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Wucht der zwei Herzen

Flotte Volvo-Modelle tragen das Siegel "Polestar Engineered". Trotz Ertüchtigung ist bald bei 180 Schluss.



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Ein wenig scheinen sie derzeit vom eigenen Erfolg überrascht. Der XC40 war 2018 "Car of the Year", auch die übrigen Baureihen verkaufen sich prächtig – und so wird 2019 mit deutlich mehr als 50 000 Autos in Deutschland für Volvo das sechste Wachstumsjahr in Folge. Läuft – oder um näher am Firmennamen zu bleiben: Rollt. Dabei treten die Nordmänner im Premium-Segment an und müssen Marktanteile vorrangig denen abjagen, die im Wappen Stern, Ringe oder Weiß-Blau tragen.

Das soll auch in Zeiten doppelter Herzen so weitergehen. Herausforderer sind deshalb – neben normal elektrifizierten Modellen – auch zwei, die sich "Polestar Engineered" nennen dürfen. Etwas mehr Wucht, etwas mehr Exklusivität, deutlich mehr Sportlichkeit. Die seit 2017 eigenständige Marke "Polestar" ist offizieller Haustuner von Volvo – hat aber auch einen 600 PS starken Hybriden im Angebot und bringt ab Frühjahr ein E-Auto mit 408 PS.

Als Konkurrenz zu AMG, RS oder M indes sieht man sich dort ausdrücklich nicht. Eher als Speerspitze der Elektrifizierung. Immerhin gilt auch für "Polestar Engineered" ab Mai 2020 das Volvo-eigene Tempolimit von 180. Und ein Widerspruch ist es durchaus, ein Auto erst elektronisch zu ertüchtigen, um es dann elektronisch einzubremsen. Aber schneller am Limit zu sein, kann ja auch gehörig Spaß bereiten. Genaueres werden die Bestelleingänge ab der 17. Kalenderwoche zeigen.

So oder so hat man im Zeichen des Nordsterns die Wahl zwischen V60 und XC60. Beide Business-Class. Beide Klassiker. Der Kombi seit jeher Göteborger Kernkompetenz, das minimal kürzere aber gut zwei Zentner schwerere SUV der Bestseller. Beide mit der Mischung aus nordischer Kühle, schnittigem Design und bewusstem Understatement. Das beginnt bei der langen Motorhaube, geht über die klassisch-glatten Außenflächen und endet beim hartnäckig hochkant stehenden Touchscreen über dem beinahe schalterlosen Cockpit. Ein bisschen eigen sind sie bei Volvo halt auch.

Voran geht es mit geschmeidigen 405 PS, von denen 318 der Motor mit Kolben für vorne liefert und 87 der mit Wicklung für hinten. Macht in Summe mächtig Bums, Allradantrieb und knappe 50 Kilometer reine Akku-Fahrt. Wobei man für diesen Wert schon sehr viel Gefühl im Gasfuß zeigen muss. Dynamik kostet Distanz – alte Batteriefahrer-Weisheit. Hilfreich zur Seite steht ein Acht-Stufen-Wandler mit kaum spürbaren Übergängen. Will man raus aus dem Schwebe-Modus, kann man zum Wählhebel greifen oder in die Schaltwippen am Lenkrad.

Der Innenraum präsentiert sich hochwertig, geräumig und dank gut geformter Sitze auch zum Wohlfühlen. Selbst im Fond herrscht reichlich Platz für Kopf und Knie. Noch nicht mal das Gepäckfach muss unter der Elektrifizierung leiden, denn die Batterie schmiegt sich schlank hinein, wo sonst die Kardanwelle rotieren müsste. Mit 529 Litern Laderaum (umgeklappt 1441) verdient sich der V60 durchaus das Prädikat Raum-Gleiter, im Wikinger-Schiffchen XC60 finden 483 (1410) Liter Platz. Dem Handlungsreisenden dürfte beides dicke reichen, der sportlichen Familie ebenso. Sperrgut kommt heutzutage schließlich frei Haus.

Die Abstimmung ist bei beiden angenehm straff, auch wenn die Hinterachse von einer Querblatt-Konstruktion beruhigt wird, die an einen Lattenrost erinnert. Dafür sorgen härtere Federn, Domstrebe und einstellbare Dämpfer. Die Lenkung macht ihren Job prima und mit guter Rückmeldung, die zum Serienmodell deutlich vergrößerten Bremsen packen zu, dass es eine Freude ist, und ein schnelles ESP trimmt die Schweden wieder auf Kurs, noch ehe sie groß Richtung Kurvenrand schieben können. Dennoch bleiben beim XC60 ausreichend Federungsreserven, falls es – wider Erwarten – doch mal in tieferes Geläuf gehen sollte.

Keine Kompromisse gibt’s in Sachen Sicherheit. Ab Werk verfügen beide über ein Notbrems-System, das Autos, Fußgänger, Zweiradfahrer und Wildtiere erkennt – und auch für Gegenverkehr auf der eigenen Spur den Anker wirft. Ebenfalls an Bord ist der "Pilot Assist", der – zeitlich begrenzt – bis Tempo 130 selbstständig fährt, ohne ein Auto vor sich zu brauchen. Droht der Drift Richtung Gegenseite, greifen beide Modelle selbst ins Volant.

Gedacht sind die flotten Schweden für Kunden, die das Individuelle lieben, Understatement pflegen – und das Gehobene schätzen. Auch beim Preis. Mindestens 69 500 Euro muss anlegen, wer den V60 "Polestar Engineered" fahren will, für den XC60 ruft Volvo 84 600 Euro auf. Und nach oben ist locker noch fünfstellig Platz.

Kleiner Trost: Beide Modelle fallen unter die halbierte Dienstwagensteuer – und wenn die Erhöhung greift, kommt zumindest der V60 in den Genuss der E-Prämie. Kleines Bonbon: Wer sich bei Volvo für die Erfassung seiner elektrisch gefahrenen Kilometer registrieren lässt, bekommt im ersten Jahr den Gegenwert des geladenen Stroms erstattet. Kleines Extra: Man fährt der leidigen Debatte um Fahrverbote ganz besonders elegant davon.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
03. 01. 2020
23:56 Uhr

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03. 01. 2020
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