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Ist ein Fahrradschutzbrief sinnvoll?

Pedelecs haben Konjunktur, Radeln ist hip wie lange nicht. Im Fahrwasser des anhaltenden Bike-Booms wächst das Marktangebot an Fahrradschutzbriefen, die im Pannenfall Hilfe versprechen.



Wenn das Bike streikt
Nicht nur Autos, auch moderne Fahrräder werden immer komplizierter, bei Pannen kann Profi-Hilfe erforderlich werden.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Ein Sensor spielt verrückt, der Motor ruckelt, irgendetwas scheint mit der Batterie nicht zu stimmen - oder ist es die Verkabelung? Eine Fahrradpanne kann mittlerweile ganz schön komplex sein. Seit immer mehr E-Bikes auf den Straßen und Wegen der Republik unterwegs sind, sind ihre Radler im Notfall ohne technisches Fachwissen auch öfters aufgeschmissen. Denn damit, den Schlauch zu wechseln oder eine Bremse zu justieren, ist es oft nicht mehr getan.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass sich eine Marktlücke auftut, in die immer mehr Anbieter von Fahrradschutzbriefen drängen. Seit 2016 bietet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) seinen Mitgliedern Schutz im Pannenfall, auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist mit einem entsprechenden Angebot im Sattel.

Vom Auto aufs Rad und umgekehrt

Die Autoclubs haben die Radler ebenso als Zielgruppe entdeckt: Fahrradschutzbriefe bieten mittlerweile auch der Auto Club Europa (ACE), der Automobil-Club Verkehr (ACV) oder der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD), nur der ADAC nicht. Deutschlands größter Automobilclub leistet seinen Mitgliedern zusätzliche Pannenhilfe lediglich bei Zweirädern, die ein Versicherungskennzeichen benötigen, zum Beispiel S-Pedelecs.

Der ARCD verlangt für den Fahrradschutzbrief keinen Aufpreis. Er ist in der Clubmitgliedschaft enthalten, die für Autofahrer Pannen- und Unfallhilfe in Europa bietet - so wie bei den meisten anderen Clubs auch. Teilweise können Leistungen zugebucht werden. ADFC-Einzelmitglieder zahlen 56 Euro (Familien: 68 Euro). Beim VCD werden 9 Euro monatlich zuzüglich einer Jahresgebühr von 60 Euro fällig, um im Notfall Pannenschutz zu bekommen.

Radler können aber auch günstiger wegkommen, wenn sie den Schutzbrief als Einzelbaustein abschließen. Jährlich 19,90 Euro verlangt zum Beispiel die Roland Schutzbrief-Versicherung. Deren Fahrradschutzbrief vermarktet auch die HDI-Versicherung.

Genau die Leistungen der Schutzbriefe vergleichen

Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW rät dazu, genau hinzuschauen, die Leistungen mit dem eigenen Bedarf abzugleichen und letztlich auch das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht aus dem Auge zu verlieren: «Umfang und Inhalt der einzelnen Schutzbriefangebote sind sehr unterschiedlich. Bei manchen, um nur ein Beispiel zu nennen, ist die Kostenübernahme für die Weiter- oder Rückfahrt gedeckelt.»

Pannenhilfe vor Ort und Erreichbarkeit mittels 24-Stunden-Hotline gehören zu den Kernmerkmalen. Wer die feinen bis größeren Unterschiede wissen will, muss jedoch das Kleingedruckte studieren. So variieren auch die maximal für ein Mietrad oder die Übernachtung im Pannenfall übernommenen Kosten ebenso wo die Entfernung zum Schadenort, ab der der Schutz greift.

Auch sollte überprüft werden, ob die maximale Kostenübernahme begrenzt ist oder ob der Schutz auch im Ausland gilt. Beim ARCD ist die Kostenübernahme bei 2000 Euro im Jahr gedeckelt, und «Schadenereignisse, die sich außerhalb der Bundesrepublik Deutschland ereignen, sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen», heißt es in den Bedingungen. Dafür gilt der Brief nicht nur für das einzelne Club-Mitglied, sondern auch für dessen Lebenspartner und deren gemeinsame minderjährige Kinder. Bei anderen wie etwa dem ADFC kosten Familienpakete extra, auch Auslandsleistungen gibt es dort nur gegen Aufpreis, die beim ACV zum Beispiel wiederum inklusive sind.

Was genau brauche ich wirklich?

Nicht für jeden lohnt sich ein Schutzbrief. Wer täglich nur fünf Kilometer zur Arbeit fährt, benötigt ihn eher nicht und könnte das Rad notfalls selbst nach Hause oder zur nächsten Werkstatt befördern. Der Fahrradschutzbrief sei besonders für Menschen interessant, die gerne auch mal unbekannte Gegenden abseits von zu Hause erkunden wollten, sagt Schreiner. «Ideal also für Urlauber» - egal ob Radler nun mit einem herkömmlichen Rad oder einem Pedelec unterwegs seien.

Auch, wer längere Pendelstrecken zu bewältigen hat, dürfte sich im Fall der Fälle darüber freuen, wenn Hilfe naht - gerade bei gegenüber normalen Fahrrädern oft deutlich schwereren E-Bikes. «Das Schieben - gerade außerorts - über eine längere Strecke ist hier zumeist keine Alternative», sagt ACE-Sprecher Jörg Heinze. «Auch der eigene Abtransport per Pkw ist nicht ganz einfach, da die elektrischen Räder nicht in jedes Auto passen.»

© dpa-infocom, dpa:201019-99-995332/2

Veröffentlicht am:
20. 10. 2020
04:44 Uhr

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dpa

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20. 10. 2020
04:44 Uhr



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