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PS-Branche gibt sich bodenständig in Detroit

Autonomes Fahren, Elektroantrieb, ultimative Vernetzung: Noch eine Woche zuvor bei der Elektronikmesse CES in Las Vegas hat die Automobilindustrie in die Zukunft geschaut. Doch auf der Detroit Motor Show zeigt sie Neuheiten vor allem nach alter Väter Sitte.



Lexus LS
Japanischer Luxus: Lexus zeigt in Detroit mit dem überarbeiteten 5,23 Meter langen LS sein Flaggschiff. Foto: Thomas Geiger   » zu den Bildern

Gestern Las Vegas, heute Detroit: Größer könnte der Kontrast kaum sein. Das gilt nicht allein für den Unterschied zwischen der bunten Hauptstadt der Illusionen und der grauen Metropole der geplatzten Träume. Es gilt umso mehr für das Programm der Autoindustrie, die in den Städten zwei wichtige Messen bespielt hat.

Während die PS-Branche auf der Consumer Electronics Show (CES)in Nevada die Zukunft im Visier hatte und sich alles um Elektromobilität, autonomes Fahren oder völlige Vernetzung drehte, kehrt sie für die North American International Autoshow in Detroit (NAIAS, Publikumstage: 14. bis 22. Januar) ins Hier und Heute zurück: Weil Elektromobilität eben doch noch in den Kinderschuhen steckt und der Autopilot wohl nicht vor 2020 kommt, geht es im Cobo Center vor allem um Autos konventioneller Bauart, und man misst die Leistungsfähigkeit wieder in PS statt Bits pro Sekunde.

Im Fokus stehen dabei vor allem Massenmodelle, die vielleicht nicht viele Kritiker-Punkte sammeln, dafür aber umso mehr Kunden ansprechen: Mit dem komplett neuen Toyota Camry und dem gründlich überarbeiteten Ford F-150 drehen sich die meistverkaufte Limousine und der seit Jahrzehnten erfolgreichste Pick-Up der USA im Rampenlicht. Auch der Chevrolet Traverse, ein SUV von rund 5,20 Metern mit bis zu acht Sitzen, das in Amerika noch als «Mid Size» gilt, hat das Zeug zum Zulassungshelden. Ebenfalls ganz oben auf der Shopping List von «Joe Average» dürfte der Honda Odyssee stehen, der sich mit einer Neuauflage tapfer gegen das Sterben der Vans stemmt.

Die mit Abstand fortschrittlichste Neuheit kommt aus Deutschland: Mit dem I.D. Buzz zeigt VW ein Auto, das eigentlich noch auf die CES gehört hätte. Der elektrische Kleinbus mit über 600 Kilometern Reichweite ist laut Markenchef Herbert Diess bereits für das autonome Fahren ab 2025 vorbereitet. Wenn man den Stimmen am Stand glaubt, könnte dieses Konzept ab 2021/22 tatsächlich in Serie gehen.

Überhaupt sind es einmal mehr die deutschen Hersteller, die aus der Schwäche der US-Marken den größten Profit schlagen und sich selbst mit kleineren Neuheiten großes Gehör verschaffen: Mercedes zum Beispiel punktet mit dem Coupé der neuen E-Klasse sowie neuen Gesichtern für GLA und AMG GT. BMW feiert die Publikumspremiere des neuen 5er, VW streckt den Tiguan als Allspace auf 4,70 Meter und schafft so erstmals Platz für eine dritte Sitzreihe. Bei Audi steht als neuer Leitbulle der Q-Herde der Q8 Concept. Das Serienmodell soll 2018 folgen. Als Viertürer mit angedeutetem Coupé-Heck wirkt er trotz seiner stattlichen 5,02 Metern etwas zierlicher und eleganter als der Q7 und ist innen mit einem neuen Bedienkonzept fast ohne Schalter deutlich moderner. Und weil die Zukunft eben doch nicht mehr so weit weg ist, wie sie in Detroit alle glauben machen, hat er, wenn schon keinen Elektro-, dann wenigstens einen Plug-in-Hybrid-Antrieb, mit dem er laut Audi 60 Kilometer mit Strom statt Sprit schafft.

Die vielleicht größte Überraschung kommt allerdings von Kia: «Dass wir als einstige Budget-Marke mal ein wirklich leistungsstarkes und leidenschaftliches Auto bauen würden, das hat uns so richtig keiner zugetraut», sagt der europäische Designchef Gregory Guillaume, in dessen Frankfurter Studio das Auto gezeichnet wurde. Dann rollt er mit gebührendem Stolz den neuen Stinger auf die Bühne: Bis zu 286 kW/365 PS stark, in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und bis etwa 270 km/h schnell soll sich der Stachel dieser 4,83 Meter langen Coupé-Limousine tief ins Fleisch von Audi A5 Sportback oder BMW 4er Gran Coupé bohren. Weniger überraschend, aber nicht minder ambitioniert: Die neue Generation des Lexus LS, der als 5,23 Meter langes Flaggschiff mit neuester Komfort- und Assistenztechnik gegen Autos wie Mercedes S-Klasse, BMW 7er oder Audi A8 positioniert wird.

Hier mehr Rechen- als Motorleistung sowie Studien wie aus dem Science-Fiction-Comic und da Pick-Ups, Vans und immer wieder SUV: Der Kontrast zwischen Las Vegas und Detroit ist innen und außerhalb der Messehallen ebenso eindrucksvoll wie erschreckend. Doch so ganz daneben liegen sie in Detroit womöglich gar nicht. Denn die Prognosen für den amerikanischen Automarkt sind rosig wie eh. Selbst das Menetekel der Präsidentschaft Donald Trumps ändert daran nichts. Denn zumindest für den US-Markt rechnen die Analysten sogar mit einem zusätzlichen Auftrieb. Wenn America Great Again werden soll, braucht es, so die heimliche Hoffnung auf dem Messeparkett, auch große Autos.

Veröffentlicht am:
10. 01. 2017
12:11 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 01. 2017
12:11 Uhr



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