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Da-ten-los…

Vernichtender hat wohl selten ein Bundesverkehrsminister über seinen Vorgänger gerichtet. "Für eine Wirtschaftsnation untragbar", befand Andreas Scheuer gleich nach Amtsantritt zum Zustand des deutschen Mobilfunknetzes. Sehr genau wissend, dass Alexander Dobrindt, der als erster Minister überhaupt ausdrücklich für digitale Infrastruktur zuständig war, derselben CSU angehört wie er. Aber wie sollte eine ehrliche Bilanz auch anders lauten, wenn der Ex-Verantwortliche sich für nichts zuständig fühlte - außer eine groteske Maut für Ausländer?



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Doch so richtig die Analyse des bisherigen politischen Versagens auch ausfällt, so untauglich sind die Konsequenzen. Abgesehen davon, dass Bürger nun die Ermittlungsarbeit tun sollen, die des Ministers wäre, so hört sich eine "Funkloch-App" in Zeiten von Daten-Wolken und künstlicher Intelligenz doch ein bisschen jämmerlich an.

Schließlich träumen doch Politiker wie Produzenten gleichermaßen vom Auto-Mobil. Von der Alles-mit-allem-vernetzt-Zukunft. In der es keine Unfälle mehr gibt, keine Staus, keine Abgase und keine Wartezeiten, weil uns allwissende Rechner in optimierte Verkehrsströme hineintakten und wieder aus ihnen heraus. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Und wir? Können in der rollenden Sitzecke von morgen rund um die Uhr E-Mails lesen, Börsenkurse checken oder mit Kollegen kommunizieren.

Konnektivität preisen die Hersteller schon hartnäckiger an als Motoren, Sportfahrwerke und Ledersitze zusammen. Dabei wissen wir nicht erst seit den Unfällen bei Google und Tesla, dass es noch nicht einmal krimineller Niedertracht bedarf, damit Computer am Steuer versagen.

Und der Daten-Austausch für all das? Funktioniert nun mal nur, wenn es genügend Antennen, Glasfaserleitungen und freie Server gibt. Von nichts kommt auch hier nichts. Auch nicht mit ein paar Sendemasten mehr und ein paar Kilometern zusätzlicher Kupferkabel. Da ist ausnahmsweise mal nichts mit Merkel’schem Zuwarten. Beim Auto der Zukunft muss man sich entscheiden. Dafür oder dagegen.

Es gibt für beides gute Gründe. Die berechtigte Zuversicht zum Beispiel, dass emotionslose Elektronengehirne untereinander einen deutlich reibungsloseren Verkehr zustande bringen als all die Raser, Trödler, Stümper, Nicht-Kapierer, Egoisten, Angsthasen, Tagträumer – und selbstverständlich immer auch -innen. All die Termingedrückten und Stressgeplagten, Genervten und Überforderten, die Tag für Tag auf unseren Straßen ihr mehr oder weniger großes Unwesen treiben.

Und mindestens ebenso berechtigt sind all die Bedenken, was denn mit den erhobenen Daten so geschieht? Wo doch heutzutage selbst ehemalige Staatsbetriebe wie die Post nahezu jede Information verhökern, derer sie habhaft werden können. Wer schützt uns eigentlich davor, dass Daten einmal mehr wieder allen möglichen – und, schlimmer noch, unmöglichen – Firmen, Instituten und Behörden gehören werden, nur ganz bestimmt kein bisschen uns selbst?

Dabei wäre doch höchst interessant, wer mit der Technologie des autonomen Fahrens eigentlich nachverfolgen kann und darf, wo wir den halben Tag lang waren, mit welchem Wagen, auf welchem Parkplatz und wie lange. Ob wir uns womöglich allein aufgrund der Strecke schon verdächtig gemacht haben, bloß weil irgendeine Späh-Software auf derselben Route auch schon mal den Schwager der Nachbarin eines Kriminellen ausfindig gemacht hat?

Vor allem dürfte die Gemengelage ganz besonders spannend werden, wenn selbstlenkende Fahrzeuge nicht mehr nur einen Promille-Anteil stellen, sondern vielleicht ein Drittel. Wenn sie sich die Straßen mit zwei Dritteln Autos teilen, die von Menschen gesteuert werden. Wenn technische Perfektion massenhaft auf menschliche Intuition trifft, Algorithmus auf Erfahrung und Prozessor auf Gefühl…

Zu all dem wüsste man gerne etwas. In welche Richtung – im Wortsinn – dieses Land eigentlich steuern will. Digital. Ob wir Big Data im Handschuhfach bekommen oder doch noch auf längere Zeit nach eigenem Können und eigener Routine unseren Weg wählen dürfen?

Es steht zu vermuten, dass aus der gänzlich ferngesteuerten Zukunft so schnell nichts werden wird. Auf der Suche nach Funklöchern muss Herr Scheuer seinen Amtssitz an der Berliner Invalidenstraße nämlich gar nicht so weit hinter sich lassen. Und auf einer dieser Ausfahrten wird er auch sehr schnell merken, dass sie in der Hauptstadt noch nicht einmal eine grüne Welle hinkriegen…

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
18. 04. 2018
16:45 Uhr

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18. 04. 2018
16:45 Uhr



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