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Bildungsmarkt: Apple setzt auf Datenschutz und High-End-Apps

Apple hat viele Jahre den Schulmarkt mit dem Mac und dem iPad dominiert. Doch inzwischen wird das digitale Klassenzimmer immer häufiger von Google bestückt. Beim großangelegten Comeback-Versuch baut Apple nun auf strengen Datenschutz und auf aufwendige Apps.



Apple stellt neues iPad vor
Apple-Chef Tim Cook stellt in Chicago die neue iPad-Version vor.   Foto: Christoph Dernbach

Seit über 40 Jahren haben unzählige Schüler in den USA und in vielen anderen Ländern ihre ersten Computer-Erfahrungen mit einem Apple-Computer gesammelt.

Schon der Apple II verdankte seinen Siegeslauf Ende der 70er Jahre der hohen Nachfrage aus den Bildungseinrichtungen. Danach eroberte der Mac die Computerräume der Universitäten und High Schools. Und ab 2010 räumte das iPad an Schulen und Unis ab.

In den vergangenen drei Jahren riss allerdings die Erfolgsserie von Apple im Bildungsmarkt jäh ab. Zumindest im wichtigen US-Markt konnte Google mit seinen günstigen Chromebook-Laptops und kostenlosen Web-Anwendungen für E-Mail oder Textverarbeitung die Pole Position klar erobern. So machten Chromebooks im dritten Quartal 2017 nach den Berechnungen der Marktforschungsfirma FutureSource rund 60 Prozent der in US-Schulen eingeführten Computer aus. Apples iPads kamen demnach nur noch auf zwölf Prozent.

Der Siegeslauf der Chromebooks wurde auch nicht durch Datenschutz-Vorwürfe aufgehalten, die 2015 Schlagzeilen machten. Die US-Bürgerrechtsorganisation EFF hatte damals Google vorgeworfen, Schüler und Studenten systematisch auszuspionieren. Der Internetkonzern habe über die Chromebooks persönliche Daten der Schüler und Studenten gespeichert.

Erfasst wurde der EFF zufolge auch, nach welchen Begriffen die Schüler gesucht haben, welche Ergebnisse sie sich angeschaut haben, welche YouTube-Videos aufgerufen und welche Passwörter gespeichert wurden. Eine Erlaubnis zum Speichern der Daten habe Google weder von den Eltern noch von den Schülern eingeholt. Google wies die Vorwürfe EFF strikt zurück - änderte aber gleichzeitig die Geschäftsbedingungen. Die Angelegenheit geriet dann auch schnell wieder in Vergessenheit.

Apple erinnerte beim jüngsten Event in Chicago aber wieder an diesen Vorfall, auch wenn der Name Google auf der Bühne kein einziges Mal offen ausgesprochen wurde. Beim neuen iPad blieben wie bei allen Apple-Geräten die Daten strikt vertraulich, versprach Apple-Managerin Susan Prescott in Chicago. «Das ist uns sehr wichtig. Während Lehrer die Fortschritte ihrer Schüler beobachten können, bleiben wir außen vor - und andere auch. Für alles, was wir bei Apple unternehmen, ist der Schutz der Privatsphäre unabdingbar.» Das gelte nicht nur für Schüler und Lehrer, sondern für jeden, der ein Apple-Produkt verwende. «In diesem Punkt sind wir sehr leidenschaftlich.»

Hinter den Kulissen wurden manche Apple-Manager noch deutlicher. Kostenfreie Angebote wie die Google Cloud seien auf den ersten Blick kaum zu schlagen. Doch langsam setze sich auch in den USA die Erkenntnis durch, dass man diese Dienste dann eben mit seinen Daten bezahle. Auch die jüngste Affäre um den Missbrauch von Facebook-Profilinformationen trage zum Sinneswandel bei.

Gleichzeitig ahnt das Apple-Management aber auch, dass alleine ein Datenschutz-Versprechen nicht ausreicht, um verlorengegangenen Boden wieder gutzumachen. Deshalb stellten die zahlreichen Präsentatoren in der Aula der renommierten Lane Tech High-School eine Anwendung nach der anderen vor, die in einem Browserfenster eines Chromebooks nicht laufen kann - Zeitlupen-Aufnahmen zur Analyse von Sport-Übungen zum Beispiel oder eine Augmented-Reality-Anwendung, mit der man einen Frosch virtuell sezieren kann. Anwendungen im digitalen Klassenzimmer seien halt nicht nur Textdokumente, Tabellen und Präsentationen.

Im Kampf um die Vormachtstellung im Klassenzimmer setzt Apple auch auf die Kontakte zu den Lehrern. Neben verschiedenen Apps und Diensten, die die technische Verwaltung der Geräte einfacher machen, will Apple den Lehrern auch Inhalte zur Verfügung stellen, die diese in der Schule einsetzen können. Nach der erfolgreichen Kampagne «Everyone Can Code» (Jeder kann programmieren) führt Apple nun ein Angebot «Everyone Can Create» ein. Dort werden Lehrern die Ressourcen bereitgestellt, um den Unterricht etwa mit Musikaufnahmen, Zeichnungen oder Videos kreativ zu ergänzen. Gleichzeitig gibt Apple Lehrern die Möglichkeit, den Umgang mit digitalen Medien zu erlernen oder zu vertiefen.

Apple-Chef Tim Cook erinnerte in seiner Ansprache an das Credo von Firmen-Mitbegründer Steve Jobs, der das Unternehmen am Berührungspunkt zwischen Technologie und «liberal arts» verortet hatte. «Unser Platz an der Schnittstelle von Technologie und freier Kunst ermöglicht es uns, leistungsfähige Produkte und Werkzeuge zu entwickeln, die das Lernen und die Kreativität fördern», sagte Cook. Ob diese Strategie ausreicht, um im Bildungsmarkt wieder erfolgreich zu sein, werden die nächsten Geschäftsquartale zeigen.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
28. 03. 2018
11:14 Uhr

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28. 03. 2018
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