Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusWohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-GalerieKommunalwahl 2020

 

Darf der Arbeitgeber die Probezeit verlängern?

Die ersten Monate im Job gelten meist als sogenannte Probezeit - mit kurzer Kündigungsfrist für beide Seiten. Aber kann dieser Zeitraum auch verlängert werden?



Probezeit verlängern
Die Probezeit kann der Arbeitgeber nicht einseitig verlängern. Sehr wohl aber, wenn der Arbeitnehmer zugestimmt hat.   Foto: Jens Schierenbeck/dpa-tmn

Die Probezeit gilt als Kennenlernphase, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegenseitig prüfen können, ob das Arbeitsverhältnis passt. Darf eine vertraglich vereinbarte Probezeit vom Arbeitgeber jedoch verlängert werden?

Die einfache Antwort lautet: nein. «Der Arbeitgeber kann die Probezeit nicht einfach ohne Zustimmung des Arbeitnehmers verlängern», sagt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Die Parteien können sich aber abstimmen. Gibt der Arbeitnehmer sein Einverständnis, wird die Verlängerung in einer Ergänzung zum Arbeitsvertrag festgehalten.

Der Fachanwalt nennt ein Beispiel: Im Arbeitsvertrag eines Unternehmens ist eine Probezeit von drei Monaten geregelt. Eine neue Mitarbeiterin fehlt in dieser Zeit einen Monat lang wegen Krankheit. Deshalb kann sich der Arbeitgeber kein vollständiges Bild machen und verlängert in Absprache mit ihr die Probezeit um längstens drei weitere Monate.

Verlängerung auch nach sechs Monaten Option

Aber auch über den regulären Zeitraum einer Probezeit von sechs Monaten hinaus ist in Einzelfällen eine Verlängerung möglich. Meyer empfiehlt Arbeitnehmern, ein solches Angebot des Arbeitgebers in der Regel anzunehmen.

Auch diesen Fall illustriert er anhand eines Beispiels: So könne es sein, dass ein Arbeitgeber am Ende des sechsten Monats noch nicht genau weiß, ob ein neuer Mitarbeiter ins Team passt, und kurz vor Ablauf der Probezeit eine Verlängerung erfragt.

«Der Arbeitnehmer sollte sich auf jeden Fall darauf einlassen», so Meyer. Denn ab dem siebten Monat des Arbeitsverhältnisses greift der gesetzliche Kündigungsschutz. Das heißt, die Kündigungsfrist ist dann unabhängig von der Probezeit länger, und der Arbeitnehmer hat das Recht, eine ab dem siebten Monat erfolgte Kündigung inhaltlich überprüfen zu lassen.

Kündigung bis zum letzten Tag der Probezeit möglich

In den ersten sechs Monaten eines Arbeitsverhältnisses und bei Vereinbarung einer Probezeit hat der Arbeitgeber das Recht, dem Arbeitnehmer mit einer Frist von 14 Tagen zu kündigen. Das regelt Paragraf 622 im Bürgerlichen Gesetzbuch. «Und entscheidend ist dabei der Zugangszeitpunkt der Kündigung», so Meyer. Eine Kündigungserklärung ist somit auch am letzten Tag der Probezeit noch möglich.

Zur Person: Peter Meyer ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) tätig.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
05:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitsrecht Arbeitsverträge und Arbeitsvertragsrecht Bürgerliches Gesetzbuch Gesetzbücher Kündigungsschutz und Kündigungsschutzrecht Mitarbeiter und Personal Peter Meyer Probezeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Nochmals Probezeit?

23.03.2020

Bekommen Ausgelernte nochmals Probezeit beim selben Betrieb?

Die Ausbildung ist geschafft, Zeit für den Berufsstart. Besonders einfach ist das natürlich, wenn man vom Ausbildungsbetrieb direkt übernommen wird. Aber gilt dann eigentlich eine erneute Probezeit? » mehr

Kündigungsschreiben

14.10.2019

Können Arbeitnehmer fristlos kündigen?

Kündigungsfristen sind meist im Arbeitsvertrag geregelt. Das soll beiden Seiten Sicherheit geben. Doch wie sieht es mit fristlosen Kündigungen aus? Können die auch vom Arbeitnehmer ausgehen? » mehr

Was dürfen Mitarbeiter posten?

10.02.2020

Darf der Arbeitgeber reinreden, wenn ich im Netz poste?

Ob Facebook, Instagram oder Twitter - vielleicht liest auch der Arbeitgeber mit. Das kann Mitarbeitern aber doch eigentlich egal sein, oder? » mehr

Alexander Bredereck

06.04.2020

Muss ich im Homeoffice meinen privaten PC nutzen?

Ab in die Heimarbeit! In der Corona-Krise mussten Firmen zum Teil in kürzester Zeit viele Mitarbeiter ins Homeoffice schicken. Doch was ist, wenn längst nicht für jeden Dienstgeräte vorhanden sind? » mehr

Arbeitsrechtler

16.03.2020

Wann müssen Arbeitnehmerinnen die Schwangerschaft mitteilen?

Dem Partner, der besten Freundin, den Eltern: Jede Frau handhabt es unterschiedlich, wem sie als erstes von einer Schwangerschaft erzählt. Doch wann muss es der Arbeitgeber erfahren? » mehr

Höhenverstellbarer Schreibtisch

31.03.2020

Habe ich Anspruch auf einen höhenverstellbaren Schreibtisch?

Der Rücken ziept, der Nacken schmerzt: Ein höhenverstellbarer Schreibtisch wäre jetzt was, an dem man auch mal im Stehen arbeiten kann. Aber haben Beschäftigte darauf Anspruch? » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
05:28 Uhr



^