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Knall auf Fall: Neue Airbags für noch mehr Sicherheit

Obwohl der Verkehr immer dichter wird, sinkt die Zahl der Unfallopfer kontinuierlich. Das liegt nicht zuletzt an der Sicherheitsausstattung und vor allem am Airbag. Kein Wunder also, dass die Industrie ständig neue Luftkissen entwickelt. Womöglich aber nicht mehr lange.



Mittelairbag von ZF
Kein Kuschelkissen: Dieser von ZF entwickelte Mittelairbag soll beispielsweise verhindern, dass die Passagiere beim Unfall gegeneinanderprallen.   Foto: ZF Friedrichshafen AG » zu den Bildern

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Noch nie in den vergangenen 60 Jahren sind nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes so wenige Menschen auf deutschen Straßen ums Leben gekommen wie 2017.

Zwar hat sich die Entwicklung in den letzten Jahren etwas verlangsamt, doch führen Experten wie Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS den stetigen Rückgang vor allem auf die immer bessere Sicherheitsausstattung der Fahrzeuge zurück.

«Assistenzsysteme und insbesondere die Airbags erweisen sich als wirkungsvolle Lebensretter», sagt Marmit. Doch weil jeder der immer noch 3177 Unfalltoten aus dem Jahr 2017 einer zu viel ist, lässt die Branche nicht locker. Selbst wenn mittlerweile in einigen Fahrzeugen insbesondere in der Oberklasse bereits ein knappes Dutzend Airbags verbaut sind, finden die Hersteller noch immer kleine Sicherheitslücken, die mit neuen Prallkissen gestopft werden können.

Eine Lösung könnte der Mittelairbag sein, den der Zulieferer ZF in Friedrichshafen entwickelt hat. Dieser so genannte Center Airbag entfaltet sich aus der oberen Hälfte der Sitzlehne und legt sich bei einem Seitenaufprall zwischen die Passagiere. Das verhindert, dass die Insassen gegen ihren Nachbar oder dessen Sitz prallen und sich auch auf der dem Unfall abgewandten Seite verletzen, teilt der Hersteller mit.

Ebenfalls ein neuartiger Airbag ist gerade bei der Hyundai-Tochter Mobis in Entwicklung. Er soll sich im Falle eines Überschlages vor das Panoramadach legen. «Damit schützen wir die Passagiere vor schweren Kopfverletzungen und verhindern, dass jemand durch das offene Dachfenster aus dem Auto geschleudert wird», erläutert Pressesprecher Bernhard Voß. Die Auslösung erfolge bereits, wenn die Fahrzeugsensoren einen drohenden Überschlag erkennen, und sie ist dank einer ausgeklügelten Technik besonders schnell: 0,08 Sekunden genügen, damit sich der Airbag wie ein Vorhang vor das Dachelement spannt, teilt der koreanische Hersteller mit.

Während Hyundai trotz erfolgreicher Labortests mit Dummys noch keine Angaben zur Serienreife macht und den Einsatztermin offenlässt, kann man den ersten Center-Airbag bereits kaufen: Er wird seit dem Herbst in der neuen Generation des Audi-Flaggschiffs A8 angeboten. Allerdings schützt er in der Luxuslimousine nicht die Front-, sondern die Fondpassagiere, sitzt hinter der Hutablage und schießt bei Bedarf zwischen den Einzelsitzen hervor, erläutert Audi-Sprecher Josef Schloßmacher.

Wenn die Hersteller an Airbags denken, haben sie aber nicht nur die Insassen im Sinn. Sondern immer wieder zeigen sie auch Entwicklungen für sogenannte Außenairbags, die zum Beispiel Fußgänger oder Radfahrer vor Kollisionen schützen sollen. Bis auf einen Luftsack in der Motorhaube des letzten Volvo V40, der Fußgänger bei einem Unfall vor A-Säulen und der Frontscheibe schützen soll, hat es allerdings noch keines dieser Systeme in Serie geschafft.

Wird es womöglich auch nie mehr - glauben zumindest Männer wie Laurens van den Acker. Der Niederländer ist Designchef bei Renault und wie jeder seiner Kollegen auf Sicherheit bedacht. Doch zumindest langfristig hält er Airbags tatsächlich für verzichtbar: «Wenn man die Idee vom autonomen Fahren zu Ende denkt, wird es irgendwann tatsächlich keine Unfälle mehr geben», sagt der Designer und freut sich schon auf neue Freiheiten. «Dann brauchen wir weder Knautschzonen noch Airbags und können die Autos außen wie innen ganz anders gestalten.»

Vorerst allerdings stellt das autonome Auto die Entwickler auch für die passive Sicherheit eher vor größere Probleme, warnen die Experten bei ZF. Denn ein Reiz des selbstfahrenden Autos liege darin, dass die Insassen ihre Sitzposition im Wagen freier gestalten können. «Und solange wir keinen unfallfreien Verkehr garantieren können, brauchen wir Airbags, die mit solchen Situationen umgehen können», sagt ZF-Sprecher Christoph Horn. Ganz so schnell wird den Prallsäcken die Puste also noch nicht ausgehen.

Veröffentlicht am:
17. 04. 2018
09:42 Uhr

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dpa

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17. 04. 2018
09:42 Uhr



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