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Betriebsratsgründung braucht einen langen Atem

Willkürliche Dienstpläne, ungleiche Löhne, ständiger Streit mit der Geschäftsführung: Anlässe, einen Betriebsrat zu gründen, gibt es viele. Es erfordert jedoch Zeit, Geduld sowie oft Kraft und Nerven.



Der erste Schritt zur Mitbestimmung
Ein Wahlvorstand besteht in der Regel aus drei Mitarbeitenden und führt die Betriebsratswahl durch.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Stimmt die Arbeitskultur im Unternehmen nicht, sinkt auch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Doch Beschäftigte haben Möglichkeiten, ihre Interessen gegenüber der Geschäftsleitung zu kommunizieren und durchzusetzen. Dafür gibt es zum Beispiel Betriebsräte.

So ließ sich etwa Manuela Fritsche, Wohnbereichsleiterin in einem Pflegeheim, von Kollegen inspirieren. Die arbeiteten bei einem Rettungsdienst und hatten dort selbst einen Betriebsrat gegründet. Mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi organisierte Fritsche gemeinsam mit anderen Beschäftigten ihres Arbeitgebers eine Info-Veranstaltung, bei der direkt ein Wahlvorstand gewählt wurde. Dieses Gremium, das in der Regel aus drei Mitarbeitenden besteht, führt die Betriebsratswahl durch.

Fritsche rät, sich bei einer Betriebsratsgründung grundsätzlich an Gewerkschaften zu wenden. «Ohne Hilfe ist das ein Ding der Unmöglichkeit», sagt sie.

Respektvoll und bestimmt auftreten

«Kaum ein Arbeitgeber wird spontan «Hurra» rufen, wenn seine Belegschaft einen Betriebsrat gründen will», sagt Michael Bolte vom DGB-Bundesvorstand, zuständig für Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik.

Er rät, sich der Geschäftsführung gegenüber bestimmt, aber respektvoll zu verhalten. «Der Arbeitgeber muss sich laut Gesetz neutral verhalten und darf die Wahl nicht verhindern», sagt Bolte. Sobald ein Betriebsrat gegründet sei, ändere sich die Einstellung des Arbeitgebers meist schnell.

Fünf Beschäftigte sind Voraussetzung

Betriebsräte können in Betrieben mit mindestens fünf Beschäftigten gegründet werden. Auslöser sind oft konkrete Anlässe wie Entlassungen, unruhige Zeiten oder ein Missstand, der sich über einen langen Zeitraum hinzieht. Kerstin Jerchel, Bereichsleiterin Mitbestimmung bei der Verdi-Bundesverwaltung, nennt viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse innerhalb eines Betriebs als Beispiel.

«Es gibt wenige Branchen, in denen es genug Betriebsräte gibt», so Boltes Einschätzung. Während in Betrieben mit mehr als 1000 Beschäftigten fast 100 Prozent einen Betriebsrat hätten, sehe es bei den kleinen mau aus. Sorgen macht dem Gewerkschaftsbund vor allem der mittlere Bereich mit 100 bis 500 Beschäftigten.

Im Dienstleistungsbereich - und generell in Branchen, in denen viele Frauen arbeiten - sei die Dichte an Betriebsräten gering. Auch in Unternehmen mit junger, fluktuierender Belegschaft seien Betriebsratsgründungen selten.

Mitbestimmungsrechte in vielen Bereichen

Auch bei Start-ups fehlt es häufig an Mitbestimmungsmöglichkeiten. Hier sei das Problem, dass sie oft sehr schnell sehr groß würden, erklärt Jerchel. Am Anfang gebe es flache Hierarchien, alles könne direkt mit dem Chef besprochen werden. «Das geht so lange gut, bis es an irgendeinem Punkt anfängt zu knirschen.»

Betriebsräte können in vielen Punkten mitbestimmen. Sie haben Einfluss auf Schichtpläne, Lohngestaltung und Weiterbildungsprogramme. Auch beim Aushandeln von Kurzarbeitsvereinbarungen - wie in der Corona-Krise - sind sie unabdingbar.

Betriebsräte unterstützen nicht zuletzt bei Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber. «Wir haben die Mitarbeiter darin gestärkt, auch mal «Nein» zu sagen, wenn sie überarbeitet sind», erzählt Manuela Fritsche. Auch anfangs skeptische Kolleginnen und Kollegen lobten nun die Arbeit des Betriebsrats.

© dpa-infocom, dpa:200807-99-79294/3

Veröffentlicht am:
10. 08. 2020
05:08 Uhr

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dpa

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10. 08. 2020
05:08 Uhr



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