Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Siri und Alexa - Warum sind Sprachassistenten weiblich?

Warum eigentlich Siri? Und warum Alexa und nicht Alexander? Die digitalen Helfer sind Frauen. Zumindest klingen sie so. Werden da wieder alte Klischees zementiert?



Männerstimmen bei Sprachassistenten aktivieren
Siri mit Männerstimme? - Kein Problem. Apple sieht nicht nur auf Mac-Rechnern (Bild), sondern auch auf seinen iOS-Geräten die Möglichkeit vor, die Assistenten-Stimme zwischen weiblich und männlich umzuschalten.   Foto: Andrea Warnecke

Die Schauspielerin Maria Furtwängler räumt gerne mit altmodischen Rollenbildern auf. Ihr ist aufgefallen, dass die digitalen Assistenten aus dem Lautsprecher auf Alexa, Siri und Cortana hören - überall Frauen.

«Ich frage mich, ob künstliche Intelligenz uns zu mehr Diversität verhilft oder gängige Stereotypen zementiert», sagte Furtwängler kürzlich in einer Rede bei einer Konferenz in München. Warum die Assistenzsysteme alle weiblich seien, fragte sie. «Sie könnten doch auch Hubert, Bernhard oder Yossi heißen!»

«Die digitalen Dienstmägde unserer Zeit»

Das war laut Teilnehmerangaben auch eine augenzwinkernde Anspielung auf die männlichen Gäste beim «DLD Chairmen's Dinner» und ihren Mann, den Verleger Hubert Burda. Aber Furtwängler, die sich schon mit Geschlechterbildern im Fernsehen und bei Youtube befasste, hat einen Punkt.

Warum eigentlich Siri, ein skandinavischer Frauenname? Und warum Alexa und nicht Alexander? «Sprachassistentinnen sind die digitalen Dienstmägde unserer Zeit», findet der Klangforscher Holger Schulz von der Universität Kopenhagen. Im Radiosender Deutschlandfunk Kultur kritisierte er, dass die weibliche Stimme in die Rolle einer Assistentin zurück gedrängt werde.

«Als angenehmer, freundlicher und entspannter wahrgenommen»

Ein Praxistest: Bei Apple klingt die Computerstimme eindeutig weiblich. Wenn man Siri, das Sprachsystem im iPhone fragt, ob sie ein Mann oder eine Frau ist, sagt sie: «Lass dich durch meine Stimme nicht täuschen: Ich habe kein Geschlecht.» Alexa hat da eine eindeutige Antwort. Gefragt, ob sie eine Frau sei, antwortet der Lautsprecher: «Ich sehe mich als weiblich. In Stromkreisen würde man sagen: Ich bin Frauenpower aus der Steckdose.» Bei Google ist der Assistent namenlos.

Apple will grundsätzlich nichts dazu sagen, welche Prozesse zu einem Produktnamen führen. Aber der Hersteller verweist darauf, dass Siri sowohl mit weiblicher als auch mit männlicher Stimme genutzt werden kann. «Dies bleibt jedem Nutzer selbst überlassen.» Bei Amazon erklärt ein Sprecher, der Name Alexa komme von der Bibliothek Alexandria, einem Wissensuniversum. Was die Stimme angeht: «Überall auf der Welt haben Studien ergeben, dass die weibliche Stimme als angenehmer, freundlicher und entspannter wahrgenommen wird.»

Bei Microsoft heißt es, Cortana sei in erster Linie eine dialogorientierte Assistentin, die Nutzer bei verschiedenen Anforderungen unterstütze. Sie versteht sich laut Hersteller nicht als ausdrücklich weiblich, sondern allgemein als Wesen. Und: Die gesamte Persönlichkeit wird laut Microsoft an lokale Gegebenheiten angepasst. Die französische Cortana ist demnach anders als die japanische.

«Einfluss auf das Geschlechterrollenverständnis»

Miriam Meckel, Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, verweist ebenfalls auf eine Reihe von Studien, die zeigten, dass weibliche Stimmen als angenehmer wahrgenommen werden als männliche. Deshalb sei die Voreinstellung bei allen Sprachassistenten weiblich.

Das Problem ist für Meckel, dass diese eine Servicefunktion übernehmen, die im täglichen Umgang dadurch mit weiblich verbunden wird. «Da zunehmend auch Kinder im Umgang mit Alexa und Co aufwachsen, kann das einen Einfluss auf das Geschlechterrollenverständnis einer Gesellschaft haben», erklärt die Buchautorin, die auch Gründungsverlegerin des Digitalmagazins «ada» ist.

Besonders drastisch habe sich dieses Problem am Beispiel sexueller Belästigung gezeigt, so Meckel. «Tatsächlich müssen sich die Sprachassistenten da einiges anhören.» Inzwischen arbeiteten die Hersteller daran, dass es darauf passende und nicht unangemessen höfliche Antworten gibt. «Macht man Siri heute ein unmoralisches Angebot, hört man: «Die Antwort lautet nein.»»

Das zeigt laut Meckel: «Auch in der Kommunikation und Interaktion mit Softwaresystemen sind Umgangsregeln wichtig. Wir lernen ja nicht nur von Menschen, sondern inzwischen auch von Maschinen.»

Historische Vorläufer

Für die modernen Systeme werden echte Stimmen genutzt, die dann technisch zu immer neuen Sätzen zusammengebaut werden. In der Technologie-Geschichte und in der Popkultur hat die Frauenstimme eine gewisse Tradition. Im Kinofilm «Her» (2013) verliebt sich Joaquin Phoenix in seiner Rolle in die Stimme eines Computersystems, gesprochen von Scarlett Johansson. Die Zeitansage am Telefon (ja, die gibt es noch) ist bis heute weiblich.

Die Berliner Forscherin Judith Meinschaefer erklärt das aus Sicht der Wissenschaft: «Frauenstimmen sind verständlicher als Männerstimmen.» Das liege daran, dass die Stimmlippen schneller schwingen. Die Frequenz von Signalen sei höher.

Dass Computersysteme Frauen in eine Assistinnenrolle bringen, ist keine Sache für Meinschaefer als Wissenschaftlerin. Aber sie hat eine Vermutung als Frau: Wahrscheinlich liege es daran, dass Männer sich mehr für Technik begeistern, und es passe vielleicht in deren Weltbild. Technisch sei es kein Problem, wenn Männerstimmen genutzt würden, so Meinschaefer.

Im Internet kann man sich angucken, dass es auch anders hätte kommen können. Siri und Alexa haben einen Großvater, wie ein altes Video von 1992 zeigt. Darin führen der damalige Apple-Chef John Sculley und der Computerwissenschaftler Kai-Fu Lee im Fernsehen ein Computersystem vor, mit dem man reden kann. Die Stimme klingt recht hoch. Aber das System heißt: Casper .

Männerstimmen bei Sprachassistenten aktivieren

Bei heutigen Sprachassistenten müssen die Stimmen nicht immer zwangsläufig weiblich sein. Wer lieber mit einem Mann sprechen möchte, muss oft nur eine kleine Änderung in den Einstellungen vornehmen. Amazon und Microsoft sehen für Alexa beziehungsweise Cortana derzeit allerdings keine Wahlmöglichkeit vor. So funktioniert das Aktivieren einer Männerstimme bei den anderen Assistenten:

- Google Assistant : Auf Smartphone und Tablets mit Android hält man die Startbildschirm-Taste (Home Button) so lange gedrückt, bis sich der Assistant öffnet. Bei Mobilgeräten mit iOS öffnet man die Google Assistant App. Dann tippt man rechts oben auf das Dreipunkt-Menü beziehungsweise sein Profilbild und geht in den Einstellungen auf «Assistant/Stimme für Assistant». Bei Smart-Speakern mit Google Assistant ruft man den gleichen Einstellungspunkt in der Google-Home-Apps auf.

- Siri von Apple : Auf iPhones und iPads geht man in den Einstellungen auf «Siri & Suchen/Sprache», um von der weiblichen auf eine männliche Stimme umzuschalten. Auf Mac-Rechnern (ab macOS Sierra) findet sich die Wahlmöglichkeit in den Systemeinstellungen unter «Siri/Sprache». Apples Smartwatches übernehmen die Stimmeinstellung automatisch vom iPhone.

- Bixby von Samsung : Wer ein neueres Galaxy-S- oder Note-Smartphone besitzt, kann Samsungs Sprachassistenten Bixby Voice nutzen - und in den Einstellungen der Bixby-App unter «Sprache» festlegen, ob die Assistenten-Stimme männlich oder weiblich sein soll.

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
13:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alexa Amazon Apple Assistenten Deutschlandfunk Digitaltechnik Einstellungen Geschlechterrollen Google Google Assistant Hubert Burda Joaquín Phoenix Maria Furtwängler Microsoft Miriam Meckel Samsung Group Scarlett Johansson YouTube iPhone
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Die neuen iPhone-Modelle

14.10.2020

Die neuen iPhone-Modelle im Überblick

Coronabedingt zeigte Apple die neuen iPhones später als sonst, das Konzept erinnert aber an die Vorjahre: Dünner, leichter und vor allem schneller sind die Geräte - auch weil Apple nun 5G unterstützt. » mehr

Apples Aiprint

23.06.2020

Auch das Smartphone kann mit dem Drucker

Mal eben das Foto oder ein PDF vom Smartphone ausdrucken. Das wäre es doch. Aber geht das denn überhaupt? Die Antwort lautet: Ja, natürlich - oft sogar auf vielen verschiedenen Wegen. » mehr

Für Sternegucker

03.08.2020

Das Pixel 4a hat mehr Power - aber noch kein 5G

Mit seiner Pixel-Reihe zeigt Google jedes Jahr, wie ein ideales Android-Smartphone auszusehen hat. Zuletzt gab es aber Kritik wegen der Akku-Laufzeit. Das neue Pixel 4a hält nun wieder länger durch. » mehr

Sprachassistenten

16.04.2020

Wenn das TV-Gerät aufs Wort gehorcht

Sogar Fernseher lassen sich heute per Sprache steuern. Technik-Nerds jubeln, Datenschützer haben Bedenken. Hat die Fernbedienung bald ausgedient? » mehr

Aufs Wesentliche konzentriert

vor 23 Stunden

Pixel 5 und 4a 5G im Praxistest

Schnellere Prozessoren, höhere Auflösung, noch mehr Kameras: So preisen Smartphone-Hersteller in der Regel ihre neuen Geräte an. Google verabschiedet sich von diesem Rennen - und glänzt mit Software. » mehr

Android

24.09.2020

Android einfacher oder individueller machen

Android kann ganz schön kompliziert sein, oder in der Bedienung so, wie man es eben gerne nicht hätte. Doch mit speziellen Apps und Bordmitteln des Betriebssystems lässt sich da einiges machen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
13:42 Uhr



^