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Auf dem Weg zum Supernetz: Was 5G-Mobilfunk bringt

Es gibt Themen, denen entkommt man nicht: Vernetzte Autos, Häuser und Geräte gehören dazu. Oder der nächste Mobilfunkstandard 5G. Alles nur heiße Luft? Mitnichten. Die wachsende Vernetzung und 5G hängen sogar zusammen. Und es geht um deutlich mehr als nur Bandbreite.



5G ist ein großes Messethema
5G ist das nächste große Ding in Sachen Mobilfunk. Erste funktionierende Netze werden für 2020 erwartet. Bis dahin zeigt die Branche auf dem Mobile World Congress schon einmal, was damit alles möglich sein könnte.   Foto: Andrea Warnecke » zu den Bildern

LTE, die vierte Mobilfunkgeneration (4G), scheint gerade bei der breiten Nutzermasse angekommen zu sein, da dreht sich schon alles um 5G. Wie wird sich 5G überhaupt bemerkbar machen?

Auf dem Mobile World Congress (26. Februar bis 1. März) ist der neue Mobilfunkstandard 5G, der bis 2020 startklar sein soll, das Branchenthema schlechthin. Bemerkbar macht er sich zunächst einmal mit der angestrebten enormen Übertragungsbandbreite von theoretisch 10 Gigabit pro Sekunde (GBit/s). Das sind 10 000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Bei den derzeitigen LTE-Netzen sind im Regelbetrieb theoretische 300 Mbit/s das Höchste der Gefühle, und viele Smartphone-Nutzer surfen in Tarifen mit maximal 50 Mbit/s.

Man sollte aber keine übersteigerten Erwartungen an die 5G-Datenraten haben - vor allem in der Anfangsphase. «10 GBit/s werden kommen», sagt Prof. Slamowir Stanczak, Leiter der Abteilung drahtlose Kommunikation und Netze am Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik (Heinrich-Hertz-Institut HHI), das auf der Messe seine Forschungs- und Entwicklungsarbeiten rund um 5G zeigt. «Allerdings nicht überall und nicht für jeden.» Die erreichbaren Raten in einer Funkzelle müssen auch weiterhin auf alle Nutzer, die sich darin befinden, aufgeteilt werden.

Für viele Anwendungszwecke ohnehin viel wichtiger: 5G soll die Laufzeit der Signale im Netz gegenüber LTE bis um den Faktor 40 verkürzen. Die Signalverzögerung (Latenz) beträgt dann idealerweise nur noch eine Millisekunde oder weniger. Das bedeutet drastisch verkürzte, vom Menschen nicht mehr wahrnehmbare Reaktionszeiten.

«Die Netzbetreiber machen momentan ihre Geschäfte hauptsächlich noch mit hohen Datenraten», erklärt Prof. Stanczak. «Aber die Industrie braucht kurze Latenzzeiten, hohe Zuverlässigkeit, hohe Sicherheit und hohe Verfügbarkeit.» 5G soll die Lösung sein und sowohl datenhungrige Verbraucher als auch Unternehmen glücklich machen, die vor allem an der Echtzeit-Kontrolle und -Steuerung ihrer vernetzten Maschinen und Fahrzeuge interessiert sind.

«Massive Vorteile für das Internet der Dinge» sieht Phil Twist, Kommunikationschef von Nokias Mobile-Networks-Sparte zudem in den kommenden 5G-Netzen. «Sie bieten 1000 Mal mehr Kapazität, um Dinge zu vernetzen», zieht Twist den Vergleich zu LTE.

Das ist auch notwendig. Denn 5G wird vom Internet der Dinge künftig nicht nur durch zahllose vernetzte Wearables gefordert: Autos sollen in Echtzeit kommunizieren. Und auch virtuelle (VR) oder erweiterte Realität (AR) wird mobil - etwa für Servicetechniker, die Instruktionen oder Pläne in Datenbrillen eingeblendet bekommen.

Aber wie sind höhere Datenraten und kürzere Reaktionszeiten technisch zu erreichen? Dazu sind drei Entwicklungsrichtungen zu beobachten, erklärt Stanczak: Die Anzahl der Antennen wird drastisch erhöht, so dass sich teilweise mehr Antennen als Nutzer in einer Zelle befinden. Solche Antennensysteme werden als Massive MIMO (Multiple Input Multiple Output) bezeichnet. Und die Netze werden dichter mit mehr Funkstationen in kürzeren Abständen.

Und da das derzeit genutzte Frequenzspektrum zwischen 0,8 und 2,6 Gigahertz (GHz) voll ist, müssen höhere Frequenzen für die Datenübertragung genutzt werden, um mehr Bandbreite zu erreichen, so Stanczak. «Das ist der Bereich zwischen 6 und 300 GHz, hier spricht man von der Millimeterwellen-Technologie.»

Damit die Signallaufzeiten im Millisekundenbereich bleiben, müssen Mobilfunknetze auch dezentraler organisiert werden. Das bedeutet, dass bestimmte Daten aus einer Funkzelle für bestimmte Anwendungen nicht weit verschickt, sondern direkt in der zugehörigen Basisstation gefiltert oder verarbeitet werden müssen. Das erledigen Computermodule, mit denen die Stationen bestückt werden.

Die 5G-Netze können außerdem berücksichtigen, dass nicht alles gleich wichtig ist, nicht alles gleich viel Bandbreite braucht oder nicht alles gleich schnell angesprochen werden können muss. Per Software lassen sich 5G-Netze und -Ressourcen deshalb abstufen und aufteilen: «Network Slicing generiert die Kapazität, die gerade gebraucht wird», sagt Phil Twist.

Das eine Unternetz hat dann etwa besonders viel Bandbreite zum Streamen von Videos, das andere ist besonders reaktionsschnell und könnte zur Vernetzung von Autos eingesetzt werden. Doch Network Slicing funktioniert ausschließlich in 5G-Netzen, 4G-Netze bieten solche Möglichkeiten nicht, erklärt Twist.

Das Supernetz wird aber nicht von heute auf morgen da sein, sondern sich langsam entwickeln. Denn noch ist LTE nicht ausgereizt. «Mit 4G bekommt man Gigabit-Geschwindigkeit hin», sagt Twist. «Die Spezifikation wird immer weiter entwickelt.» Bei diesem Zwischenschritt auf dem Weg zu 5G ist oft von 4,5 G die Rede.

Auch bei dieser Brückentechnologie spielen MIMO-Antennensysteme schon eine wichtige Rolle. «4G wird für die nächsten fünf Jahre das Mainstream-Mobilfunknetz bleiben», prognostiziert Twist. Erste 5G-Inseln würden ab 2020 zunächst für bestimmte Anwendungen entstehen und dann immer weiter wachsen.

Veröffentlicht am:
27. 02. 2018
14:23 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 02. 2018
14:23 Uhr



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