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Warum Reisende 2018 so viele Beschwerden einreichten

Jeden Tag gehen im Schnitt 88 Beschwerden in Berlin bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr ein. Für die Rekordzahl in diesem Jahr gibt es mehrere Gründe.



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Kommt es beim Zug- oder Flugverkehr zu Verspätungen oder Ausfällen, können sich Betroffene an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden.   Foto: Daniel Bockwoldt

Die großen Probleme im Flugverkehr haben die Zahl der Beschwerden bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) nach oben schnellen lassen.

«2018 erwarten wir rund 32.000 Schlichtungsanträge und damit doppelt so viele wie im Vorjahr», sagte SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe. Allein in den Monaten August, September und Oktober habe seine Einrichtung so viele Anträge erhalten wie im gesamten vergangenen Jahr. Die SÖP zählte 15.601 Fälle im Jahr 2017, davon betrafen 11.120 Flugreisen.

Schlichtungsstelle meldet Rekordzahl

In diesem Jahr erreichten die Schlichtungsstelle bis zum 7. Dezember 30.144 Anträge, wie aus einer Aufstellung der SÖP hervorgeht. Das ist abermals ein Rekord. Davon entfielen 26.266 Beschwerden auf Flugreisen (87 Prozent) und 2989 auf Bahnfahrten (10 Prozent). Der kleine Rest bezog sich auf Fernbusse und den öffentlichen Nahverkehr.

Die bei Flügen und Zugreisen «besonders häufig aufgetretenen Probleme, einen planmäßigen Verkehr zu gewährleisten», gehörten zu den Hauptgründen für die sprunghaft gestiegene Fallzahl, stellte Klewe fest. Die Reisenden wüssten zunehmend um ihre Rechte und forderten sie ein. Außerdem steige der Bekanntheitsgrad der SÖP weiter, und die Betroffenen schätzten es, dass sie mit Hilfe der Stelle die komplette Ausgleichszahlung oder Entschädigung ohne Abzüge oder andere Kosten erhielten.

Für den unregelmäßigen Luftverkehr gab es eine Reihe von Gründen. Die Fluggesellschaften nannten Engpässe bei den Flugsicherungen, Fluglotsenstreiks, lange Wartezeiten bei den Passagierkontrollen und eine Häufung von Unwettern. Hinzu kamen die Folgen der Pleite der einst zweitgrößten Fluglinie Air Berlin im vorigen Jahr. Die Lufthansa-Tochter Eurowings sowie die Billig-Airline Easyjet übernahmen zwar die meisten Flugzeuge; deren Ummeldung und die Einbindung der Crews in die Flotten dauerten jedoch einige Monate. Die Deutsche Bahn hatte mit Störungen bei ihren Zügen und auf dem Schienennetz zu kämpfen.

Die SÖP ist von der Bundesregierung als Schlichtungsstelle für Bahn, Luftverkehr, Fernbus und Schiff anerkannt. Zum größten Teil geht es um eine Entschädigung bei Verspätungen oder Ausfällen von Flügen und Bahnfahrten. Rund 370 Verkehrsunternehmen beteiligen sich mittlerweile an dem Schlichtungsverfahren, das sie selbst finanzieren.

Klewe nannte es «besonders erfreulich, dass sowohl Verbraucher als auch Verkehrsunternehmen unseren Schlichtungsempfehlungen in den meisten Fällen zustimmen». Damit würden diese, einem Vertrag gleich, verbindlich. Die Schlichtungsquote, also der Anteil erfolgreicher Schlichtungen, lag nach SÖP-Angaben in diesem Jahr im Bereich Flüge bei 86 Prozent (Vorjahr: 76 Prozent), bei den Bahnreisen waren es 79 Prozent (Vorjahr: 73 Prozent).

Bundesrat für leichtere Entschädigungen

Fluggäste und Bahnkunden sollen bei Zug- und Flugverspätungen leichter finanzielle Entschädigungen erhalten - dafür macht sich der Bundesrat stark. Eine Mehrheit der Länderkammer stimmte am Freitag für einen entsprechenden Antrag des Saarlandes. Damit wird die Bundesregierung aufgefordert, neue gesetzliche Maßnahmen zu prüfen, «etwa hinsichtlich der Automatisierung des Entschädigungsverfahrens».

Es sei nicht einzusehen, dass Flüge und Züge per App gebucht werden können, die Entschädigung dann aber schriftlich auf komplizierten Formularen beantragt werden müsse, heißt es in dem Antrag. Dies käme einem verwaltungstechnischen Abwehrreflex gleich. Wenn eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen keine Wirkung erziele, müssten sie notfalls per Gesetz zu einem antragslosen und automatisierten Entschädigungsverfahren verpflichtet werden.

Allein im Luftverkehr seien von Januar bis September 2018 wegen Verspätungen bei 824 Beschwerden von Passagieren Ermittlungen eingeleitet worden. Es müsse zu verbindlichen und überprüfbaren Verbesserungen bei der Durchsetzung von Entschädigungen kommen.

«Wer Flug- oder Bahntickets bucht und dann sprichwörtlich am Gate oder Bahnsteig stehengelassen wird, darf am Ende nicht länger der Dumme sein und seinen finanziellen Ansprüchen hinterherlaufen müssen», sagte Umwelt- und Verbraucherminister Reinhold Jost (SPD), derzeit Vorsitzender der Verbraucherschutzministerkonferenz, der Deutschen Presse-Agentur. Die Verbraucher sollten künftig bei Verspätung oder Ausfall von Flug oder Bahn eine automatische Entschädigung bekommen - «ohne Formulardschungel, ohne wochenlanges Warten oder Ärger mit der Servicehotline». Das gehe technisch und müsse daher nun zügig angegangen werden.

Veröffentlicht am:
14. 12. 2018
15:38 Uhr

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dpa

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14. 12. 2018
15:38 Uhr



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