video
Wer ein Bewerbungsgespräch via Video führt, sollte das Smartphone auf einem Stativ befestigen - und es nicht einfach in der Hand halten.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance - das gilt auch für ein Bewerbungsgespräch. Aufgrund der Corona-Pandemie fällt aber zur Zeit nicht nur das Händeschütteln zur Begrüßung weg, sondern oft das komplette Treffen.

Stattdessen findet ein Video-Gespräch statt. Doch gelten da die gleichen Regeln? Wie gelingt es, vor der Kamera ein gutes Bild zu machen?

1. Inhaltliche und technische Vorbereitung

Ganz gleich, ob persönliches Treffen oder Videogespräch: Die inhaltliche Vorbereitung für das Bewerbungsgespräch bleibt identisch, sagt Karriere- und Business-Coach Bernd Slaghuis . Es ist wichtig, einen Überblick über das Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen sowie Standorte, Umsatz und Anzahl der Mitarbeiter zu haben. Der Vorteil beim Videogespräch: Spickzettel sind erlaubt. Solange man nicht alles mit gesenktem Kopf abliest, stört es die Personaler nicht, was auf dem Tisch liegt.

Damit überhaupt ein flüssiges Gespräch stattfinden kann, sollte man vorab einen Technik-Check machen. Dazu gehört zum einen eine stabile Internetverbindung, aber auch die rechtzeitige Installation und Aktualisierung der Software. Außerdem empfiehlt der Bundesverband der Personalmanager (BPM) verschiedene Funktionen schon vor dem Gespräch auszuprobieren. Wenn etwa darum gebeten wird, seinen Bildschirm zu teilen oder sich stummzuschalten, macht es einen guten Eindruck, nicht lange suchen zu müssen.

2. Licht und Ton wie ein Profi

Der wohl größte Unterschied zum analogen Bewerbungsgespräch entsteht durch weniger Kommunikationskanäle, erklärt Nicole Krieger, Leiterin der Moderatorenschule Baden-Württemberg. Man sieht nur den Oberkörper und das ganze Bild ist zweidimensional. «Deswegen muss man noch überzeugender sein mit dem, was man sieht und hört.» Dafür sind Licht und Ton entscheidend, so die langjährige TV-Moderatorin. Am besten sei natürliches Tageslicht von vorne, also wenn man mit dem Gesicht zum Fenster schaue.

Der Ton sollte ebenfalls vor Gesprächsbeginn getestet werden. Klingt die Stimme blechern, empfiehlt Krieger ein externes Mikrofon oder Kopfhörer mit eingebautem Mikrofon auszuprobieren. Außerdem könne man auch selbst den Klang seiner Stimme beeinflussen, ergänzt Andrea Ballschuh, TV-Moderatorin und Expertin für Kamera- und Präsenztraining. «Kurz vor Gesprächsbeginn, macht man ein «Mmh»-Geräusch als würde man an etwas Leckeres denken.» Das helfe, in die natürliche Stimmlage zu finden.

3. Wohlfühlen und gut aussehen vor der Kamera

Für die Kleidung gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für ein Bewerbungsgespräch im Unternehmen. «Es geht allerdings nicht jedes Outfit vor der Kamera», sagt Nicole Krieger. Kleine Muster können ein Flimmern erzeugen, weshalb sie zum Beispiel von Hemden mit feinem Karo abrät. Ansonsten zählt das Körpergefühl, sagt Bernd Slaghuis. «Manche brauchen den kompletten Anzug mit Krawatte und Anzugschuhen, andere fühlen sich wohler, wenn Sie unter dem Tisch Kuschelsocken für das Gespräch anlassen.»

Neben dem eigenen gepflegten Aussehen ist ein aufgeräumter Hintergrund unverzichtbar. Zum einen lenkt alles, was man zusätzlich im Bild sieht, ab. Zum anderen überlegen Personaler, ob das Gesagte mit dem Hintergrund zusammenpasst, sagt Ballschuh. «Denn auch der Hintergrund sagt etwas über Bewerber aus», bestätigt der BPM. Professionell wirken eine schlichte Wand mit Bild oder frische Blumen.

4. Ein Gespräch auf Kamerahöhe

Blickkontakt per Video ist gar nicht so einfach: Denn schaut man sein Gegenüber auf dem Bildschirm an, geht der Blick nicht mehr in die Kamera und damit zum Gesprächspartner, erklärt Andrea Ballschuh. Gerade wenn man selbst spricht, sollte man sich daher zwingen, den Blick direkt in die Kamera zu richten. Das ist anfangs ungewohnt, hinterlässt aber Eindruck. Damit man es nicht vergesse, könne man sich einen Aufkleber neben die Linse oder ein Foto dahinter kleben.

Auch die eigene Position ist relevant: Das Videogespräch sollte nicht mit Tablet oder Smartphone in der Hand oder auf dem Tisch geführt werden, da diese Perspektive meist unvorteilhaft wirkt. Stattdessen rät Ballschuh die Computerkamera auf Augenhöhe auszurichten oder das Smartphone in einem Stativ aufzustellen. Der Bildausschnitt sollte dabei wie bei Nachrichtensprechern von den Ellenbogen bis knapp über den Kopf reichen, sagt Nicole Krieger. «Das wirkt sehr präsent, aber nicht aufdringlich.»

5. Haltung zeigen und Fragen stellen

Eine aufrechte Haltung kommt gut an. Wer sitzt, sollte sich laut Krieger auf den vorderen Teil des Stuhls setzen, die Füße auf den Boden stellen und sich nicht zurücklehnen, sondern leicht zur Kamera beugen. Ballschuh dreht ihre Videos zuhause am liebsten im Stehen und barfuß. Das gibt ihr einen festen Stand. Außerdem gestikuliere man im Stehen natürlicher. Am besten denkt man gar nicht darüber nach, was man mit den Händen macht, sagt Ballschuh. «Die Hände unterstützen die Worte automatisch.»

Wichtiger als die Körperhaltung bewertet Bernd Slaghuis die innere Haltung. «Das Fachwissen wurde schon im Lebenslauf überprüft. Im Bewerbungsgespräch will man den Menschen als potenziellen Mitarbeiter und Kollegen kennenlernen.» Dazu gehört auch, Klarheit zu schaffen: Wer nervös ist, weil es das erste Video-Bewerbungsgespräch ist, könne das ruhig zu Beginn ansprechen.

Auch zum Thema Covid-19 dürfen Bewerber und Bewerberinnen Fragen stellen. Schließlich ist es wichtig einzuschätzen, wie zukunftsfähig der neue Arbeitgeber ist, sagt Slaghuis. Der BPM ermutigt daher Ängste und Unsicherheiten in Zusammenhang mit Covid-19 und der beruflichen Neuorientierung zu thematisieren. Die Frage «Wie kann ich mich unter diesen Umständen erfolgreich ins Team integrieren?» signalisiert Offenheit für aktuelle Herausforderungen.

© dpa-infocom, dpa:200710-99-748297/2

Veröffentlicht am:
13. 07. 2020
05:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anzüge Arbeitgeber Hemden Internetzugriff und Internetverbindung Kameras und Photoapparate Kopfhörer Krawatten Personaler Personalmanager Tablet PC
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kantine

20.01.2020

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Die Palette der Benefits, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten bieten können, ist groß. Aber haben Mitarbeiter wirklich etwas davon - oder bringen die Zusatzleistungen vor allem den Unternehmen etwas? » mehr

Yasmin Kurzhals

30.12.2019

Wie egal darf mir mein Kleidungsstil im Job sein?

Kleidervorschriften im Unternehmen klingen aus der Zeit gefallen. Jeans und Sneaker gehen doch immer, oder? Warum eine wohlüberlegte Auswahl der Kleidung im Job durchaus sinnvoll sein kann. » mehr

Videokonferenz

28.10.2019

Per Video-Clip zum Traumjob

Unternehmen suchen dringend Fachkräfte und gehen verstärkt auf geeignete Kandidaten zu. Auch in Sachen Bewerbung. Ein Video-Clip kann heute erster Türöffner sein. Wie stellt man sich authentisch dar? » mehr

Weiterbildung

04.10.2019

Wie Beschäftigte Bildungsurlaub nutzen können

Für Bildungsurlaub gibt es in vielen Bundesländern fünf freie Tage extra. Viele trauen sich nicht, das gesetzliche Angebot auf Freistellung wahrzunehmen. Dabei sind die Hürden oft gar nicht so hoch. » mehr

Christian Scholz

17.06.2019

Was die Generation Z am Arbeitsmarkt fordern kann

Weil es weniger Bewerber gibt als Stellen, hat sich der Arbeitsmarkt zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt. Die neue Generation hat ziemlich genaue Vorstellungen vom Berufsleben. Doch wie weit kann sie mit ihren Ansprüche... » mehr

Silvia Hänig

27.05.2019

Das bringen Referenzen in der Bewerbung

In englischsprachigen Ländern haben sich Referenzen als Teil der Bewerbung längst etabliert. In Deutschland ist das noch nicht so. Verlangt ein potenzieller Arbeitgeber sie, gibt es bestimmte Standards zu beachten. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
13. 07. 2020
05:08 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.