Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

 

Bei starkem Seegang gut essen

Seekrankheit, eine Erkältung oder ein Magen-Darm-Infekt - solche Dinge können Passagieren eine Kreuzfahrt gehörig verderben. Ein Bordarzt erklärt, wie sie in solchen Fällen auf dem Schiff versorgt werden.



Prof. Berthold Petutschnigg
Prof. Berthold Petutschnigg von der Medizinischen Universität Graz ist ärztlicher Berater von Tui Cruises - und arbeitet selbst immer wieder als Bordarzt auf einem der Schiffe. Foto: Tui Cruises  

Wasser, so weit das Auge blicken kann, und das tagelang - darauf freuen sich die meisten Passagiere einer Kreuzfahrt. Aber was, wenn an Bord ein Unfall passiert? Wenn jemand wichtige Medikamente vergessen hat? Oder man sich schlicht und einfach einen Infekt zuzieht?

In so einem Fall weiß Prof. Berthold Petutschnigg, was zu tun ist. Er berät die Kreuzfahrtreederei Tui Cruises in ärztlichen Fragen und wohnt selbst manchmal auf dem Schiff - als Bordarzt.

Mit welchen Krankheiten kommen Passagiere zu Ihnen?

Bordarzt zu sein, ist eine solide Hausarzttätigkeit. Die meisten Patienten kommen mit Atemwegsinfekten und Magen-Darm-Erkrankungen zu uns. Hinzu kommen allerdings lebensbedrohliche Notfälle wie zum Beispiel ein Herzinfarkt oder Schlagfall. Auch den muss man als Bordarzt behandeln können - und sich darauf einstellen, dass man den Patienten bis zu drei Tage lang selbst versorgen muss, weil es eben manchmal so lange dauert, bis ein Rettungsboot oder Helikopter den Patienten abholen kann.

Warum kommen Atemwegs- und Magen-Darm-Infekte besonders häufig vor?

Atemwegsinfekte werden durch die Klimaanlagen forciert. Das geht schon im Flugzeug los und auf dem Schiff weiter. Die trockene, kühle Luft trocknet die Atemwege aus - so haben Viren und Bakterien leichtes Spiel.

Warum ist die Klimaanlage denn dann auf Schiffen immer so eiskalt eingestellt?

Um Schimmelbildung zu vermeiden. Wenn Hunderte Passagiere vor sich hin schwitzen und dann noch feuchte, salzhaltige Seeluft in die Räume weht, bildet sich schnell Schimmel. Die Klimaanlage sorgt für ein trockenes, kühleres Klima.

Und warum schlägt eine Kreuzfahrt auf den Magen?

Meist haben die Leute schlichtweg zu viel gegessen. Das sind sie nicht gewöhnt, und dann rebelliert der Magen schon mal.

Manche haben Angst vor Magen-Darm-Viren, die sich schnell auf Schiffen verbreiten. Noro zum Beispiel. Kommt das oft vor?

Nein, Noro ist sehr selten. Vor infektiösen Magen-Darm-Erkrankungen können sich Passagiere außerdem schützen, indem sie auf Hygiene achten. Nach jedem Toilettengang muss man sich mit warmem Wasser die Hände waschen und anschließend das bereitgestellte Desinfektionsmittel mindestens eineinhalb Minuten lang einmassieren.

Werden Passagiere häufig seekrank?

Das kommt auf den Seegang an. Wer weiß, dass er empfindlich ist, sollte bei stärkerem Seegang gut essen und sich dann hinlegen und einen Punkt fixieren. Seekrankheit wird nämlich durch Schwindel ausgelöst. Wenn die Symptome allerdings erstmal richtig da sind, muss der Passagier auf die Krankenstation kommen und sich von uns mit einer Infusion behandeln lassen. Er bekommt dann Mittel, die erstens den Schwindel herabsetzen, zweitens die Magennerven beruhigen und drittens schläfrig machen. Im besten Fall verschläft er dann die Seekrankheit.

Muss man Tabletten gegen Seekrankheit, Aspirin und Co. dabeihaben, wenn man ein Schiff besteigt?

Eigentlich nicht. Die Schiffe der «Mein Schiff»-Flotte zum Beispiel verfügen über eine gut sortierte Apotheke, in der man alles bekommt. Da die Bordhospitäler aber nicht über eine Apothekenlizenz verfügen, können Medikamente nur nach einer kostenpflichtigen medizinischen Konsultation ausgegeben werden.

Und wenn man sich bei Ihnen an Bord behandeln lässt - zahlt das die Krankenkasse?

Nein, jedenfalls nicht direkt. An Bord gibt es eine private Krankenstation. Der Patient muss die Behandlung dort erstmal selbst bezahlen. Deswegen raten wir dringend, vorher eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Diese erstattet dann in der Regel den kompletten Rechnungsbetrag.

Wo werden Passagiere versorgt, die ernsthaft krank sind, wenn gerade kein Hafen in der Nähe ist?

An Bord der Tui-Cruises-Schiffe befinden sich zwei Intensiveinheiten, die komplett ausgestattet sind. Dort können wir Bordärzte einen Patienten auch nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall versorgen. Natürlich versuchen wir gemeinsam mit dem Kapitän, den Patienten so schnell wie möglich in ein Krankenhaus an Land zu bringen. Aber mitten auf dem Atlantik geht das eben nicht. Auch auf solche Fälle sind wir vorbereitet.

Zur Person: Prof. Berthold Petutschnigg ist unter anderem als Notfallmediziner an der Medizinischen Universität Graz tätig .

Veröffentlicht am:
25. 01. 2017
05:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Erkrankungen von Magen und Darm Erkältungen Herzinfarkt Kreuzfahrten Passagiere Passagiere und Fahrgäste Patienten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wehwehchen und Notfälle

26.02.2019

Wie gut ist die medizinische Versorgung auf Kreuzfahrt?

Erkältung, Seekrankheit, Herzinfarkt - was lässt sich auf hoher See überhaupt behandeln? Die Bordhospitäler auf den großen Kreuzfahrtschiffen gelten als gut ausgestattet. Dennoch geht es an Bord vor allem um die Erstvers... » mehr

Auf einer Eisscholle aussteigen

06.06.2019

Abenteuer erleben bei einer Kreuzfahrt in der Antarktis

Die Antarktis ist eine der letzten fast unberührten Gegenden der Erde. Ein bisschen Entdecker spielen kann man immer noch auf einer Kreuzfahrt ins ewige Eis. Ein einmaliges Erlebnis - aus vielen Gründen. » mehr

«Seabourn Venture»

10.04.2019

«Seabourn Venture» und japanische Kojen auf der Stena Line

Neue Expeditionsschiffe, japanische Kojen und ein runder Schiffsgeburtstag - die Reedereien bereiten sich auf die kommenden Reisesaisons vor. Neues aus der Fähr- und Kreuzfahrt im Überblick: » mehr

«World Explorer»

08.04.2019

Die «World Explorer» von Nicko Cruises

Vom Fluss auf das Meer: Nicko Cruises bekommt zum ersten Mal ein Hochsee-Kreuzfahrtschiff - für maximal 200 Passagiere an Bord. Was die «World Explorer» ihren Gästen bieten will. » mehr

Passagier über Bord

21.08.2018

Wenn Passagiere bei Kreuzfahrten verschwinden

Eine Frau geht über Bord und überlebt zehn Stunden in der Adria. Ähnliche Fälle enden oft tödlich: Jedes Jahr verschwinden mehr als 20 Menschen auf Kreuzfahrtschiffen. Weltweit kämpfen Hinterbliebene für strengere Sicher... » mehr

Radtour

16.08.2018

Auf der Kreuzfahrt Landausflüge ohne Reederei machen

Wer auf Kreuzfahrt einen Landausflug machen will, bucht diesen in aller Regel direkt bei der Reederei. Doch die Ausflüge sind oft teuer. Unabhängige Agenturen wollen günstigere Touren bieten. Doch wartet dann das Schiff,... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
25. 01. 2017
05:20 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".