Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

 

Fahrer unser

Die Beweise sind längst erbracht. Das selbstfahrende Auto funktioniert. Schon 2013 rollte eine Mercedes S-Klasse selbstständig auf den Spuren von Bertha Benz. Ein Jahr später kurvte ein Audi RS7 im Renntempo über den Hockenheimring. Am Steuer: niemand. Ein Computer im Kofferraum jagte den Wagen durchs Motodrom. Die Kür dessen, woran Hersteller rund um den Globus seit Jahren tüfteln: das Fahrzeug ohne Fahrer.



 

Die Idee dahinter: Optimale Auslastung von Straßen, weniger Schadstoffe und Senkung der Unfallzahlen lassen sich nun mal schwer erreichen, wenn jeder fährt, wie er will. Vom Können ganz zu schweigen. Die Frage ist nicht, ob das autonome Auto kommt, sondern wann.

Im Grunde ist das, was wir Straßenverkehr nennen, nur ein bisschen Mathematik: Geschwindigkeiten, Richtungen – und Rücksicht auf die Unmöglichkeit materieller Koinzidenz. Im Klartext: Man kann nicht zur selben Zeit am selben Ort sein wie jemand anderes. Jedenfalls nicht unfallfrei. Moderne Autos stellt all das vor kein wirkliches Problem. Die Technik ist seit Jahren bis hinunter zum Kleinwagen verfügbar: elektrische Servolenkung, elektronisches Gaspedal, Tempomat, Notbrems-Assistent. Stimmen müssen die Bedingungen – und die Rechnerleistung.

Kompliziert wird das Ganze im Alltag: spielende Kinder, rücksichtslose Radler, Ampeln im Gegenlicht. Wenn Sensoren an ihre Grenzen stoßen. Wenn es heißt, tausende Male pro Sekunde zu erkennen, zu analysieren, zu entscheiden – und auf dieser Basis zu lenken, zu bremsen oder Gas zu geben. Auch bei Starkregen, Schnee oder mitten in der Nacht.

Und spätestens hier taucht die Frage auf: Wie verlässlich ist autonomes Fahren?

Bestimmt nicht so sehr, wie der Bundesverkehrsminister glauben machen will. Dass man etwa Zeitung lesen könnte oder E-Mails checken, während der Wagen uns von A nach B bringt, unfallfrei. Nicht ohne Hintersinn heißt es schon in Paragraph 1b seines Gesetzes: "Der Fahrzeugführer ist verpflichtet, die Steuerung unverzüglich wieder zu übernehmen, wenn er erkennt oder aufgrund offensichtlicher Umstände erkennen muss, dass die Voraussetzungen für eine bestimmungsgemäße Verwendung der hoch- oder vollautomatisierten Fahrfunktionen nicht mehr vorliegen." Das ist dann genau das Gegenteil des ministeriellen Versprechens.

Zugegeben: Für ein paar kontrollierte Sekunden funktioniert das Auto-Mobil prächtig. Zudem kennen Rechner keine Schrecksekunde, sind nicht abgelenkt und nicken auch nicht ein – doch zum entspannten Beifahren ist es trotz gewaltiger Fortschritte noch ein weiter Weg. Nicht erst seit den Unfällen bei Google und Tesla wissen wir, dass eben auch Computer am Steuer versagen. Viel eher als Verkehrsströme von Geisterhand könnten Teillösungen Alltag werden. Im Parkhaus etwa, wo der Wagen sich alleine seinen Platz sucht und bei Abholung wieder vorfährt.

Die schwierigste Zeit steht uns ohnehin noch bevor. Dann nämlich, wenn autonome Fahrzeuge nicht mehr nur einen Promille-Anteil stellen, sondern vielleicht ein Viertel. Und wenn sie sich die Straßen mit drei Vierteln Autos teilen, die von Menschen gelenkt werden. Wenn technische Perfektion massenhaft auf menschliche Intuition trifft, Algorithmus auf Erfahrung, Prozessor auf Gefühl.

Und was wird eigentlich aus denen, die gerne selbst fahren? Die Freude haben an gediegenem Vortrieb, an schnellen Kurven und präzisen Bremspunkten. Müssen die sich dereinst beim Automaten anmelden? Womöglich um Erlaubnis fragen, damit sie das Lenkrad für eine gewisse Zeit selbst übernehmen dürfen?

Eventuell sind besonders die Premium-Hersteller gerade dabei, Richtung Holzweg abzubiegen. Mit Fahrspaß zu werben – aber in jedem Winkel Chauffeur Chip zu verbauen. Mit immer noch aufwändigeren Assistenz-Systemen. Je größer und stärker der Wagen, umso mehr muss er selbst können. Nur sieben elektronische Helfer, wenn die Konkurrenz acht im Angebot hat – da sei doch bitte der Heilige Christophorus vor.

Mag sein, dass betreutes Fahren in Staus oder Baustellen angenehme Seiten hat – aber wer, dessen Herz ein bisschen für das Auto schlägt, würde, erst recht bei einem High-Tech-Gefährt, das Steuer einem gleichnamigen Gerät überlassen? Schicker Wagen mit 350 PS aufwärts, verstellbaren Dämpfern und intelligentem Allrad – den autonom? Nein, danke.

Und wenn doch? Die Antwort könnte eine sein, die den Herstellern nicht gefällt. Denn wenn das Auto von morgen erst vollautomatisch rollt, warum sollte man sich noch für ein ganz bestimmtes entscheiden. Wer fährt wie im Taxi, dem reicht eine Art Taxi. Motor, Getriebe oder Fahrwerk sind dann ja keine Kriterien mehr. Nicht mal mehr das schicke Cockpit oder der Klappen-Auspuff. Und in der Folge auch nicht mehr Emotionen
oder Markentreue. Allenfalls gibt es noch Freude am Sitzen. Freude am Fahren war dann
gestern.

Autor

Wolfgang Plank

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 04. 2017
11:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Audi Auto Computer Google Mathematik Mikroprozessoren Servolenkungen Taxis (Service) Tempomat
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema

15.03.2019

Lexus RC 300h: Cruiser-Coupé mit Doppelherz

Es ist nicht so, dass sie gleich Sonderschichten einlegen müssten - doch etwas Rückenwind spüren sie bei Lexus schon, je länger in der Republik die Debatte um CO2-Werte und Diesel-Fahrverbote gleichermaßen tobt. Mit 90 P... » mehr

27.06.2019

Toyota Camry: Phönix wird Taxi

Wer wissen will, was im Stadtverkehr zählt, sollte bei Gelegenheit mal am Taxistand vorbeischauen. Die von Berufs wegen Leute chauffieren, wählen nämlich nicht nach Beschleunigung, Hubraum und Fahrdynamik, sondern nach V... » mehr

02.02.2018

Daten auf Raten

Es sind atemberaubende Bilder: Auf Smartphone-Geheiß rollt, wo immer man auch stehen mag, aus dem Nichts ein frisch geladenes E-Mobil herbei. Nur noch sehr entfernt erinnern derlei Gefährte an das, was wir aktuell als Au... » mehr

31.05.2019

Auf Leben und Tod …

Man kann nicht sagen, dass man von Andreas Scheuer in jüngster Zeit nichts gehört hätte. Erst öffnete er die Gehsteige für Elektro-Roller - nur um die hippen Gefährte Tage später doch lieber auf Radwege und Straßen zu ve... » mehr

Aktualisiert vor 14 Stunden

T-Roc Cabrio: Hoch auf dem Freisitz

Freunde des gepflegten Freisitzes dürfen aufatmen: Ab Frühjahr kann man ab Werk wieder obdachlos sein - mit dem T-Roc Cabrio. » mehr

Aktualisiert am 22.08.2018

Kia Sportage: Top-Diesel jetzt mit Strom-Spritze

Er ist zwar bei weitem nicht der Längste bei Kia - der Größte indes schon. Von keinem Modell setzen die Koreaner so viele Exemplare ab wie vom Sportage. Damit das so bleibt, haben sie die nunmehr vierte Generation des Ko... » mehr

Autor

Wolfgang Plank

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 04. 2017
11:45 Uhr



^