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Wenn der Shit-Storm einen Love-Storm erntet

Im Netz tobt der Hass. Es wird beleidigt, beschimpft, gelogen und gemobbt. Studien zeigen: Es sind wenige, die die Atmosphäre vergiften. Die EU-Initiative Klicksafe ermuntert beim «Safer Internet Day» zur Zivilcourage im Netz - zum Liebessturm.



Internet-Mobbing
Unter dem Motto «Lauter als Hass» fordert der Safer Internet Day zu mehr Zivilcourage und Gegenrede im Netz auf.   Foto: Dominic Lipinski

Fette Kuh» liest Youtuberin Pocket Hazel (180.000 Follower) ständig über sich. Dabei ist sie wirklich schlank. Solche Kommentare stören sie nicht mehr, sagt sie. Es sind die rassistischen Attacken, die sie verletzen.

Sie kam im Alter von fünf Jahren aus Vietnam nach Berlin und ist heute 24, wird dennoch als «blöde Chinesin» angefeindet. «Manchmal habe ich Angst, in die Kommentare reinzuschauen. Da wird mir schlecht», sagt sie. Inzwischen filtert sie die rassistischen Schmähbegriffe.

Unter dem Motto «Lauter als Hass» hat der Safer Internet Day am 5. Februar mit bundesweiten Aktionen zu mehr Zivilcourage und Gegenrede im Netz aufgefordert. Wer im Internet angefeindet und Opfer von Hassattacken wird, braucht Beistand, mahnt die EU-Initiative Klicksafe. Dem «Shit-Storm» könne ein «Love-Storm» entgegengesetzt werden.

Youtuberin Silvi Carlsson (215.000 Follower) geht es ähnlich wie Hazel. «Bei echtem Mobbing hilft Ignorieren nicht», sagt Carlsson. «Ich lösche das - ohne schlechtes Gewissen. Hass-Kommentare melden, Trolle blockieren. Nur manchmal gehe ich drauf ein und frage, was im Leben des Haters bloß schiefgelaufen ist.»

Oder sie nimmt den Hass-Kommentar mit Humor auf: Als ihr jemand schrieb, sie habe eine Hüfte wie ein Büffel, wurde daraus eine neue Webseite: büffelhüfte.com. «Wichtig ist zu begreifen, dass der Hass-Kommentar nichts mit dir zu tun hat, sondern nur mit dem Absender, der Aufmerksamkeit sucht», sagt Carlsson.

Etliche Schüler der Werner-von Siemens-Realschule in Düsseldorf haben in sozialen Netzwerken ebenfalls einstecken müssen. Mehmet (14) wegen seiner Augenbrauen, Sabine (13) hat schon User gesperrt: «Man lernt damit umzugehen. Unsere Lehrerin hat mir sehr geholfen», sagt sie.

HipHop-Star Eko Fresh und Schauspieler Patrick Mölleken wurden wegen eines Songs gegen Fremdenhass kürzlich Opfer einer Kampagne von Rechtsradikalen im Netz. Aus ihrem Stück «Aber» wurden Passagen aus dem Zusammenhang gerissen und für rechte Propaganda genutzt. Plötzlich erhielt Schauspieler Mölleken, der in dem Musikvideo den besorgten Bürger spielt, Morddrohungen von Linksextremen.

«Hass wird mehr geklickt, aber Liebe hält länger», sagt HipHop-Star Eko Fresh den Schülern. Eine aktuelle Forsa-Umfrage gibt ihm Recht: Beleidigungen und Beschimpfungen stoßen bei 98 Prozent der Internetnutzer in Deutschland auf Ablehnung.

In der Düsseldorfer Realschule, die den Titel «Schule ohne Rassismus» trägt, helfen speziell ausgebildete Schüler als Medienscouts ihren Mitschülern, wenn diese digital attackiert werden. Ann-Kathrin (13) ist einer von ihnen. «Über die konkreten Fälle darf ich nicht erzählen. Aber ein Fall aus meinem direkten Freundeskreis hat mich schon sehr getroffen», sagt sie.

Sie analysiert den jeweiligen Fall und rät dann, was zu tun ist: Das reicht von nicht reagieren über Blockieren bis zum Einschalten der Polizei. Sie selbst ist im Internet kaum präsent.

Veröffentlicht am:
05. 02. 2019
18:18 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 02. 2019
18:18 Uhr



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