Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

Mehr als eine Million Fingerabdrücke offen im Netz

Fingerabdrücke und andere biometrische Merkmale sind als Zugangsdaten besonders sensibel, weil man sie bei einem Dateneinbruch im Gegensatz zu einem Passwort nicht einfach ändern kann. Nun ist ein gigantisches Datenleck bei einer Biometrie-Firma entdeckt worden.



Netzwerkkabel
Entsetzt zeigten sich die Forscher darüber, dass in dem System die vollständigen biometrischen Daten meist unverschlüsselt abgespeichert wurden.   Foto: Sebastian Kahnert/zb

Eine riesige Datenbank mit hochsensiblen Daten, darunter rund eine Million Fingerabdrücke, hat einen längeren Zeitraum ungeschützt und unverschlüsselt im Netz gestanden.

Wie die israelischen Sicherheitsforscher Noam Rotem und Ran Lokar vom VPN-Vergleichsportals vpnMentor am Mittwoch berichteten , stammen die Daten von der Plattform «Biostar 2» der koreanischen Sicherheitsfirma Suprema, die nach eigenen Angaben in Europa Marktführer bei biometrischen Zutrittskontrollsystemen ist. Über das Sicherheitsleck hatten zuerst der britische «Guardian» sowie das israelische Portal «Calacalist» berichtet.

«Biostar 2» arbeitet mit Fingerabdrücken oder Gesichtsscans auf einer webbasierten Plattform für intelligente Türschlösser, mit der Unternehmen die Zugangskontrolle für ihre Büros oder Lagerhallen selbst organisieren können. Das System wird nach Angaben vom «Guardian» auch von der britischen Polizei sowie mehreren Unternehmen aus der Rüstungsindustrie sowie Banken genutzt.

Unter den Kunden aus Deutschland hatten die Forscher Zugriff auf Daten der Firma Identbase. Das Unternehmen befasst sich mit Technologie zum Drucken von ID- und Zugangskarten.

«Das Leck ist riesig», erklärten die beiden Sicherheitsforscher. «Es gefährdet nicht nur betroffene Geschäfte und Organisationen, sondern auch die Angestellten.» Die Schwachstelle habe dazu geführt, dass man die vollständige Kontrolle über die Konten im System erhalten konnte, sagte Rotem dem Portal «Calcalist».

Die Forscher hatten Zugriff auf über 27,8 Millionen Datensätze und 23 Gigabyte Daten, darunter Fingerabdruck- und Gesichtserkennungsdaten, Gesichtsfotos von Benutzern, unverschlüsselte Benutzernamen und Passwörter, Protokolle über den Zugang zu den Einrichtungen, Sicherheitsstufen und -freigabe sowie persönliche Daten des Personals. Außerdem hätten sie Datensätze in den Firmenkonten neu anlegen und manipulieren können. «Böswillige Agenten könnten das Leck nutzen, um sichere Einrichtungen zu hacken und die Sicherheitsprotokolle für kriminelle Aktivitäten zu manipulieren.»

Entsetzt zeigten sich die Forscher darüber, dass in dem System die vollständigen biometrischen Daten meist unverschlüsselt abgespeichert wurden. «Anstatt einen Hash des Fingerabdrucks zu speichern, der nicht rückentwickelt werden kann, speichern sie die tatsächlichen Fingerabdrücke der Menschen, die für bösartige Zwecke kopiert werden können», sagten die Forscher dem «Guardian». Überrascht waren Rotem und Lokar darüber, wie schlecht die Suprema-Kunden zum Teil ihre Konten abgesichert haben: «Viele Konten enthielten lächerlich einfache Passwörter wie «Passwort» und «abcd1234».»

Der Marketingleiter von Suprema, Andy Ahn, sagte dem «Guardian», das Unternehmen habe eine «eingehende Bewertung» der von vpnMentor bereitgestellten Informationen vorgenommen. Die Kunden würden im Falle einer Bedrohung informiert werde. Die Firma vpnMentor erklärte, die Sicherheitslücke sei am Dienstag geschlossen worden, eine Woche, nachdem das Leck entdeckt wurde.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 08. 2019
10:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Biometrik Biometrische Daten Britische Polizei Daten und Datentechnik Fingerabdrücke Gigabyte Passwörter Persönliche Daten Polizei Private Sicherheitsdienste Rüstungsbranche Sicherheitslücken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Smartphone-Nutzung am Flughafen

10.07.2019

So werden Smartphones «grenzsicher» gemacht

Chinesische Grenzer sollen eine Spionage-App auf Smartphones von Touristen installieren, die von Kirgistan nach West-China kommen. Das schreckt auf. Zwar bereist kaum jemand diese Region. Doch wie schützt man sein Gerät ... » mehr

Andrijan Möcker

31.10.2019

Worauf es bei IP-Kameras ankommt

Videos, die für ein sicheres Gefühl sorgen: Überwachungskameras können zum Schutz der eigenen vier Wände praktisch sein. Technisch wie rechtlich gibt es allerdings eine ganze Menge zu beachten. » mehr

Log-in per Smartphone

13.08.2019

Firefox für Android unterstützt jetzt passwortfreie Log-ins

Bisher gibt es noch wenige Dienste, die die Authentifizierungsmethode WebAuthn anbieten. Jetzt ermöglicht Firefox passwortfreies Anmelden auch für Android-Geräte. » mehr

Mehr Sicherheit

08.10.2019

Sieben goldene Regeln für mehr IT-Sicherheit

Ransomware, Phishing, Viren: Ein unbedachter Klick im Browser kann ausreichen und schon landet Schadsoftware auf dem Computer. Mit etwas Strategie und Verstand surft man aber stets sicher im Netz. » mehr

Jugendlicher mit Smartphone

09.09.2019

Jeder Vierte wird Opfer von Internet-Kriminalität

Wer mit dem Internet aufgewachsen ist, bewegt sich häufig zu sorglos im Internet. Auch dann noch, wenn er bereits einmal Opfer von Internet-Kriminalität geworden ist. Die Älteren sind da vorsichtiger. » mehr

Fingerabdruckscanner

11.03.2019

Wie sicher ist die biometrische Authentifizierung?

Pins und Passwörter waren gestern. Handy- und Laptophersteller setzen zunehmend auf Fingerabdruck, Iris-Scan und Co. und versprechen dabei Komfort und Sicherheit. Vor allem bei Letzterem fordern Hacker die Industrie imme... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 08. 2019
10:23 Uhr



^