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"Energy Observer": Mit Wasserstoff und Wind über die Meere

Von Segel- und Ruderbooten mal abgesehen, ist der Schiffsverkehr eher keiner, dem große Umweltfreundlichkeit nachgesagt wird.



 

Von Segel- und Ruderbooten mal abgesehen, ist der Schiffsverkehr eher keiner, dem große Umweltfreundlichkeit nachgesagt wird. Nicht selten wird unterhalb der riesigen Schornsteine pampiges Schweröl verfeuert - und dessen qualmende Reste steigen dann ungefiltert in die Atmosphäre. Das mutet gerade in Hamburg einigermaßen grotesk an, wo in Sichtweite gewaltiger Luxusdampfer, Fähren und Frachter ganze Straßen für Diesel-Autos gesperrt sind, weil die ja so schrecklich die Luft verpesten…

Dass es auch ganz anders gehen kann, lässt sich noch bis diesen Sonntag ebenfalls in Hamburg besichtigen. Dort liegt – unweit der Elbphilharmonie – an den Magellan-Terrassen die "Energy Observer". Gute 30 Meter lang, knapp 13 Meter breit: Ein High-Tech-Katamaran, wie er umweltfreundlicher nicht sein könnte.

Angetrieben wird das Schiff von zwei Elektromotoren. Den Strom liefert eine Brennstoffzelle, deren Wasserstoff mangels Tankstellen direkt aus dem Meer gewonnen wird – per Elektrolyse mit Hilfe von Solarmodulen, die jeden Quadratzentimeter Oberfläche bedecken. Klingt umständlich, funktioniert aber bestens. Ohne Abgase und vollkommen gratis, weil Sonnenlicht eben nichts kostet. Ehedem verfügte der Katamaran noch über zwei Windräder mit vertikaler Achse. Die sind jedoch speziellen Segeln gewichen. Für zusätzlichen Vortrieb sorgt bei ordentlicher Brise ein Lenkdrachen.

Die "Energy Observer" wurde 1983 in Kanada als "Formule Tag" gebaut. Im Jahr darauf legte sie als erstes Segelboot mehr als 500 Seemeilen in 24 Stunden zurück. 1994 gelang ihr die schnellste Nonstop-Weltumsegelung in 74 Tagen, 22 Stunden und 17 Minuten, 2015 folgte der zwei Jahre dauernde und knapp fünf Millionen Euro teure Umbau zum Wasserstoff-Boot.

Seit 2017 befindet sich der Katamaran auf einer bis 2022 dauernden "Odyssee für die Zukunft" rund um die Welt, bei der er 101 Häfen in 50 Ländern anlaufen und sich während der gesamten Zeit komplett selbst mit regenerativer Energie versorgen wird. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und wird unterstützt von der EU-Kommission und der UNESCO. Kommendes Jahr soll die "Energy Observer" zu den Olympischen Spielen in Tokio einlaufen.

Ähnlich wie bei der Weltumseglung des solarbetriebenen Flugzeugs Solar Impulse 2 geht es um die Präsentation der Technologie, aber auch um Dauer-Tests für die verwendeten Bauteile. Schließlich soll die "Energy Observer" auf Dauer ja kein Unikat bleiben.

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
10. 05. 2019
14:26 Uhr

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