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Was darf’s denn sein?

Irgendwie wüsste man ja gerne, wie es denn nun weitergeht. Oder besser: weiterfährt. In diesen Zeiten fortschreitenden Irrwitzes. Wer hätte gedacht, dass eines Tages der Besitz eines eben noch zarten Neid erzeugenden Wagens Acht und Bann nach sich ziehen könnte, bloß weil sein Motor politisch nicht mehr gelitten ist.



 

Selbstzünder zu fahren galt bis vor kurzem als das Normalste der Republik – doch plötzlich war man schneller ein Bösewicht, als man Stickoxid sagen konnte, und wird nun zur Strafe aus diversen Städten ausgesperrt. Bald übrigens auch mit Euro-5-Dieseln, für deren Kauf man noch vor zehn Jahren wegen vorbildlichen
Umweltverhaltens von der Kraftfahrzeugsteuer befreit wurde.

Von höchster Stelle, gleichsam regierungsamtlich, waren sie uns Jahrzehnte in den Ohren gelegen, zur Rettung diverser Inselparadiese doch bitte keinen klimaschädlichen Benziner mehr zu fahren – nun gleichsam die Handbremswende. Weil in der Einbildung der Politik das schnappatmende Kind am Straßenrand den auf schmelzender Scholle tapsenden Eisbären abgelöst hat, sollen wir im Grunde weder Fremd- noch Selbstzünder fahren sollen, sondern bitteschön massenhaft Elektroautos. Jedenfalls mittelfristig.

Sofort wäre nämlich blöd für die heimische Wirtschaft, weil erstens die wenigen wirklich pfiffigen E-Mobile derzeit noch "Made out of Germany" sind – und, zweitens, plötzlich kein Mensch mehr all die schönen Kolben, Nockenwellen und Einspritzdüsen bräuchte, auf deren Bau man sich hier zu Lande so meisterhaft versteht. Von Getrieben, Tanks und Auspuffanlagen gar nicht zu reden.

Für die Übergangszeit hat der Bundesverkehrsminister selbstverständlich Rat parat: Schnell noch einen Verbrenner der Abgasnorm Euro 6d-Temp ordern. Das bringt wenigstens Umsatz, wenn schon abgastechnisch nichts sicher ist. Wer wollte schon darauf vertrauen, dass nicht in Bälde irgendein Gremium auf die Idee verfällt, Euro sieben oder acht auszurufen. Gibt es doch für deutsche wie europäische Bürokraten kaum etwas Schöneres als neue Grenzwerte. Zumindest so lange Bürger und nicht Konzerne sie einhalten müssen.

Normbeschließer muss derlei nie groß bekümmern. In solchen Kreisen kauft man schließlich kein Auto – man hat eines. Und zwar von Staats wegen. Gerne groß, gerne üppig motorisiert, gerne nagelneu. Vermutlich gehört "Wiederverkaufswert" ab Staatssekretär aufwärts nicht einmal mehr zum Wortschatz.

Womöglich kommt der Kanzlerin und ihrer großen Koalition also gar nicht mehr in den Sinn, dass die allermeisten in dem von ihnen regierten Land für einen neuen Wagen – und sei es nur ein gebrauchter – einen Großteil ihrer Ersparnisse drangeben müssen oder einen nennenswerten Teil ihres Einkommens. Dass sie also sehr genau überlegen, was sie sich da anschaffen, weil sie üblicherweise länger damit fahren müssen als eine Legislatur. Dass sie nicht auf einen politischen Federstrich mal eben mit einem Spontan-Besuch im Autohaus reagieren können. Und dass sie obendrein darauf vertrauen müssen, dass der Restwert ihres Wagens nicht amtlich gegen Null gedrückt wird.

Was also wählen? Nicht politisch, sondern antriebstechnisch. Wirklich jetzt schon mit Strom fahren, womöglich gar mit Wasserstoff – oder doch erst mal nur mit Bio-Sprit? Vielleicht übergangsweise noch mit Erd- oder Flüssiggas? Die Hersteller haben ja Diverses im Angebot, die Techniker noch jede Menge Ideen – nur leider die Politik-Oberen nicht ansatzweise einen Plan.

Was hilft all das schöne Gerede von Elektromobilität, wenn sie nach wie vor teuer ist, und man nicht weiß, wo man auf die Schnelle laden soll? Ganz abgesehen davon, dass all die vielen Akkus nun mal nicht auf Bäumen wachsen – und der Strom dafür noch immer zu einem Gutteil aus Kraftwerken stammt, in denen mit Braunkohle der so ziemlich übelste aller Brennstoffe verfeuert wird.

Wie soll man sich für Wasserstoff erwärmen, wenn man unter 70 000 Euro kein Auto bekommt oder wahlweise knapp 800 Euro Leasing-Rate im Monat abdrückt? Und noch braucht man für die Gewinnung Strom. Viel Strom. Deutlich mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht dabei verloren. Auch das hilft dem Weltklima nur bedingt.

Bliebe noch Gas, bei dem man sich die Umweltfreundlichkeit mit Gewicht und Stauraum-Opfer erkauft. Oder Bio-Ethanol, das sich eigentlich schon deshalb verbietet, weil Weizen oder Mais besser auf Tellern landet als im Tank.

Vielleicht sollte man es ganz einfach der Politik gleichtun: Stillhalten und warten. Die immerhin kommt damit durch.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
11. 01. 2019
12:50 Uhr

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