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Vom Buddha im Bad

Wie ein geistiger Führer aus Fernost hierzulande zum Deko-Objekt wurde



Foto: AdobeStock  

Ich gebe zu, ich habe auch einen. Mein Buddha steht aufrecht, seine rechte Hand zeigt mit geöffneter Handfläche nach vorne und seine linke ruht auf seinem Oberschenkel. Diese Geste wird Abhaya genannt und symbolisiert Schutz, Frieden und Furchtlosigkeit. Dass mein Buddha mir mit seiner Haltung etwas sagen will, weiß ich erst seit Kurzem. Davor hatte
ich ihn ausschließlich als Dekoration betrachtet.

Zwar habe ich meinen Buddha vor Jahren nicht im Baumarkt gekauft (mittlerweile DER Umschlagplatz für Figuren in allen Farben und Formen), den Regeln des Buddhismus entspricht er trotzdem nicht. Denn dazu müsste er nach strengen Vorgaben handgeformt und bemalt worden sein. Nur so kann er Glück bringen, heißt es. Und genau damit wären wir schon beim Thema. Es wird nämlich mittlerweile eine Menge über Buddhas gesagt. Und das liegt vor allem daran, dass sich immer mehr Deutsche den Erleuchteten nach Hause holen und neben die Badewanne stellen.

Schon 2012 fragte sich der Journalist Björn Rosen im Tagesspiegel, wie der Buddha bloß ins Bad gekommen ist. Sein Fazit: "Die klischierte Vorstellung von buddhistischer Harmonie, Sanftheit und Ruhe ist es wohl auch, die selbst Leute, die wenig bis gar nichts vom Buddhismus wissen, veranlasst, sich Buddhas ins Bad zu stellen."

Und die chinesische Journalistin Hana Yeung Pui Wan erzählte kürzlich in der Online-Ausgabe der Berliner Tageszeitung taz von ihren Erlebnissen in Deutschland und verriet: "Die erste Buddha-Figur, die mich aufmerksam machte, lebte in einem privaten Badezimmer. Der Blick des spirituellen Führers und Lehrers war auf die Badewanne gerichtet." In München fand sie den geistigen Führer dann in der Mitte einer Drehscheibe voller Sushi-Teller und auch in einem Designladen in der Hauptstadt sei der Buddha als Deko für den Esstisch genutzt worden. Allesamt Situationen, die dem Gast aus Fernost mehr als spanisch vorkamen.

"Buddha ist doch eine Respektperson, kein Gott zwar, aber ein spiritueller Lehrer, dem man mit einem gewissen Maß an Ehrerbietung begegnet, wenn er zu einem nach Hause kommt", erklärte Hana Yeung Pui Wan. Und: "Einen Lehrer stellt man natürlich nicht einfach irgendwohin. Sie würden es wahrscheinlich auch befremdlich finden, wenn der gekreuzigte Jesus Christus Sie beim Duschen oder Urinieren anschauen würde."

Das saß. Spätestens mit dem letzten Satz hatte sie mich. Ruhte mein Buddha zu diesem Zeitpunkt noch auf einem – wie ich bis dahin fand: überaus idealen – Platz in der Gästetoilette. Doch drei Klicks und vier Online-Suchanfragen später wusste ich genau: Er muss umziehen. Jetzt. Sofort. Auch wenn dafür der erste Urlaubstag draufgehen wird, aber mit schlechtem Karma ist schließlich nicht zu spaßen.

Doch wohin nun mit dem Erleuchteten, damit seine ganze gute Energie viel Friede und Freude in mein Leben bringen kann? Jedenfalls nicht direkt ans Fenster (er braucht eine stabile Rückwand als Schutz), nicht lieblos auf den Boden (sonst blickt man auf den Meister herab) und auch nicht in den Flur, wo seine Hand als Ablage genutzt werden kann (hier geht der Respekt vor dem Meister vollends flöten). Stattdessen soll ein zentraler Ort wie das Wohnzimmer besonders gut geeignet sein oder der Eingangsbereich, wo bereits beim Eintreten der Blick auf den Buddha fällt.

Und weil laut Experten der chinesischen Harmonielehre Feng Shui auch die Himmelsrichtung eine entscheidende Rolle spielt (demnach steht die Statue am besten am höchsten Punkt im Raum und blickt gen Osten), fand mein Buddha ein neues Zuhause auf einem tragenden Balken weit oben in meinem Wohnzimmer. Von dort aus schickt er jetzt hoffentlich jeden Tag viel Licht und Friede hinab zu meinem Schreibtisch und vergisst ganz schnell, was er jahrelang an vielen ungeeigneten Plätzen gesehen hat.

Eigentlich müsste die Geschichte an dieser Stelle nun erzählt sein. Wenn da nicht meine Freundin Katharina wäre. So kam just am Tag der Umräumaktion nämlich spontan vorbei und musste den neuen Standort mit Fachwissen unter die Lupe nehmen. Niemand in meinem Umfeld ist dafür geeigneter, hat die Weltenbummlerin schließlich monatelang in Nepal, der Heimat des ersten Buddhas Siddhartha Gautama, verbracht.

Doch statt einem "Gut gemacht" gab es ein ratloses Schulterzucken. Wo der Buddha bei den Mönchen in Nepal steht, wollte ich von ihr wissen. "Eigentlich immer auf dem Boden", meint sie. "Oder in einem eigenen Meditationsraum mit einem Schrein." Allerdings würde sich dort kein Menschen darüber Gedanken machen, wo nun der richtige Platz sei. Und schon gar nicht einen halben Tag Zeit dafür opfern.

Vielleicht lassen Sie Ihren einfach im Bad stehen. Oder gleich im Baumarkt.

 

So! ist das also
Siddharta Gautama gilt als Begründer des Buddhismus und erster Buddha. Laut Überlieferung gelangte er als 35-Jähriger in einer Meditation unter einem Feigenbaum zur Erkenntnis aller Dinge. Geboren wurde er vor rund 2500 Jahren an der heutigen Grenze zwischen Indien und Nepal. Seine Eltern waren reiche Hindus und lebten in einem Schloss. Die Mutter starb nach der Geburt, Siddharta wuchs in Luxus bei seinem Vater auf und durfte sich nur im Palast aufhalten. Heimlich unternahm er Ausflüge, um das Leben draußen kennenzulernen. Dabei begegnete er zum ersten Mal Menschen, die Not litten. Mit 29 Jahren und kurz vor der Geburt seines ersten Sohnes verließ er den Palast und änderte sein Leben. Er führte fortan ein bescheidenes Dasein und bescherte seinen Mitmenschen nur Freude und Gutes. Er starb mit 80 Jahren an einer Lebensmittelvergiftung.

 

 

 

 

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Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
07. 09. 2018
12:15 Uhr

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