Lade Login-Box.
Topthemen: Fotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

 

Spannung am Affenfelsen: Gibraltars Tourismus und der Brexit

Shopping-Paradies, Neandertalerhöhlen, rotzfreche Berber-Affen - und ein politischer Zankapfel: Gibraltar, das britische Überseegebiet an der Südspitze Spaniens, ist so einzigartig wie umstritten. Was passiert touristisch, wenn der Brexit kommt?



Blick auf den Felsen
Wie in die Landschaft geworfen: Gibraltars imposanter Kalksteinfelsen. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn   Foto: dpa » zu den Bildern

Bei den Brexit-Verhandlungen um den Austritt Großbritanniens aus der EU gibt es viele Stolpersteine. Einer von ihnen ist sehr massiv, im wörtlichen Sinne. Der Stein ist 426 Meter hoch, secheinhalb Quadratkilometer groß und liegt fernab der britischen Insel im Süden Spaniens: Gibraltar.

Bereits 1704 nahm Großbritannien den strategisch wichtigen Felsen an der Meerenge zwischen Europa und Afrika in Besitz. Seit Jahrhunderten fordert Spanien ihn zurück. Die Brexit-Verhandlungen haben den Streit um Gibraltar neu entfacht. Vor allem die örtliche Tourismusbranche zittert vor den möglichen Folgen.

Mehrere Millionen Urlauber besuchen jährlich den sogenannten Affenfelsen. Die meisten kommen über die Landgrenze. Werden sie das immer noch tun, sollte Spanien die Grenzkontrollen nach einem Brexit verschärfen? «Ich bin mir sicher. Gibraltar hat viel zu bieten», sagt Nicky Guerrero, Gibraltars Tourismus-Direktor.

Mit Blick auf die geringe Landfläche hat er objektiv gesehen nicht Unrecht: Gibraltar ist klein und sicher. Das macht das britische Überseegebiet vor allem für Kreuzfahrtschiffe attraktiv.

Besonders beliebt ist Gibraltar als Shopping-Paradies. Es gibt hier keine Mehrwertsteuer. So decken sich die meisten Urlauber mit Tabak, Alkohol, Parfüm, Uhren, Schmuck und elektronischen Geräten ein. Mit Eastern Beach, Catalan und Sandy Bay erwarten drei Mittelmeerstrände die Besucher. In der Straße von Gibraltar stehen Wracktauchen, Segeln und Delfin-Beobachtung auf dem Programm.

Gibraltars touristische Höhepunkte findet man aber weiter oben, im Naturschutzgebiet Upper Rock, wo rund 300 Berberaffen ihr Unwesen treiben. Es sind die einzigen freilebenden Affen Europas. Vor allem aber sind sie rotzfrech. Der Besuch der alten Araber-Burg und die Sicht nach Marokko sind beeindruckend. Auf einen Blick sieht man drei Länder, zwei Kontinente und zwei Weltmeere. Das ist einzigartig, aber auch gefährlich. Denn die kleinen Affen warten nur darauf, Brillen, Taschen, Geldbörsen und Essen zu klauen.

Der Kalksteinfelsen beherbergt Dutzende gigantischer Tropfsteinhöhlen wie die St. Michael's Cave. Der Gorham-Höhlenkomplex wurde 2016 sogar zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Hier lebten die letzten Neandertaler Europas. Geschichtlich ist Gibraltar hoch interessant: Im Altertum soll der Ort eine der Säulen des Herakles gewesen sein. Danach siedelten sich hier Phönizier und Römer an. 711 wurde Gibraltar von den muslimischen Berbern eingenommen.

In der Stadt selber weiß man auch nicht so recht, ob man nun in Spanien oder Großbritannien ist. Auf dem Casemates Square servieren Kellner Fish and Chips und Paellas, britisches Bier und spanischen Rotwein. Die typischen britischen Telefonzellen stehen neben Palmen.

«Gibraltar ist geschichtlich, sprachlich, architektonisch und kulturell eine Mischung aus Großbritannien, Spanien, Portugal, Malta, Italien und Marokko. Wir haben uns einfach das Beste aus jeder Kultur genommen», erklärt Touristenführer Tito Vallejo. «Hier haben Juden, Christen, Muslime und Menschen aus den verschiedensten Regionen der Welt immer friedlich zusammengelebt.» Doch war der strategisch begehrte Affenfelsen stets bedroht, wie die omnipräsenten Kanonen und Verteidigungstunnel zeigen. Die helfen aber nicht gegen den Brexit.

Veröffentlicht am:
24. 08. 2017
04:55 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Altertum Brexit Gibraltar Grenzkontrollen Kontinente Kreuzfahrtschiffe Meerengen Neandertaler Spannung Tropfsteinhöhlen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Flugreise mit Kindern

10.09.2019

Woran Sie vor einer Flugreise mit Kindern denken sollten

Fliegen mit der ganzen Familie kann aufregend sein. Mit guter Planung und Vorbereitung geht der Urlaub stressfrei vonstatten. » mehr

Restaurant Lindstrøm

12.07.2019

Warum die «Roald Amundsen» bisher einmalig ist

Ziel Antarktis: Mit der «Roald Amundsen» hat die norwegische Reederei Hurtigruten jetzt das erste Expeditionskreuzfahrtschiff mit einem Hybridantrieb auf Reisen geschickt. Wie sieht es aus? » mehr

Roald Amundsen

13.08.2019

Wie man das passende Kreuzfahrtschiff findet

Kreuzfahrten sind beliebt. Doch jede Fahrt ist anders: Von Flusskreuzfahrt bis Hochsee, von Expedition bis Städtetour - das Angebot ist breit. Wie findet man sich da zurecht? » mehr

Kreuzfahrtschiff

24.07.2019

Wie Kreuzfahrtschiffe auf Todesfälle vorbereitet sind

Es ist ein Tabu-Thema: Wie gehen Kreuzfahrtreedereien mit Todesfällen an Bord um? Die Milliardenbranche, die Sehnsuchts- und Luxusträume bedient, setzt auf Diskretion und Pietät. » mehr

Nullmeridian

05.06.2019

Kreuzfahrt über die Datumsgrenze

Einen Tag zweimal erleben, das klingt wie Science-Fiction. Doch zumindest kalendarisch ist es möglich - bei einer Kreuzfahrt über die Datumsgrenze. Dafür muss man aber ziemlich weit reisen. » mehr

Wüstensafari

04.06.2019

Mehrgenerationen-Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff

Immer häufiger machen ganze Familien generationsübergreifend gemeinsam Urlaub, weil sie sich im Alltag selten sehen - und in alle Richtungen verstreut leben. Eine Kreuzfahrt bietet sich dafür besonders an. Ein Erlebnisbe... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 08. 2017
04:55 Uhr



^