Lade Login-Box.
Topthemen: Video: Hof im Radwege-CheckHof-GalerieStromtrasse durch die RegionGerch

 

Staat macht ernst: Abgas-Abrakadabra oder Stilllegung

In der Diesel-Affäre greift der Staat nun mit aller Härte durch. Nicht so sehr beim VW-Konzern, der mit einem eher bescheidenen Bußgeld davonkommt - umso mehr dafür bei den Fahrzeughaltern. In München und Hamburg haben die Behörden die ersten VW-Diesel mit manipulierter Abgas-Software zwangsweise stillgelegt. Die Besitzer hatten nicht auf die Aufforderung reagiert, ein Software-Update aufspielen zu lassen.



Dass es soweit kommt, haben die Halter vorrangig Alexander Dobrindt zu verdanken – ehemals Chef im Bundesverkehrsministerium. Der nämlich hat zugelassen, dass VW seine Schummel-Software mit ein paar Mausklicks aus der Welt schaffen darf. Eine Art Abgas-Abrakadabra. Angeblich ohne Mehrverbrauch, angeblich ohne Minderleistung, angeblich ohne Risiko. Ganz einfach so.

Merkwürdig, dass diese wundersame Idee keinem einzigen unter all den klugen Ingenieuren eingefallen ist, die sich mit Entwicklung und Konstruktion von Motoren befassen.

Konnte auch nicht. Weil alles fauler Zauber ist. Im Verkehrsministerium kennt man noch nicht mal Details der Updates. Die nämlich darf VW als Betriebsgeheimnis für sich behalten. Wie üblich reicht der Politik mal wieder die treuherzige Versicherung des Konzerns, es habe schon alles seine Ordnung.

War eben deutlich einfacher, als die Wolfsburger zum nachträglichen Einbau von SCR-Katalysatoren zu vergattern. Als unnötig und rückwärtsgewandt hat die Kanzlerin derlei Forderungen ausdrücklich beschieden. Keinesfalls dürfe doch die Autoindustrie durch politische Maßnahmen irgendwie geschwächt werden.

Der Bürger indes gerne. Durch Fahrverbote, Wertverlust – und durch zwangsweise Eingriffe ins Motormanagement. Landauf landab hört, sieht und liest man als Folge des Updates von unrundem Lauf, Leistungsverlust, Öl-Verdünnung und versottenden Ventilen. Ist nicht verwunderlich: Der Motor ist schließlich für eine andere Art von Steuerung gebaut worden.

Garantieren dass das neu bespielte Triebwerk keinen Schaden nimmt, will weder VW noch die Regierung. Was dann doch argwöhnisch macht. Wenn die Abschaltung der Abgas-Reinigung doch nichts anderem dient als dem Schutz des Motors, und man die Abschaltung abschaltet …

Schlimmer noch: Die Obrigkeit zwingt Betroffene, den einzigen Beweis vernichten zu lassen, den sie gegen VW haben. Ausgerechnet von dem Laden, gegen den sie bis Jahresende womöglich noch vor Gericht ziehen.

Dabei wäre die Lösung einfach: Einstufung nach Euro 4 und die Differenz zur dann höheren Kfz-Steuer bei VW abbuchen. So würde gutgläubigen Käufern wenigstens einigermaßen Gerechtigkeit wiederfahren.

Allerdings hat das weder Herrn Dobrindt gekümmert noch Frau Merkel. Bliebe – der neue im Amt: Andreas Scheuer.

Autor

Wolfgang Plank

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
19:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alexander Dobrindt Andreas Scheuer Diesel-Skandal Fahrverbote KFZ-Steuer Manipulation Schließungen Schummel-Software Software-Updates Triebwerke VW
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema

04.10.2018

Abgas-Skandal: Schwarz-rot ist der Diesel-Sums

Bernhard Mattes ist zu beneiden. Im Grunde hat der Mann seit seinem Amtsantritt im März bezahlten Urlaub. Mitten im Diesel-Skandal kann der Verbandspräsident der Automobilindustrie gelassen zusehen, wie die Akteure der G... » mehr

16.03.2018

Es kann nur besser werden ...

Es wäre ganz sicher nicht gerecht, Andreas Scheuer vorab schon mal mit Skepsis zu begegnen. Nur weil er aus derselben Partei kommt wie Alexander Dobrindt. Und zuvor wie der auch Generalsekretär war. Denn im Grunde kann e... » mehr

22.03.2019

Fahr, fahr away…

Es ist fast auf den Tag zwei Jahre her. Da meldete sich der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zu einem anderen Thema als seiner Ausländermaut zu Wort. Und wie anders als mit Superlativen? "Das modernste ... » mehr

24.05.2018

Land des Röchelns

In seltener Deutlichkeit hat die Kanzlerin vergangene Woche vor dem Bundestag Position bezogen. Erst mit der rhetorischen Frage, ob es wirklich die richtige Beschäftigung für Autobauer sei, an Nachrüstungen für ältere Di... » mehr

11.01.2018

Druck auf die Falschen

Zugegeben: China fällt einem nicht als allererstes ein, wenn es um Themen wie Verbraucherschutz oder Rechtsstaatlichkeit geht. Wem in diesem Zusammenhang allerdings spontan Deutschland in den Sinn kommt, der könnte in et... » mehr

07.03.2019

Und der Zukunft abgewandt…

War eigentlich was in den vergangenen Wochen? Debatte ums Tempolimit? Eingeschlafen. Streit um Grenzwerte? Eingeschlafen. Nachrüstung von Euro-5-Dieseln? Eingeschlafen. Gratis-Nahverkehr? Eingeschlafen. Der Bundesverkehr... » mehr

Autor

Wolfgang Plank

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
19:00 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".