Lade Login-Box.
Topthemen: Fotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

 

Wofür ist die pinke Säule? Wissenswertes über Telefonzellen

Einst prägte die Telefonzelle das Straßenbild in ganz Deutschland, heute ist sie vom Aussterben bedroht. Die Telefonzelle hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wer sie heute noch nutzt, sollte einige Details kennen und bei den Kosten aufpassen.



Fernsprechhäuschen langsam Seltenheit
Einst Treffpunkt und Verbindung zu Freunden und Familie wird die Telefonzelle langsam zur Seltenheit.   Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn » zu den Bildern

Die Telefonzelle hat im Gedächtnis der älteren Generationen einen festen Platz: Jeder, der vor den 2000er Jahren aufgewachsen ist, kann sich wohl an die erst gelbe und dann grau-pinkfarbenen - Verzeihung: «magentafarbenen» - Kästen erinnern.

Die Telefonzellen standen früher an eigentlich jeder größeren Straßenecke, manchmal sogar mehrere nebeneinander. Sie ermöglichten den schnellen Anruf zwischendurch und diente im Urlaub als Verbindung nach Hause. Kinder nutzten sie als erstes Übungsgelände für Telefonstreiche. Nicht zuletzt waren die Telefonhäuschen auch ein beliebter Treffpunkt bei Verabredungen.

Mit dem Aufkommen des Mobilfunks verlor die Telefonzelle allerdings allmählich an Bedeutung: Plötzlich war es nicht mehr notwendig, zum Telefonieren einen bestimmten Ort aufzusuchen. Die Deutsche Telekom nennt das Jahr 2007 als einschneidendes Datum dieser Entwicklung. Das Mobiltelefon, später das Smartphone, war überall und drängte die Telefonzelle langsam, aber unaufhaltsam ins Aus.

Gänzlich verschwunden ist die Telefonzelle, die streng genommen eigentlich «Telefonhäuschen» oder «Fernsprechhäuschen» genannt werden müsste, allerdings noch nicht. Die Deutsche Telekom , die hierzulande für die Verwaltung und Instandhaltung der meisten Telefonzellen zuständig ist, zählt noch etwas mehr als 20 000 öffentliche Telefongeräte. 2014 waren es laut dem Telekommunikationsportal «Teltarif.de» noch rund 30 000, im Jahr 2004 noch mehr als 100 000. Daneben gibt es noch öffentliche Fernsprecher alternativer Anbieter, etwa an Bahnhöfen.

Einer der Hauptgründe, warum noch immer zumindest an Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen die Telefongeräte zur Verfügung gestellt werden, ist das Telekommunikationsgesetz (TKG). Es verpflichtet die Telekom dazu, eine «Grundversorgung mit öffentlichen Telefonen» zu gewährleisten. Wie viele Telefone das sind, ist nicht definiert. Und so liegt die Entscheidung alleine beim Betreiber.

Trotz des TKG werden weiterhin Telefonzellen abgebaut. Das geschieht vor allem dann, wenn sie nicht genug Umsatz erwirtschaften. Die Telekom argumentiert dann mit fehlender Nachfrage. Ein ungenutztes Telefon sei ja für die Grundversorgung nicht nötig.

Entdeckt man doch noch einen der rar gewordenen öffentlichen Fernsprecher, stellt man vor allem eines fest: Nur noch rund jede Vierte ist eine klassische Telefonzelle mit verschließbarer Tür. Viele Geräte sind mittlerweile schmucklose Metallsäulen mit Telefon. Mit ein bisschen Glück gibt es ein Glasdach, mit noch mehr Glück Windschutzwände an den Seiten.

Dafür hat sich aber technisch einiges getan. Viele der Geräte mit magentafarbenem Hörer können heute auch SMS versenden, manche haben Bildschirme für den Internetzugang und Kameras für Videotelefonie.

Auch beim Bezahlen ist mittlerweile einiges anders. Schon längst ist die Zahlung per Telefonkarte oder Kreditkarte Standard. Münzzahlung klappt nur noch bei wenigen Fernsprechern. Zwischen 40 Cent und zwei Euro kostet die erste Minute - je nachdem, ob es ein Inlands-, Mobilfunk- oder Auslandsgespräch ist. Der Preis für folgende Minuten liegt zwischen zehn Cent und zwei Euro. Wer mit Kreditkarte zahlt, muss noch einen Euro Gebühr pro Verbindung zahlen.

Allerdings kann bei der Nutzung eines öffentlichen Telefons eine Kostenfalle lauern: Denn während die genannten Tarife fest vereinbart sind, können die Preise deutlich von dieser Vorgabe abweichen, wenn das Gerät in einem privaten Gebäude installiert ist.

Und noch eine Falle gibt es: Nicht überall wo Telekom draufsteht, ist auch Telekom drin. Es kann auch sein, dass für bestimmte Telefonoptionen Drittanbieter zuständig sind. Dann können die Kosten noch viel höher liegen.

Das langsame Ende der Telefonzelle ist aber eine Chance für Telefonnostalgiker und Sammler. Seit einiger Zeit verkauft die Telekom ausrangierte Häuschen. 450 Euro kostet eins, Lieferung und Montage allerdings nicht inbegriffen. Die klassischen gelben Kabinen sind schon lange ausverkauft. Im Museum für Kommunikation in Frankfurt/Main gibt es außerdem eine Dauerausstellung mit zahlreichen Telefonzellen-Modellen - für den nostalgischen Blick zurück in eine Zeit, als sich noch niemand fragte, was denn die pinke Säule da ist.

Veröffentlicht am:
24. 10. 2017
04:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bahnhöfe Deutsche Telekom AG Drohung und Bedrohung Gerät Museum für Kommunikation Nostalgie Telefonanlagen und Telefongeräte Telekommunikationsgesetz Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ausbau 5G-Netz

05.09.2019

Deutsche Telekom startet mit 5G

Wichtige Frequenzen für den Mobilfunkstandard 5G sind versteigert, nun kommt der Ausbau in Gang. Auf der IFA in Berlin rühren Telekom und Vodafone kräftig die Werbetrommel. Doch ob die neue Technik auch dem Privatkunden ... » mehr

Nano-SIM

31.05.2019

Alles, was Sie über SIM-Karten wissen müssen

Sie sind klein und unverzichtbar für mobiles Telefonieren und Surfen: SIM-Karten. Mit ihnen hat beim Einstecken fast jeder Smartphone-Besitzer schon einmal gekämpft. Die fummelige Karten-Spezies könnten aber in absehbare... » mehr

Wasserfest

20.08.2018

Das können Outdoor-Smartphones

Ein Sturz reicht aus, und das schöne Smartphone splittert in Stücke. Spezielle Outdoor-Smartphones werben mit Schutz gegen Wasser, Schläge oder Stürze und bieten allerlei Zusatzfunktionen. Aber was ist dran, und was taug... » mehr

Telefonbuch und Festnetztelefon

12.07.2018

Die Telefonauskunft hat es schwer

Wo «werden Sie geholfen»? Na klar, bei der Auskunft. Einst war das für viele die erste Anlaufstelle bei der Suche nach Telefonnummern und alten Freunden. Was ist in Zeiten von Internet und Smartphones daraus geworden? » mehr

Shiftphone 6m

10.09.2019

Das Shiftphone 6m im Test

Funktionierende Smartphones sind toll, kaputte nicht. Denn selbst reparieren lassen sich die wenigsten. Das Shiftphone 6m ist nicht nur hier anders unterwegs. » mehr

Refurbished Store

03.09.2019

Was beim Kauf gebrauchter Macs zu beachten ist

Macs und MacBooks sind für viele Menschen die Objekte technischer Begierde schlechthin. Doch die Apple-Rechner sind oft sündhaft teuer. Wer sie deshalb gebraucht kauft, sollte genau hinschauen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 10. 2017
04:50 Uhr



^