Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"BlitzerwarnerCoronavirus

 

Apple tritt Smartphone-Sucht entgegen

Die Botschaft klingt zunächst bizarr: Ein Konzern möchte den Kunden dabei helfen, möglichst sparsam mit seinen Produkten umzugehen. Doch genau das hat Apple nun vor. Neue Funktion unterstützen die User dabei, ihre Bildschirmzeit zu begrenzen - aus gutem Grund.



Kind mit iPhone
Mit dem neuen Mobil-Betriebssystem iOS 12 unterbindet Apple, dass das iPhone ständig auf sich aufmerksam macht. Gerade junge Nutzer sollen mit der Funktion ihre Bildschirmzeit begrenzen.   Foto: Ole Spata

Das Smartphone ist inzwischen für eine ganze Generation zum Dreh- und Angelpunkt geworden. Insbesondere Jugendliche können sich ein Leben ohne iPhone oder Android-Smartphone kaum mehr vorstellen.

Jean M. Twenge, Professorin für Psychologie an der San Diego State University, spricht von einer «regelrechten Obsession». Die von ihr für eine Studie befragten Jugendlichen schlafen fast alle mit ihren Smartphones, legen sie unter ihr Kopfkissen, auf die Matratze oder zumindest in Reichweite des Betts. «Ihr Smartphone ist das Letzte, was sie vor dem Schlafen sehen und das Erste, was ihnen morgens ins Auge fällt», schreibt Twenge in ihrem aktuellen Buch über die «Generation Selfie».

Dass diese Intensiv-Nutzung der Smartphones negative Folgen haben kann, hat sich inzwischen auch bei den Herstellern der Geräte herumgesprochen. Auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC räumte der Software-Chef des iPhone-Konzerns, Craig Federighi, ein, es sei an der Zeit, sich mit den übergroßen Auswirkungen von Smartphones auf den Alltag auseinanderzusetzen. «Für einige von uns ist es zu einer solchen Gewohnheit geworden, dass wir vielleicht gar nicht mehr erkennen, wie abgelenkt wir geworden sind», sagte er.

Apple unternimmt nun mehrer Schritte, um einer potenziellen Smartphone-Sucht entgegenzuwirken. Zum einen können die Anwender mit dem neuen Mobil-Betriebssystem iOS 12, das auch auf älteren iPhones ab dem Modelljahr 2013 laufen soll, das iPhone schneller zum Schweigen bringen. Für das Abendessen, im Kino, in der Nacht oder zu anderen Anlässen kann dem Apple-Smartphone schnell beigebracht werden, nicht mehr durch Klingeltöne, Vibrationen oder Bildschirm-Anzeigen um Aufmerksamkeit zu betteln.

Gleichzeitig können die iPhone-Besitzer sich vor Augen führen lassen, wie viel Zeit sie mit einzelnen Apps verbracht haben oder wie oft sie nachgeschaut haben, ob neue Nachrichten vorliegen. Außerdem können die User für einzelne Anwendungen oder Genres wie «Spiele» Obergrenzen festlegen, die sie allerdings mit einem Wisch auch wieder außer Kraft setzen können.

Rigider sind die Funktionen, die Eltern für die Kontrolle der Smartphone- und Tablet-Nutzung ihrer Kinder in die Hand bekommen. Über die «Familienfreigabe» können die Erziehungsberechtigten beispielsweise festlegen, dass abends ab einer bestimmten Zeit das Gerät gar nicht mehr genutzt werden kann. Die Grenzen können dabei flexibel gezogen werden. So können Vater oder Mutter abends Spiele, soziale Netzwerke, Musik-Hören oder Video-Apps blockieren, die App zum Lernen der Latein-Vokabeln aber nutzbar lassen.

Apple kommt mit den neuen Funktionen auch den Forderungen von kritischen Investoren entgegen. Im Vorfeld der jüngsten Aktionärsversammlung hatten im Januar 2018 die Investmentfirma Jana Partners und ein Rentenfonds für Lehrer in Kalifornien, die zusammen Millionen von Apple-Aktien halten, in einem offenen Brief das Unternehmen aufgefordert, die gesundheitlichen Auswirkungen seiner Produkte, insbesondere auf Kinder, zu untersuchen. Da die Entwicklung einer neuen Version des Mobilsystems iOS jedoch gut ein Jahr Vorlauf hat, dürfte sich die Apple-Führung um CEO Tim Cook schon lange vorher dazu durchgerungen haben, diese Selbstbeschränkung einzuleiten.

Vor Apple hatte bereits Google vor einem Monat ein ähnliches Programm zur Selbstkontrolle seiner Android-Anwender angekündigt. Allerdings dürfte die Google-Initiative zum «Digital Wellbeing» weniger Durchschlagskraft haben: Im Gegensatz zum Apple-Ökosystem nutzt immer nur eine Minderheit deutlich unter zehn Prozent das jeweils neueste Android-System. Bei iPhone und iPad hat dagegen bereits nach wenigen Wochen die Mehrheit der Anwender das neuste iOS installiert. Außerdem verwenden Kinder und Jugendliche häufig ältere oder preiswertere Modelle, die im Android-Universum vermutlich nie auf die neuste Version «P» aktualisiert werden.

Apple muss auch auf eigene Interessen keine Rücksicht nehmen: Für den iPhone-Hersteller macht es nach dem Verkauf der Hardware kaum einen Unterschied, wie viele Stunden am Tag ein Gerät mit dem Apfel-Logo genutzt wird. Bei der Konkurrenz sieht das etwas anders aus. Insbesondere Facebook profitiert finanziell davon, wenn die Anwender möglichst häufig die Dienste des Konzerns nutzen und dabei die Werbung zu Gesicht bekommen, die bei dem Apple-Konkurrenten die Haupt-Einnahmequelle darstellt.

Veröffentlicht am:
06. 06. 2018
09:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apple Betten Chief Executive Officer Facebook Google Investmentgesellschaften Konzerne Smartphones Tim Cook iOS iPhone
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Zweithandy im Auto

25.08.2020

Unterwegs mit dem alten Smartphone

Viele wollen immer das neueste Smartphone. Das alte muss dann aber nicht versauern, sondern kann unterwegs noch gute Dienste für alles Mögliche und Unmögliche leisten - nur nicht als Parkscheibe. » mehr

Suche nach Corona-Warn-App

16.06.2020

So läuft die offizielle Corona-Warn-App auf Ihrem Handy

Die Überprüfung durch Apple und Google hat die Corona-Warn-App des Bundes bereits bestanden. Von Dienstag an soll man sie auch herunterladen und verwenden können. Was sollten Anwender dazu wissen? » mehr

Google: Neues Android 11 steht als Beta-Version bereit

11.06.2020

Neues Android 11 steht als Beta-Version bereit

5G-Mobilfunknetze sind kein Problem. Und auch Klapp-Displays werden unterstützt. Doch was hat das neue Android 11 an neuen Funktionen zu bieten? Das können nun erste Nutzer selbst testen. » mehr

Andreas Floemer

20.08.2020

Auf Entdeckungstour durch Android 10

Android 10 strotzt nur so vor Funktionen. Viel Spannendes und Nützliches ist jedoch mehr oder weniger versteckt. Wie lässt sich noch mehr aus dem Smartphone rausholen? » mehr

Gebrauchtes Smartphone

21.07.2020

Auf der Jagd nach dem Smartphone-Schnäppchen

Wer sich ein Smartphone anschaffen möchte, muss nicht unbedingt zu Neuware greifen. Aber lohnt sich ein Gebrauchtkauf? Und wo findet man die besten Angebote? » mehr

Corona-Warn-App

19.06.2020

Was Sie bei der Corona-Warn-App beachten müssen

Nach der Vorstellung haben innerhalb weniger Tage über zehn Millionen Menschen die offizielle Corona-Warn-App installiert. Mit dem Betrieb der Tracing-App tauchen neue Fragen auf. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
06. 06. 2018
09:49 Uhr



^