Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

Österreichs größtes Skigebiet am Arlberg

Eine neue Seilbahn macht aus St. Anton und Lech-Zürs das größte Skigebiet Österreichs. Die Betreiber am Arlberg glauben, dass sich die Rieseninvestition auszahlt. Für den Gast ändert sich vor allem eines: Es wird alles noch bequemer.



Skigebiet am Arlberg
Die Größe eines Skigebiets ist für Wintersportler das entscheidende Kriterium - Ski Arlberg hat hier die Nase vorne. Foto: Josef Mallaun   » zu den Bildern

Alle haben sie geschwärmt. Ein atemberaubendes Panorama, sagte der Bürgermeister. «What a view», so der britische Familienvater am Morgen. Und nun: nichts als Schneetreiben vor den Glaswänden ringsum.

Klar, endlich schneit es, darüber freuen sich alle. Aber man hätte doch gern mehr gesehen vom neuesten Wunderwerk der Seilbahntechnik, auf das sie überall am Arlberg so stolz sind. «Die Flexenbahn ist ein Meilenstein», sagt Christoph Pfefferkorn. Die Kollegen in St. Anton und Warth-Schröcken jubeln nahezu wortgleich mit. Pfefferkorn, 34, ist Geschäftsführer der Bergbahn Lech-Oberlech und will Arlbergs Zukunft im Konkurrenzkampf der Skigebiete sichern.

45 Millionen Euro steckten die Betreiber in vier neue Zehner-Gondeln, das Herzstück ist die Flexenbahn. Von der Alpe Rauz nahe Stuben surrt sie hinauf zur neuen Bergstation. Dort, in dem Y aus Beton und Glas, trifft sie die Trittkopfbahnen I und II auf Zürser Seite. Und schweißt damit, nach Jahrzehnten des Zauderns, die altehrwürdigen Skigebiete Lech-Zürs und St. Anton zusammen. 305 Pistenkilometer zählt der neue Gigant namens Ski Arlberg, damit ist man die Nummer eins in Österreich. Und darauf ist man stolz.

«Die Größe des Skigebiets ist das Entscheidungskriterium Nummer eins», sagt Pfefferkorn. Ob die Gäste das riesige Gebiet überhaupt abfahren können, ist unerheblich. Es gehe um das Gefühl, viele Optionen zu haben. Die Pointe: Durch die neuen Bahnen ist kein einziger Kilometer Piste neu hinzugekommen. Und verbunden waren die Skigebiete de facto schon vorher. Seit 1981 kann man mit einem Skipass überall am Arlberg fahren, ein Pendelbus brachte die Gäste über den Flexenpass. Nun fallen 120 Busfahrten pro Tag weg.

Um die Weitläufigkeit zu zeigen, haben die Betreiber eine neue Rundroute ausgerufen. Der Run of Fame führt einmal durchs gesamte Riesengebiet, von der Steffisalp in Warth bis zur Riffelscharte hoch über St. Anton - und zurück. 65 Kilometer Abfahrt, 18 000 Höhenmeter. Für gute Skifahrer in einem Tag machbar, versichern die Touristiker. Allerdings muss man dafür zwei eventuell unplanierte Pisten meistern. Und eine Mittagspause ist sowieso nicht drin.

Auch bleibt der Run of Fame ohne Orientierungsschilder eher eine abstrakte Idee. Und viel Arbeit. Bei jeder Liftfahrt kramt man den Faltplan aus der Tasche, verwirrt vom Geflecht der Pisten und Lifte. Dass manche Abfahrten von der Bergstation bis zum Tal drei Mal die Nummer wechseln, hilft nicht. Aber egal, richtig falsch liegt man am Arlberg ja nie: Im schlimmsten Fall ist die Piste ganz ok, im besten Fall Weltklasse. Und sinnvoller ist es ohnehin, sich für jedes Teilgebiet einen Tag Zeit zu nehmen.

Das gilt nun vor allem für Zürs und Stuben. Sie profitieren am meisten vom neuen Seilbahnquartett. Für die schöne Abfahrt vom Trittkopf nimmt man nun zweimal in Zehnergondeln Platz, statt sich mit Dutzenden anderen Wintersportlern in eine Uraltgondel zu quetschen. Den größten Komfortsprung aber bringt die Albonabahn II. Wer vom Albonagrat die herrlichen Pisten und Tiefschnee-Abfahrten der Nordhänge hinabwedeln wollte, musste früher in zwei quälend langsamen Zweier-Sesselliften im Wind bibbern. Jetzt tragen auch hier Zehner-Kabinenbahnen von der Alpe Rauz auf den Grat hinauf.

Unverspurte Hänge werden die Freerider nun natürlich seltener finden. 30 000 Wintersportler kurven an Spitzentagen durchs Skigebiet. Viel mehr sollen es trotz der High-Tech-Lifte nicht werden. Außer natürlich, wenn die Kollegen in St. Anton ihren nächsten Coup genehmigt bekommen - eine Verbindung über den Rendl nach Kappl im Paznauntal. Also schlussendlich: nach Ischgl.

Veröffentlicht am:
09. 02. 2017
05:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bergbahnen Beton Familienväter Panorama Seilbahnen Skifahrer Skigebiete
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Talstation zur Schmittenhöhe

04.11.2019

Wie Skigebiete um ihre Gäste buhlen

Neue Pisten zu erschließen, wird in den Alpen zunehmend schwierig. Stattdessen setzen die Gebiete auf mehr Komfort und Zusammenschlüsse. Aber Größe ist nicht alles. Und: Der Sommer holt auf. Wie das? » mehr

Endlose Weite

04.10.2018

Wintersportler Riesen-Skiarenen und XXL-Saisonkarten

Skigebiete schließen sich durch Lifte zu riesigen Arenen zusammen. Saisonkarten bieten Zugang zu Pisten rund um den Globus. In der Welt des Wintersports gilt: Größer ist besser! Woher kommt der XXL-Trend? Und was haben S... » mehr

Bahnstation mit Seilbahnterminal Grindelwald

29.10.2019

Die Alpen-Skigebiete rüsten weiter auf

Wintersportler mögen lange Warteschlangen ebenso wenig wie alte Sessellifte. In den Alpen eröffnen daher auch in diesem Winter viele neue Anlagen. Eine abgebaute Seilbahn fährt weiter - in den Anden. » mehr

Gitschberg

14.02.2019

Pistenfreuden im Gitschberg Jochtal

Kleine Skigebiete haben es nicht leicht, sich zu behaupten. Die Region Gitschberg Jochtal am Eingang des Südtiroler Pustertals beweist, dass die Kleinen sehr wohl eine Chance gegen die Ski-Riesen haben - und Wintersportl... » mehr

Bergstation

31.01.2019

Die neue Edel-Seilbahn von Zermatt

Zermatt ist weltberühmt und teuer. Nun hat sich der Schweizer Nobel-Skiort die passende Seilbahn zum mondänen Image zugelegt: Die Kabinen wurden von Sportwagen-Designern entworfen, manche haben einen Glasboden und Krista... » mehr

Abfahrt

07.02.2019

Flexible Preise für den Skipass sind auf dem Vormarsch

Günstigere Skipässe, sobald Wolken die Sicht trüben oder wenn man unter der Woche die Hänge herunterwedelt? In vielen Skigebieten sind flexible Preise bereits Realität. Doch für den Geldbeutel sind diese nicht immer die ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 02. 2017
05:00 Uhr



^