Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

 

Fakeshops locken mit Schnäppchen im Internet

Im Internet einzukaufen ist schnell und bequem. Die steigenden Zahl an Kunden zieht aber auch Betrüger an. Bei der Suche nach den Tätern stoßen die Behörden oft an Landesgrenzen. Das ist nur eines der Probleme.



Gefälschter Onlineshop
Beim Onlineshopping sollten Verbraucher genau hinsehen. Viele verlockende Angebote stammen von Fakeshops.   Foto: Jens Büttner

Schicke neue Markenschuhe im Internet bestellt und natürlich günstiger als im Laden: Dieser Traum von Schnäppchenjägern zerplatzt bei sogenannten Fakeshops. Die betrügerischen Webseiten sehen dabei häufig professionell aus.

Die bestellte Ware kommt aber entweder nie an, oder hat eine deutlich schlechtere Qualität als die versprochene. Das Geld hat der Kunde oft per Vorkasse überwiesen - und ist damit weg.

«Häufig geht es um Schuhe, insbesondere teure Markenschuhe oder Jacken», sagt Hans-Joachim Henschel. Er arbeitet für die Zentralstelle Prävention Cybercrime vom Landeskriminalamt Niedersachsen. Auch Elektroartikel, wie Kaffeemaschinen, Smartphones oder Fernseher, werden dort gerne angeboten. Das Ausmaß der Fakeshops bezeichnet Henschel als «ziemlich heftig». Dieses Problem dürfte eher zu als abnehmen, denn immer mehr Menschen kaufen im Netz.

Für den Einzelhandel ist der Online-Handel ein Wachstumstreiber. 2017 legte er um zehn Prozent auf 53,4 Milliarden Euro zu, wie der Handelsverband Deutschland angibt. Erstmals haben die Deutschen somit jeden zehnten Euro im Internet ausgegeben.

Konkrete Zahlen zu Fakeshop-Fällen gibt es allerdings nicht. Das Bundeskriminalamt weist in seiner Kriminalstatistik lediglich Warenbetrug im Internet aus. Das waren 70 506 Fälle im Jahr 2016. Ob dazu auch alle Fakeshop-Fälle zählen und welchen Anteil sie ausmachen, kann die Behörde nicht sagen.

Denn Anzeigen zum Thema Fakeshops werden nicht zentral von einer Stelle erfasst. «Das ist das Problem», sagt Henschel. Jede Landesbehörde habe ihr eigenes Aufnahmeverfahren für Straftaten. Das führe oft dazu, dass mehrere Polizeidienststellen die gleiche Arbeit machten. «Hier wäre eine bundesweit einheitliche Stelle wünschenswert, an die auch noch unbekannte Shops durch Polizei und Bürger gemeldet oder abgefragt werden könnten und die dann zusätzlich auch die Provider bezüglich Sperrung der Webseite kontaktiert.»

Fakeshops, gefälschte Online-Shops oder betrügerische Webseiten: Nicht einmal die Verwendung des Begriffs ist einheitlich geregelt. Sucht ein Polizeibeamter also nach dem Wort Fakeshop, bekommt er vielleicht einige Treffer in der Datenbank - falls die Anzeige mit diesem Stichwort versehen wurde.

Ein weiteres Problem: Opfer zeigen den Betrug häufig nicht an. Vielen sei es peinlich, auf die Betrüger hereingefallen zu sein, erzählt Henschel. «Das Dunkelfeld ist extrem hoch.» Anderen erscheint der Schaden vielleicht zu gering. Nach dem Motto: Wegen 50 Euro gehe ich doch nicht zur Polizei. Deshalb macht Henschel immer wieder darauf aufmerksam: «Je mehr Anzeigen es gibt, desto größer die Chance, dass man die Täter kriegt.»

Die Kriminalämter setzen auf Prävention. Gemeinsam mit den Verbraucherzentralen warnen sie vor Webseiten ohne Impressum, die nur die Möglichkeit zum Bezahlen per Vorkasse geben. «Man sollte vorsichtig sein, wenn die Preise zu gut sind, um wahr zu sein», rät Britta Groß vom Team Digitaler Wareneinkauf der Verbraucherzentralen. Pro Monat werden der Arbeitsgruppe etwa 20 Fälle gemeldet. Die Fake-Seiten gibt es dann oft schon nicht mehr, denn sie wechseln häufig ihre Webadresse.

Den Link der Seite, die URL, sollten sich Kunden sowieso genau anschauen. Bei den von Groß ausgewerteten Fällen passten die Adressen häufig nicht zum Produkt. Unter dem Link einer Kaminausstellung oder einer Kanzlei wurden etwa Schuhe oder Kleidung verkauft.

Den Betreibern solcher Betrugsseiten drohen hohe Strafen. Im Juni 2017 verurteilte das Landgericht München einen 35-jährigen Münchner zu fünfeinhalb Jahren Haft. Er hatte mit insgesamt 19 Fakeshops insgesamt 430 000 Euro erbeutet.

Veröffentlicht am:
09. 04. 2018
10:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Betrugsfälle Betrüger Bundeskriminalamt Landeskriminalamt Niedersachsen Markenschuhe Online-Shopping Polizei Schuhe Verbraucherzentralen Verbrecher und Kriminelle Webadressen Webseiten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kirsti Dautzenberg

06.08.2019

Warum Sie bei Bezahldiensten genau hinschauen sollten

Wer einen Bezahldienst beim Einkaufen im Netz nutzt, erhält häufig automatisch einen Zusatzschutz. Doch kann man sich voll und ganz auf diese Käuferschutzprogramme verlassen oder gibt es Haken? » mehr

Nur ein Stern heißt nichts Gutes

21.05.2019

Bewertungen beim Onlineshopping nicht blind vertrauen

Im Internet winkt die große Vielfalt, doch welches Produkt ist am Ende das beste? Die Bewertung anderer nutzen viele Verbraucher hier als Orientierung. Doch beim Lesen ist stets Skepsis angebracht. » mehr

Junk-E-Mail

09.05.2019

Strategien gegen Spam-Mails

Werbung für Pillen oder eine vermeintlich seriöse Mitteilung einer Bank, die einen fiesen Trojaner transportiert: Spam-Mails landen immer wieder im Posteingang. Wenn die unerwünschte Post überhand nimmt, sollten Nutzer a... » mehr

Login - Passwort

30.09.2019

Zwei-Faktor-Authentifizierung: Deutsche Firmen drücken sich

Internationale Großkonzerne machen es vor: Für den Log-In können Kunden die Option wählen, das neben dem Passwort zusätzlich ein Einmalkennwort abgefragt wird. Viele deutsche Firmen lehnen das dagegen als zu kompliziert ... » mehr

Phishing im Internet

03.10.2019

Das sind die Tricks der Phishing-Betrüger

Gefälschte Rechnungen, fingierte Anwaltsschreiben, angebliche Steuerrückzahlungen gegen Angabe der Kreditkartennummer: Phishing gibt es in vielfältiger Form. Wie erkennt man den Betrug? » mehr

Fabian von Keudell

vor 12 Stunden

Internetbetrug hat viele Facetten

Mal soll man ein immenses Erbe antreten, mal einem Menschen in Not helfen: Um an Geld zu kommen, erfinden Betrüger im Internet die abenteuerlichsten Geschichten. Oder sie versprechen die große Liebe. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 04. 2018
10:02 Uhr



^