Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

 

Wieder mehr Verkehrstote: Ursache könnte Turbo-Sommer sein

Nach dem Tiefstand von 2017 sterben wieder mehr Menschen auf deutschen Straßen. Vor allem Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer brauchen nach Ansicht von Fachleuten mehr Schutz. Was kann getan werden?



Kreuz für einen Verkehrstoten
Die Zahl der Todesopfer auf deutschen Straßen hat sich dieses Jahr voraussichtlich etwas erhöht.   Foto: Sebastian Gollnow

Möglicherweise spielt das Wetter eine Rolle: Im Straßenverkehr wird es in diesem Jahr voraussichtlich wieder etwas mehr Tote und Verletzte geben.

Das Statistische Bundesamt geht in einer Schätzung davon aus, dass die Zahl der Verkehrstoten bis Jahresende gegenüber dem Vorjahr um etwa 40 Opfer (rund ein Prozent) auf 3220 steigen wird.

Ihre Zahl war in den vergangenen zwei Jahren gesunken und hatte 2017 den tiefsten Stand erreicht. Bei den Verletzten erwarten die Fachleute in diesem Jahr ebenfalls eine Zunahme - um etwa ein Prozent oder rund 3000 auf 393.000 Menschen. «Inzwischen hängen wir in der Frage, ob es rauf oder runter geht, im Wesentlichen vom Wetter ab», sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann.

So habe es mit dem langen Winter 2018 zunächst erneut weniger Verkehrstote gegeben. Doch dann kam der Turbo-Sommer. Das lang anhaltende warme und trockene Wetter hätten mehr Menschen als sonst genutzt, um mit dem Rad zu fahren. Motorradfahrer seien häufiger unterwegs gewesen, «weil die Wochenenden besonders schön waren». Der ADAC nennt auch «den außergewöhnlich trockenen und heißen Sommer» als Grund. Dieser habe zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen geführt, nicht nur auf dem Motorrad und dem Fahrrad, sondern auch von Ausflüglern, sagt eine Sprecherin.

Um die Unfälle mit Toten und Verletzten dauerhaft deutlich weiter zu senken, fordern Fachleute die Innenstädte stärker in den Blick zu nehmen. Dort seien inzwischen mehr Menschen zu Fuß unterwegs, sagt Unfallforscher Brockmann. «Und der Radverkehr steigt deutlich schneller als die Kommunen in der Lage sind, eine einigermaßen sichere Infrastruktur herzustellen.» Diese brauche nicht nur Geld, sondern koste wegen der Planung auch Zeit. In vielen Städten kämen politische Auseinandersetzungen dazu, denn «eine gute Radinfrastruktur hieß oft, den Autos etwas wegzunehmen».

«Während man in den Niederlanden für den Radverkehr ein komplett eigenes Wegesystem eingerichtet hat, bekommt der Radverkehr in Deutschland kaum eigenen Platz im Straßenraum», stellt die Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Stephanie Krone, fest. «Das zu ändern, ist wichtigste Aufgabe der Verkehrspolitik.» Notwendig sei ein Investitionsprogramm von mindestens 30 Euro pro Einwohner und Jahr, um die Radverkehrsinfrastruktur auf einen komfortablen und sicheren Stand zu bekommen.

Zudem müsse verpflichtende Fahrzeugelektronik helfen. Dazu gehörten vor allem verpflichtende Abbiege- und Notbremsassistenten in Kraftfahrzeugen. «Es kann nicht sein, dass in Hightech-Deutschland jede Woche Menschen sterben, weil sie von Auto- und LKW-Fahrern nicht gesehen werden», betont Krone.

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert die Bundesregierung auf, «endlich» Tempolimits auf Autobahnen (120 Kilometer pro Stunde), Landstraßen (Tempo 80) und in den Städten (Tempo 30) einzuführen. «Jeden Tag sterben im Schnitt zehn Menschen auf der Straße, und Hunderttausende sind von so einem Unfall betroffen», sagt VCD-Sprecherin Almut Gaude. Viele Verletzte litten ihr Leben lang unter den Unfallfolgen. Tempolimits seien der zentrale Hebel. «Sie kosten überhaupt nichts und retten Leben.»

Die Zahl der von der Polizei erfassten Unfälle wird bis zum Jahresende voraussichtlich auch ganz leicht steigen (um etwa 0,3 Prozent). Die Statistiker gehen von mehr als 2,6 Millionen Unfällen auf Deutschlands Straßen aus. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten oder Toten wird sich schätzungsweise um rund ein Prozent auf 306 000 erhöhen. Basis der Schätzung sind die Unfallzahlen der ersten neun Monate.

Veröffentlicht am:
17. 12. 2018
10:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Fußgänger Motorradfahrer Polizei Radverkehr Statistisches Bundesamt Tote Unfallforscherinnen und Unfallforscher Verkehrsclub Deutschland Verkehrstote Verletzte Wetter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Zusammenprall mit einem LKW

18.01.2019

Assistenz-Systeme könnten viele Menschenleben retten

In Deutschland sind zuletzt rund 3200 Menschen pro Jahr im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Ein Teil davon könnte nach Einschätzung von Fachleuten noch leben, wenn Lastwagen mit Assistenzsystemen ausgerüstet wären. » mehr

Anja Smetanin

20.03.2018

Was Clubs für Auto- und Fahrradfahrer bieten

Wer als Radfahrer von einer Gemeinschaft profitieren möchte, hat einige Möglichkeiten. Allerdings kommt es bei der Auswahl darauf an, was man sich davon verspricht: eine inspirierende, aktive Gemeinschaft, Serviceleistun... » mehr

E-Scooter in Washington

17.12.2018

Fußgänger-Verband warnt vor E-Skateboards

Im kommenden Jahr sind voraussichtlich elektrisierte Tretroller und Skateboards auf den Straßen erlaubt. Bricht auf den Fuß- und Radwegen dann das Chaos aus? » mehr

Blitzer

25.07.2017

Vor 60 Jahren wurde das Verkehrszentralregister beschlossen

Im Wirtschaftswunder-Deutschland stieg die Zahl der Autos und auch der Unfälle. Deswegen wurde vor 60 Jahren die Verkehrssünderdatei auf den Weg gebracht. Obsolet sind die Punktesammler aus Flensburg bis heute nicht. » mehr

Falträder

12.10.2018

Leihräder gibt es für jeden Zweck

Nicht nur beim Auto gibt es den Trend zum Teilen. Auch beim Fahrrad-Sharing wächst das Angebot. Manche Stadtzentren werden von Leihrädern regelrecht überschwemmt. Doch es gibt noch mehr Varianten der Radmiete, auch für A... » mehr

Verkehr in Stuttgart

17.12.2018

Wo und ab wann stehen 2019 Fahrverbote an?

Aus Hamburg sind sie bereits teilweise verbannt. Für ältere Diesel sieht es im kommenden Jahr aber auch in anderen deutschen Städten nicht gut aus. Was kommt auf Autofahrer zu? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 12. 2018
10:05 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".