Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Höhere E-Prämie: Regierung bremst für deutsche Autobauer

Viel schlechter kann man es im Grunde nicht machen: Da tönt die Groko nach dem "Auto-Gipfel" im November lautstark von Aufstockung und Verlängerung der Kaufprämie für Elektroautos - und Anfang Februar ist noch immer nichts passiert.



Grafik: AdobeStock  

Dass da selbst der gutwilligste Interessent langsam die Lust verliert, muss nun wirklich nicht verwundern.

Dabei gibt es genügend Leute, die E-Autos suchen. Und zwar nicht zuvörderst Tesla S, Taycan und Co., sondern vernünftige Batterie-Mobile, mit denen man den Alltag prima meistern kann – die aber durchschnittliche Verdiener auch noch ordern können, ohne sich gleich in Schulden stürzen zu müssen. Da kann monetäre Zuwendung nicht schaden.

Verlockend indes ist das Angebot der Regierung nie gewesen. Weil die Hersteller sich hälftig an der E-Prämie beteiligen müssen, sparen sie den Betrag nicht selten bei anderen Rabatten wieder ein. Blieben unterm Strich also oft nur mickrige 2000 Euro vom Staat – in Frankreich kann man das Fünffache einstreichen, wenn man zum Kauf eines Akku-Autos noch seinen betagten Diesel verschrotten lässt.

Ansonsten hat man als Fahrer eines Elektromobils ja nicht wirklich viele Vorteile. Man zahlt mehr für seinen Wagen als für einen vergleichbaren Verbrenner, die Reichweite ist deutlich geringer, und oft genug muss man der Batterie wegen mit einem kleineren Kofferraum vorliebnehmen. Dass Stromer leise sind und keine Abgase ausstoßen – davon profitieren hauptsächlich die anderen.

So oder so: Die meisten Interessenten unterschreiben einen Kaufvertrag erst, wenn der höhere Umweltbonus auch tatsächlich ausgezahlt wird. Gerade bei Kleinwagen zählt schließlich jeder Euro. Wer will sich da schon auf Versprechungen von Politikern verlassen? Die Bundesregierung behauptet derweil, die Verzögerung liege an der EU-Kommission. Die "Zeit" indes berichtet, das Bundeswirtschaftsministerium habe den Antrag noch nicht einmal gestellt.

Hinter vorgehaltener Hand erzählt man, die deutschen Autohersteller würden auf diesen Zeitverzug drängen. Insbesondere VW hat großes Interesse daran, dass die Prämie nicht schon massenhaft abgerufen wird, ehe der ID.3 verfügbar ist – und das wird wegen Problemen bei der Software frühestens im Sommer sein. Auch bei Audi und Mercedes läuft die Produktion von E-Mobilen derzeit alles andere als rund.

Die ersten ausländischen Hersteller erhöhen derweil den Druck. Renault bietet zur staatlichen Prämie 4000 Euro Rabatt, Hyundai und Kia legen sogar 6000 Euro drauf. Diesen Betrag lobt auch Nissan aus – allerdings muss man hier ein Altfahrzeug abgeben.

Und so könnte es für die deutschen Autobauer am Ende doppelt dicke kommen: Erst machen sie kein Geschäft mit ihren E-Mobilen – und weil sie ohne diese ihre CO2-Ziele verfehlen, drohen noch enorme Strafzahlungen. Gute Pläne sehen anders aus.

Autor

Wolfgang Plank

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 02. 2020
11:46 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgase Audi Autofirmen Bundesministerium für Wirtschaft Elektroautos Europäische Kommission Hyundai Kia Lust Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Renault Tesla Motors VW Vernunft
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema

31.08.2019

Messe gelesen?

Zu teuer, zu altmodisch: Immer mehr Hersteller bleiben der IAA fern. Was gäbe es auch noch groß zu zeigen? » mehr

31.07.2020

Und ewig grüßt das Tempolimit . . .

Es wird einsam um Andreas Scheuer. Das liegt selbstverständlich an seinem Versagen bei der Ausländer-Maut und an seinem Gestümper in Sachen Bußgeldkatalog - doch nun steht der Bundesverkehrsminister (CSU) sogar bei der g... » mehr

23.05.2020

Schrot für viele Tauben

Die Branche will Geld, die Politik zögert. Zu Recht, sagt "Autopapst" Dudenhöffer und lehnt sogar eine E-Prämie ab. » mehr

13.06.2020

Entscheidung im Reich der Mitte

Es steht aktuell nicht berauschend um die E-Mobilität. Die Fließbänder laufen als Folge der Corona-Krise erst langsam wieder an, den VW ID.3 plagen Software-Probleme - und sowieso haben die meisten Menschen gerade andere... » mehr

19.09.2020

Kia kombiniert Mild-Hybride mit "kluger" Kupplung

Kia hat für seine wachsende Mildhybrid-Palette ein neues intelligentes Schaltgetriebe (iMT) entwickelt. Als weltweit erster Hersteller kombinieren die Koreaner 48-Volt-Technologie und ein Getriebe mit elektronisch gesteu... » mehr

20.06.2020

Zukunft in Strömen

Zu lange haben die deutschen Autobauer auf Verbrenner gesetzt. Corona beschleunigt den Wandel jetzt schmerzhaft. » mehr

Autor

Wolfgang Plank

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 02. 2020
11:46 Uhr



^