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Die Wohl-Fahrt

Der Anspruch ist für Entwicklungsvorstand Ola Källenius klar: DER Maßstab der Oberklasse, sagt er. Eigentlich fehlt nur noch: Punkt. Aber das ist keine Eitelkeit. Fast vier Millionen Käufer haben sich seit 1972 für eine S-Klasse entschieden – aktuell ist sie die meistverkaufte Luxuslimousine der Welt. Ehrensache, dass Mercedes Kunden wie Konkurrenten auch mit der neuen Generation zeigen will, was technisch machbar ist. Was sie in Stuttgart als automobile Zukunft definieren.



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Und zwar vorne wie hinten. Hier zu Lande mag Eigenlenk-Verhalten weit verbreitet sein, da jedoch, wo die meisten S-Klassen rollen werden – vor allem in China – sitzen Vertreter der ersten Reihe standesgemäß in der zweiten. Auch sechs von zehn Mercedes-Maybach fahren im Reich der Mitte. Und darum lassen sich auf Knopfdruck – und gegen Aufpreis – die üblichen Dimensionen verschieben. Zugunsten einer ledernen Lümmellandschaft für den rechten Hintersassen.

Bei allem Fond-Komfort indes lässt sich der Chauffierte etwas entgehen. Trotz immerhin 5,13 Metern (5,26 bei langem Radstand) und guten zwei Tonnen Gewicht, geht es in der S-Klasse nämlich federleicht und strichgenau um alle Radien. Jedenfalls dann, wenn man die serienmäßige Luftfederung von zart gen hart trimmt. Wanken in der Kurve war dann. Obendrein spähen Sensoren die Straßenoberfläche aus und stimmen die Dämpfung auf kommendes Ungemach ein.

Unter der großen Haube debütieren zum Marktstart der stärkste Pkw-Diesel der Mercedes-Geschichte mit 340 PS, dem in Kombination aus Fahrspaß und Verbrauch so schnell keiner den Sprit reichen kann, sowie ein Pendant mit 286 PS. Kerzengezündet gibt es Reihen-Sechszylinder mit 367 und 435 PS plus einen V8-Biturbo, der 469 PS leistet – in der vom Haus-Veredler bearbeiteten AMG-Version sogar 612. Sämtliche Modelle reichen ihre Kraft in kaum mehr wahrnehmbaren neun Automatik-Stufen nach hinten – und bei Bedarf zusätzlich auch nach vorne. Ein Plug-In-Hybrid kommt ebenfalls in Bälde.

Die Grenze zwischen Verbrenner und Elektromotor verschwimmt auch ohne diesen bereits, denn zwischen Motor und Getriebe kombiniert bei den Benzinern der S-Klasse ein Starter-Generator mit 48 Volt die Funktionen von Anlasser und Lichtmaschine. Kurzfristig kann er den Verbrenner mit bis zu 22 PS aus einer Batterie unterstützen, vor allem aber presst mit seinem Strom ein elektrischer Verdichter Luft in die Brennräume. Derart ansatzlos, dass das lästige Turbo-Loch kaum mehr eine Mulde ist. Schnell wie ein Wimpernschlag liegt einen Hauch jenseits des Leerlaufs Ladedruck aus 70 000 Umdrehungen an, bis etwa eine Sekunde später der heiße Abgasstrom für die übliche Beatmung sorgt.

Nicht mal mehr lenken und bremsen müsste man, weil der Top-Benz auf Wunsch rundum Obacht gibt, automatisch in der Spur bleibt, auf das richtige Tempo achtet, gebührend Abstand hält und – wenn sonst nichts mehr hilft – sogar den Anker wirft. Allerdings muss der Wagen den Fahrauftrag nach 30 Sekunden wieder zurückgeben. So will es das Gesetz. Weil eben auch die S-Klasse noch kein autonomes Fahrzeug ist. Und man deshalb nicht blind darauf vertrauen darf, dass Radar, Stereo-Kamera und Ultraschall-Sensoren immer und überall die Orientierung behalten.

So oder so sitzt man edel eingefasst vor einem Breitband-Cockpit, zu dem die beiden Zwölf-Zoll-Bildschirme unter gemeinsamem Glas verschmelzen. Zum opulenten Zierrat aus Lack, Holz oder Leder gibt’s auf Wunsch "Energizing": Ambiente-Beleuchtung aus 64 verschiedenen Farben, kombiniert mit Sitz-Massage, Klima-Komfort, Duft-Erlebnis und spezieller Musik. Wohl-Fahrt im besten Sinne. Gleichsam Wellness to drive.

Derweil sich der Wagen um den klugen Weg kümmert. Über Navi-Daten, Verkehrszeichen und Infos der Assistenz-Systeme kommen rechtzeitig Hinweise für besonders sparsames und komfortables Fahren. Vor Kurven, Kreuzungen oder Kreiseln wird sanft das Tempo angepasst. Müßig zu erwähnen, dass die S-Klasse auf Wunsch eigenständig in jede Parklücke rangieren kann und wieder heraus. Sogar von außen dirigiert per Smartphone, wenn’s für die Tür zu knapp werden könnte.

Apropos: Der Schlag zur S-Klasse öffnet sich nicht unter 88 447 Euro für den S 350d. Dank reichhaltiger Ausstattungs-Liste sind aber sechsstellige Summen schnell erreicht. V8-Fahren kostet mindestens 113 960 Euro, und AMG-Power beginnt bei 160 293 Euro. Doch selbst hier ist nur vorerst das Ende. Frohe Kunde für alle Flottfahrer: On Top wartet bereits ein Zwölfzylinder mit 530 PS, der im AMG S65 sogar 630 PS bereithält. Schwer vorstellbar, dass damit jemand autonom unterwegs sein möchte.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
20. 07. 2017
16:15 Uhr

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20. 07. 2017
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