Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

 

Vorsicht, ansteckend!

Wer nicht aufpasst, der ist auf Instagram, Pinterest und Co. schnell infiziert. Mit Werbung. Schuld daran sind die Influencer.



Sie geben vor, was im Netz Trend ist: die Zwillinge Lisa und Lena aus der Nähe von Stuttgart haben über eine Million Abonnenten auf Instagram und zählen damit zu den Stars der Szene.   » zu den Bildern

So geht das aber nicht! In den vergangenen Tagen sind beim Foto-Netzwerk Instagram reichlich viele Bilder mit Netzwelt-Promis und Coral-Plastikflaschen veröffentlicht worden. Das sah dann ungefähr so aus: Model Fiona Erdmann kniet von Kopf bis Fuß schlammbesudelt vor der Waschmaschine und hält Flüssig-Waschmittel ins Bild. Und Bachelor Sebastian Pannek sitzt gedankenverloren im Waschsalon auf dem Fußboden, neben ihm eine Flasche Coral Black. Sein Kommentar dazu: "Oft werde ich gefragt, was in meinem Kleiderschrank nicht fehlen darf. Schwarze Basic-Shirts! Gehen immer und zu allem. Dabei ist das Label egal, Hauptsache gute Qualität und die richtige Pflege!"

Und das sind längst nicht die absurdesten Veröffentlichungen unter dem Hashtag #coralliebtdeinekleidung. Es gibt noch die Varianten Promi mit Coral-Flasche vor einer Graffiti-Wand oder Promi auf Fahrrad mit Coral-Flasche und Blumensträußen im Korb. Was hier los ist, das ist für das Netzwerk-Publikum ziemlich offensichtlich: Der Hersteller Unilever hat eine Internet-Werbekampagne mit sogenannten Influencern initiiert. Das sind Online-Bekanntheiten, die so viele Anhänger um sich scharen, dass sie Trends beeinflussen (englisch: to influence) können. Die Influencer lassen sich dafür bezahlen, auf bestimmte Produkte aufmerksam zu machen. Ein Geheimnis ist das nicht, es sollte nur nicht so platt geschehen wie mit den Coral-Flaschen. Zu denen es mittlerweile übrigens auch wunderbare Foto-Parodien gibt.

Marketing mit Meinungsmachern oder Multiplikatoren ist selbstverständlich nichts Neues, man denke nur an Thomas Gottschalk und seine Gummibärchen. Bei den Influencern kommt aber noch eine andere Qualität hinzu. Bei ihnen soll Werbung nicht wie Werbung wirken, sondern wie eine persönliche Empfehlung eines guten Bekannten. Um authentisch zu erscheinen, geben Influencer nicht wenig von ihrem Privatleben preis, das oft höchst professionell und mit immensem Aufwand und Fleiß vor der Kamera inszeniert wird.

Damit lässt sich – ja nach Reichweite des Online-Auftritts und nach Aktivität der eigenen Fangemeinde – durchaus etwas verdienen. Zum Haupteinkommen reicht es allerdings nur bei den wenigsten Influencern. Und die Netzgemeinde ist launisch. Fühlt sie sich nicht mehr inspiriert, sondern plump mit Werbung infiziert, dann kündigt sie dem Influencer auch schnell einmal die Freundschaft.

 
Richtig werben
Die Produktvorstellung durch Influencer mag spielerisch daherkommen, ist aber Werbung und muss auch entsprechend gekennzeichnet werden. Fehlen Hinweise wie "Werbung" oder "Anzeige" bei Bilder-Posts, YouTube-Videos oder Blog-Einträgen, drohen Abmahnungen und Unterlassungserklärungen. Vorsicht: Liegen die Einkünfte als Influencer höher als 410 Euro im Jahr, fallen auch Steuern an. Werden diese nicht abgeführt, liegt eine Steuerhinterziehung vor – für die Finanzbehörden nicht einmal allzu umständliche Recherchen anstellen müssen. Es ist ja alles auf Instagram, Pinterest und Co. dokumentiert.
 
Autor
Susann Winkel

Susann Winkel

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 07. 2017
14:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abmahnungen Finanzbehörden Fußböden und Fußbodenbeläge Gummibärchen Infektionskrankheiten Instagram Löhne und Einkommen Models Netzgemeinde Steuerbetrug Thomas Gottschalk Unilever
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema

26.07.2019

Die kleine Auszeit

53 Mal pro Tag schauen die Deutschen auf ihr Smartphone. Und das lenkt gehörig ab. Mit diesen sieben Tipps halten Sie es ein bisschen länger ohne Ihr Gerät aus » mehr

15.03.2019

Und die Welt stand still ...

Social-Media-Super-GAU: Bei Facebook, Instagram und WhatsApp ging am Mittwoch für zahlreiche Nutzer weltweit nichts mehr. Wer konnte, wechselte zu Twitter – und lästerte über Zuckerbergs Imperium. » mehr

12.01.2018

Alexa?

Mehr als zehn Millionen Mal soll der Sprachassistent von Amazon im Weihnachtsgeschäft verkauft worden sein. Doch was kann der digitale Helfer eigentlich und wie sicher ist er? » mehr

17.11.2017

Achtung, Raute!

Unter #MeToo haben sich bereits Zehntausende Frauen im Internet als Opfer sexueller Übergriffe zu erkennen gegeben. Von Hashtags, die Schlagzeilen machten. » mehr

28.09.2018

Zu schön, um wahr zu sein

Die Welt ist schön auf den Bildschirmen von Smartphones. Das Gras ist grüner, das Meer blauer und die Haut reiner. Möglich machen das Fotofilter. Von einem Trend mit Tücken ... » mehr

29.06.2018

Und sie wirbt doch

Wer hat denn nun das Internet nicht verstanden? Und warum ist plötzlich jedes Bild auf Instagram Werbung? So! erklärt den Aufruhr um das Vreni-Frost-Urteil. » mehr

Autor
Susann Winkel

Susann Winkel

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 07. 2017
14:45 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.