Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

 

Richtig Hand anlegen - Werkstätten für Selbstschrauber

Fahrradwerkstätten für Selbstschrauber sind inzwischen gut besucht. Aber einfach das Auto eigenhändig auf die Hebebühne fahren und loslegen? Wer Probleme am Wagen in einer Selbsthilfewerkstatt beheben will, sollte sich vorher im Internet informieren.



Preisersparnis
Auf eigene Rechnung: Selbst das Auto zu reparieren, dürfte meist billiger kommen. Doch geht etwas schief, haftet in der Regel der Kunde. Markus Scholz/dpa-tmn   Foto: Markus Scholz » zu den Bildern

Die Zeit von Andreas Chojnacki ist kostbar, genauer: Sie ist einen Euro pro Minute Wert. Er arbeitet als Mechaniker in der Selbsthilfewerkstatt Tiger in Neuenhagen bei Berlin.

Wer hierher kommt, will seine Hilfe aber gar nicht unbedingt. Für 14 Euro in der Stunde können Autobastler die Hebebühnen, den Motorkran und die Spezialwerkzeuge nutzen. Mehr kostet es nur, eben den einen Euro pro Minute, wenn Chojnacki und seine Kollegen mit anpacken müssen. Freundliche Fragen sind aber kostenlos.

Inzwischen gibt es überall im Land solche Selbsthilfewerkstätten. Nur: Ist es sicher, dort zu schrauben? Kann auch der Laie hinterher beruhigt wieder losfahren? Was sollte man können, bevor man selbst eine Hebebühne bedient? Und ist das am Ende wirklich billiger?

«Wir sind der Meinung, dass Selbsthilfewerkstätten eine wichtige Ergänzung der Reparaturmöglichkeiten sind», sagt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Er beobachtet aber, dass die Werkstätten vor allem von Mitarbeitern aus dem Kfz-Gewerbe, von Motorsportlern und Oldtimer-Fans mit Sachverstand benutzt werden.

Auch zu Chojnacki kommen Profis, um an ihren Autos zu basteln. «Es sind aber auch Leute dabei, die absolut keine Ahnung haben», sagt er. Insgesamt sind das zu 90 Prozent Männer. Größere Reparaturen oder gar Liebhaber-Tuning sind bei diesen Laien selten. Oft wollen sie Öl wechseln oder den Luftfilter austauschen, manchmal eine Zündkerze oder eine Glühbirne selbst wechseln. Viele Ersatzteile hat Chojnacki da, wenn es komplizierter wird, kann er sie bestellen. Hier gibt es neben den Hebebühnen und dem üblichen Werkzeug auch Spezialwerkzeuge und einen Motorkran.

Jedoch sind nicht alle Werkstätten gleich gut ausgestattet, sagt Engelmohr. «Vom Einzelplatz mit Grube bis zu mehreren Plätzen mit Hebebühnen reicht die Palette.» Einige bieten demnach sogar digitale Diagnosegeräte. Um die Sicherheit, zum Beispiel die von Hebebühnen, müsse man sich keine Sorgen machen. Schließlich handele es sich um Werkstätten mit Publikumsverkehr, die bestimmte Standards einhalten müssen, sagt Engelmohr.

Selbsthilfewerkstätten müssen nicht an eine Kfz-Werkstatt angeschlossen sein. Und der Betreiber muss auch keinen Meisterbrief besitzen. Wenn einem Kunden das wichtig ist, kann er darauf achten - manche Werkstätten werben damit. Die Selbsthilfewerkstatt Tiger ist an eine Kfz-Werkstatt angeschlossen. Die Mechaniker helfen weiter, wenn der Laie eine Frage hat. Chojnacki empfiehlt totalen Anfängern dennoch, sich vorher im Internet in Erklärvideos kurz die Handgriffe der Reparatur anzusehen, die er vorzunehmen gedenkt. «Und uns lieber einmal mehr fragen als zu wenig», sagt der Mechaniker.

Geht etwas schief, haftet in jedem Fall der Kunde, sagt Engelmohr. Diese Regel gilt auch dann, wenn das Auto nach Empfehlung einer der Profis repariert worden ist. Ausnahme: Wenn ein von der Werkstatt verkauftes und durch den Kunden eingebautes Ersatzteil Mängel hat. «Die Betriebe können ihre Haftung noch weiter beschränken», sagt Engelmohr. «Kunden sollten deshalb auf Aushänge achten.»

Daher empfiehlt Engelmohr die Nutzung von Selbsthilfewerkstätten vor allem ambitionierten und informierten Laien. «Manchmal ist ja heutzutage sogar der Tausch einer Glühbirne im Scheinwerfer eine knifflige Arbeit.» An Motor und Antrieb empfiehlt er gleich ganz, nur Fachleute ranzulassen. «Dasselbe gilt für Bremsen und Fahrwerk.»

Darauf weist auch Hans-Ulrich Sander vom Tüv Rheinland hin - und ist deutlich rigoroser: «Am Fahrzeug zu arbeiten, sollte Profis vorbehalten bleiben.» Er hat zwar prinzipiell nichts dagegen, dass Laien den Luftdruck der Reifen selbst überprüfen oder einen Ölwechsel machen. Er warnt aber davor, die Komplexität vermeintlich einfacher Aufgaben zu unterschätzen. Etwa bei der Batterie. «Wer ein Ladegerät falsch anbringt, der kann viel kaputt machen.» Bei älteren Autos seien manche Aufgaben vergleichsweise einfach - aber bei neueren mache es die verbaute Elektronik Laien zunehmend schwerer.

Für leichtere Arbeiten kann sich ein Besuch in der Selbsthilfewerkstatt allerdings lohnen, ohne gefährlich zu werden. Zu 99 Prozent sei es günstiger, sagt Chojnacki von der Selbsthilfewerkstatt Tiger. Tatsächlich kostet ein Ölwechsel in der Werkstatt schnell mal an die 100 Euro. Wer geschickt genug ist, kann beim Selbermachen rund 60 Euro sparen - die Kosten für neues Öl, einen neuen Filter und die Werkstattstunde schon eingerechnet.

Veröffentlicht am:
01. 08. 2017
04:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auto Autobranche Automobilclub von Deutschland Do it yourself Glühbirnen Internet Kunden Ladegeräte Sportlerinnen und Sportler im Bereich Automobil- und Rennsport Werkstätten Zündkerzen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Früh übt sich

26.07.2019

Tipps für den Start im Motorradsport

Vielen reicht es, mit dem Motorrad nach Feierabend eine Runde zu drehen oder eine Urlaubstour zu machen. Doch wer das Motorradfahren als Sport betreiben will, hat die Qual der Wahl: Rundstrecke, Gelände, Bahnsport - oder... » mehr

Selbstfahrendes Auto von Waymo

06.09.2019

Die Robotaxi-Revolution lässt auf sich warten

Nach einigen Prognosen vom Anfang des Jahrzehnts hätten wir schon in Robotaxis durch die Städte fahren können. Doch obwohl viele Player Tag für Tag selbstfahrende Testautos auf die Straße schicken, ist die Technik immer ... » mehr

12-Volt-Steckdose

26.04.2019

Wofür man den Zigarettenanzünder noch nutzen kann

Die Zeiten der Zigaretten im Auto gehen mit der sozialen Ächtung des Rauchens zusehends zu Ende. Was früher mal zum wichtigsten Extra der Nikotingesellschaft zählte, erfreut sich auch bei Abstinenzlern großer Beliebtheit... » mehr

Nicht zu rasant

28.06.2019

Spritsparen leicht gemacht

Egal, ob in Vorbereitung auf eine CO2-Steuer oder um weniger klimaschädlich unterwegs zu sein: Mit einfachen Kniffen können Autofahrer ihren Spritverbrauch senken. Gerade die Techniken moderner Fahrzeuge eröffnen hierbei... » mehr

Arthur Kipferler

22.05.2019

Wer macht den Service bei neuen Autofirmen?

Neue Automarken drängen auf den europäischen Markt. Sie bieten innovative Modelle und vielleicht interessante Einführungsangebote. Doch was ist, wenn Inspektionen und Reparaturen anstehen? » mehr

Wenn der Prüfer Ersatzteile entdeckt

27.08.2019

Das Problem mit gefälschten Ersatzteilen

Nachgemachte Ersatzteile sind oft billiger als Originalteile. Doch wer billige Kopien verbaut, kann sich schnell in Gefahr bringen. Ein Imitat zu entlarven, ist oft nicht leicht. Aber es geht. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
01. 08. 2017
04:45 Uhr



^