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Lasst Lichter sprechen: Autonome Autos blinzeln und leuchten

Das autonome Fahren wirft viele Fragen auf, die weit über die eigentliche Lenkaufgabe hinausgehen. Auch wie sich Roboterautos mit Passanten verständigen können, ist bislang völlig offen. Designstudien mit neuen Lichtkonzepten zeigen eine mögliche Lösung.



Autonome Autos
Über die Außenhülle kann der selbstfahrende Smart Vision EQ der Außenwelt Infos wie etwa Wetternachrichten zur Verfügung stellen und den Fußgängern über die Scheinwerfer zuzwinkern, wenn er sie erkannt hat.   Foto: Daimler AG » zu den Bildern

Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte: Bevor Fußgänger vor einem Auto die Straße überqueren, suchen sie in der Regel den Augenkontakt mit dem Fahrer. Hat er mich gesehen, kann ich gehen?

Das sind die Fragen, die sich auf diese Weise buchstäblich in einem Augenblick beantworten lassen. «Doch in Zukunft könnte das schwierig werden», sagt Marc Lichte, Chefdesigner bei Audi. Denn wenn der Autopilot das Steuer übernimmt, schaut der Fahrer vielleicht nach seinen E-Mails, hat die Augen geschlossen oder sitzt auf der Rückbank. Oder ist vielleicht gar nicht mehr an Bord.

«Dann müssen wir auf eine andere Art für Verständigung zwischen Mensch und Maschine sorgen», erklärt Lichte. Er lässt deshalb bei seiner autonomen Studie Aicon die Lichter sprechen: Hunderte Lichtdioden im Kühlergrill simulieren nicht nur die Schweinwerfer, sondern signalisieren Passanten auch mit vielfältigen Grafiken, dass sie von der Elektronik erkannt wurden, gefahrlos weitergehen können oder besser stehen bleiben sollten, weil sich von hinten im Toten Winkel ein weiteres Auto nähert.

Das ist ein Trend, den man bei aktuellen Technologieträgern und Showcars etwa zuletzt bei der IAA in Frankfurt am Main immer öfter sieht. «Denn das ist eine Frage, über die man vielleicht nicht auf Anhieb nachdenkt, die sich mit zunehmender Autonomie der Autos aber immer lauter stellt,» sagt Lichte. Und die Arbeit der Kollegen gibt ihm recht: Bereits der Mercedes F 015 hat vor zwei Jahren Zebrastreifen oder Stoppschilder auf die Straße projiziert. Und sein jetzt auf der IAA enthüllter kleiner Bruder Smart Vision EQ zwinkert mit den Augen seiner LED-Scheinwerfer, wenn er Passanten erkannt hat.

Es geht den Designern künftig aber nicht allein um den Dialog mit den Fußgängern. Sondern Elektroautos wie das Honda Urban EV Concept können mit entsprechender Beleuchtung auf den ersten Blick auch ihren Ladestatus kommunizieren. Wenn sie im Carsharing eingesetzt werden, können sie so den nächsten Kunden willkommen heißen. Und fahren sie als Robotaxi wie der Smart EQ, lassen sie alle anderen Verkehrsteilnehmer wissen, in welcher Mission sie gerade unterwegs sind. Für den lautlosen Dialog mit Licht braucht es aber nicht nur die entsprechenden Flächen am Bug, an den Flanken oder am Heck des Autos, sondern auch die passende Technik.

Ohne gleißend helle LEDs zum Beispiel geht da gar nichts, ist Lichte überzeugt. «Schließlich muss man die Botschaften nicht nur bei Nacht erkennen, sondern auch, wenn draußen die Sonne scheint.» Gleichzeitig allerdings arbeitet die Industrie auch an Scheinwerfern, mit denen solche Informationen nicht nur am Auto, sondern auch auf der Straße dargestellt werden könne. «Selbst wenn sie den Blick auf ihr Handy richten und deshalb nur nach unten starren, wollen wir sie erreichen», sagt Lichte mit Blick auf die Projektoren, die an allen Ecken seiner Studie montiert sind.

Das Innenleben dafür braucht aber mehr als konventionelle Leuchtelemente, sagt der Zulieferer Hella und zeigt auf der IAA einen LED-Scheinwerfer, der mit sogenannten Liquid Crystal Displays arbeitet, wie man sie aus dem Fernseher kennt. So lässt sich das Licht in 30 000 einzelne Pixel zerlegen, mit denen man den Lichtkegel dem Unternehmen zufolge nicht nur genauer an die jeweiligen Verkehrssituationen anpassen, sondern auch zur Projektion von Symbolen wie Abbiegepfeilen für den Fahrer oder Warnhinweisen für Fußgänger nutzen kann. «Die LCD-Technologie ermöglicht Funktionen, die auch für das autonome Fahren relevant sein werden», sagt Christian Schmidt, der die Vorausentwicklung des Zulieferers leitet: «Wir werden die Technologie deshalb zur Serienreife bringen.»

Bei der Arbeit an neuen Dialog-Konzepten hören die Designer aber bei Warnungen für Passanten und Botschaften für Mitfahrer nicht auf. Sondern in ihren Szenarien für Übermorgen nutzen sie die neuen Kommunikationsmöglichkeiten selbst dann, wenn die Autos stehen.

«Dann geben wir der Stadt etwas zurück», sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Blick auf die transparenten Türen des Smart Concept EQ, die sich auf dem Parkplatz eintrüben und zu großen Leinwänden für den integrierten Beamer werden. Je nach Lust, Laune und Programmierung kann man darauf dann den Wetterbericht ablesen oder die Liveübertragung der Bundesliga sehen. Und wenn irgendwann vor lauter Autos vielleicht mal gar kein Grün mehr in der Stadt zu sehen ist, werden kurzerhand Büsche und Bäume auf die Scheiben projiziert.

Veröffentlicht am:
19. 09. 2017
09:00 Uhr

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dpa

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19. 09. 2017
09:00 Uhr



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