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König Kugelkopf

Der neue Touareg zeigt, wo’s langgeht bei VW. Doch die majestätische Technik hat auch ihren Preis.



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Es gibt Autos, vor denen sieht man im feinen Zwirn einigermaßen deplatziert aus. Neben anderen wiederum wird man in schweren Stiefeln milde belächelt. Wer also – je nach Anlass – beiderlei trägt, sollte womöglich einen Blick auf den neuen Touareg werfen. Der nämlich ist einer der wenigen Wagen, zu dem Mann in Smoking vor Oper eine ebenso gute Figur abgibt wie in Jägerkluft an Waldrand. Wahlweise die Dame in Kleinschwarz oder Jeans.

Auch für die Wolfsburger verbindet der Touareg Welten. Zwei von Dreien laufen mit Anhängerkupplung vom Band – und doch trägt er als einziger Volkswagen das Prädikat Premium. Es hat Versuche gegeben, ihm diesen Rang abzuerkennen. Der gescheitertste davon trug den Namen Phaeton. Und so prangt die Flagge der Flotte weiterhin an jenem Dickschiff, das in zwei Baureihen seit 2002 mehr als eine Million Käufer gefunden hat. Und eben auch nicht wenige Käuferinnen.

Mit knapp fünf Metern und rund zwei Tonnen ist Touareg III. natürlich kein Leichtgewicht. Auch optisch nicht. Starke Linien, kräftige Schultern, den zu einer Einheit aus LED-Leuchten und Grill gewordenen Bug lotrecht im Wind. Mehr Selbstbewusstsein hat selten ein VW zur Schau getragen, mehr Technik auch nicht – und erst recht nicht mehr Komfort. Die Botschaft lautet: Hier geht’s lang.

Da thront man in passgenau einstellbarem Sitz, der auf Wunsch wärmt, kühlt und massiert, kann den Blick schweifen lassen über ein Breitwand-Display, zu dem digitales 12-Zoll-Cockpit und gewölbter 15-Zoll-Touchscreen unter gemeinsamem Glas verschmelzen. Nie war ein VW digitaler und besser mit der Außenwelt vernetzt. Dazu gibt es mit 1,27 mal 0,82 Meter die größte Überkopf-Verglasung der VW-Geschichte und auch das größte Head-up-Display. Alles in allem: Opulenter Kommandostand für die Fahrt auf oder neben dem Asphalt.

Eher bürgerlich gibt sich der Touareg unter der Haube. Zum Markstart am 22. Juni sorgt ein klassischer V6-Diesel für Vortrieb, der aus drei Litern Hubraum 286 PS schöpft. Sehr ordentlich im Anzug und auch bergauf noch längst nicht an seinen Grenzen. Später im Jahr folgt eine Version mit 231 PS – und für alle, die des Diesels Zukunft eher düster sehen, ein V6-Benziner mit 340 PS. Serienmäßig sortiert sich die Kraft über eine Acht-Gang-Automatik und landet über ein selbstsperrendes Differenzial an beiden Achsen. Bis zu 70 Prozent vorne, maximal 80 Prozent hinten.

Auch wenn VW allenthalben mit Kraft aus dem Akku wirbt – der Plug-In-Hybrid ist erst einmal nur für China vorgesehen. Direkte Folge politischen Willens im Reich der Mitte. Weil der in Deutschland fehlt, kommt das Doppel-Herz hier eben später. Oder gar nicht. Fest steht indes, dass VW 2019 die Palette um den V8-Diesel erweitert, der bereits in Audi Q7 und Bentley Bentayga Dienst tut. Vorausgesetzt, es findet sich nicht noch irgendwo ein schmutziges Geheimnis. Aus der Tiefe seiner vier Liter Hubraum reicht der gewaltige Selbstzünder 421 PS an – vor allem aber das gewaltige Drehmoment von 900 Nm.

Das passt ideal zu den 3,5 Tonnen, die König Kugelkopf, auch als Komfort-SUV, weiterhin anhängen darf. Der Zughaken schwenkt elektrisch aus- und ein, verriegelt aber zusätzlich mit einem stählernen Bolzen. Sicher ist sicher. Besonders angenehm: Rückfahrkamera und Trailer-Assist machen das Rangieren zur reinen Fingerübung.

Auch in der üblichen Fahrtrichtung hilft der Touareg wo er nur kann. Er späht durch die Nacht, fährt teilautonom bis Tempo 60 und äugt in den Querverkehr. Und selbstverständlich ist er für neben der Spur ebenfalls bestens gerüstet. Gegen extremes Ungemach von unten hilft ein spezielles Offroad-Paket mit Extra-Schutz für Motor, Kühler, Tank, Batterie und Boden.

Auf Wunsch rollt seine Hoheit wunderbar luftgefedert, schafft auf Knopfdruck im Gelände sieben zusätzliche Zentimeter Abstand nach unten und kniet sich zum leichteren Beladen vier Zentimeter unter Normalniveau. Die höchst empfehlenswerte Allradlenkung senkt den Wendekreis auf Golf-Niveau, hebt proportional die Kurvenfreude, und über 48-Volt-Motoren im Stabi stemmt sich der wuchtige Wolfsburger der lästigen Seitenneigung einfach entgegen. Ohne zweites Bordnetz. Da fährt sich das Trumm so handlich, als sei es ein Tiguan.

Leider ist all das Schöne nicht an Bord, wenn man den Einstieg bei minimalen 60 675 Euro wählt. Das Display hat dann nur 9,2 Zoll, gedämpft wird per Stahlfedern, die Bogenfahrt muss ohne Tricks auskommen, und das Gestühl bleibt unklimatisiert. Komfortabel kalkuliert steht dann doch locker eine Sieben vorne. Mindestens. Majestätisch kostet halt extra…

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
31. 05. 2018
16:45 Uhr

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16:45 Uhr



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