Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

 

Umweltschutz: Hawai'i verbietet einige Sonnencremes

Ferienzeit ist Badezeit. Sonnencreme eingepackt und auf zum nächsten Strand. Aber Forscher warnen: Die UV-Filter in den Produkten können schädlich für Korallen und andere Tiere sein. Hawai'i hat einige Cremes per Gesetz verboten.



«Riff-sichere» Sonnencreme
Im Surfjack-Hotel in Honolulu erhalten Gäste «Riff-sichere» Sonnencreme aus einem Spender.   Foto: Christina Horsten

Auf einem Bauernmarkt in Honolulu verkauft Michael Koenigs selbst hergestellte Sonnencreme. «Wir müssen uns und unsere Familien vor der Sonne schützen - aber wir müssen auch unsere Meere und Korallenriffe schützen», sagt der dreifache Familienvater.

Seine in silbernen Tiegeln verpackte Paste ist teurer und dickflüssiger als handelsübliche Sonnencreme - aber sie besteht komplett aus natürlichen Zutaten wie Kokosöl, Makadamianuss-Öl und Sheabutter.

«Wir müssen die Menschen aufklären», sagt Koenigs, der mit seiner Frau und den Kindern wie die meisten Menschen in Hawai'i viel Zeit am Strand verbringt. «Die Chemikalien in den normalen Sonnencremes machen unsere Riffe kaputt.» Mit dem Thema werden Hawai'i-Besucher schon bei der Anreise im Flugzeug konfrontiert: Jeder Passagier bekommt bei Hawaiian Airlines ein Tütchen «Riff-sichere» Sonnencreme.

Als erster US-Bundesstaat verabschiedete Hawai'i im Mai ein Gesetz, das den Verkauf von Sonnencremes mit bestimmten Chemikalien darin verbietet. Am 1. Januar 2021 tritt es in Kraft. «Das ist ein historisches Gesetz für unsere Meere», sagt der demokratische Bundesstaats-Senator Mike Gabbard. «Ich hoffe, dass wir in 20 Jahren zurückschauen können und sehen, dass dies der Moment war, an dem wir der Verschmutzung den Kampf angesagt haben, und dass das Gesetz auf der ganzen Welt kopiert wurde.» Zuvor gab es unter anderem in einigen Teilen Mexikos und an einigen Unesco-Weltnaturerbestätten ähnliche Verbote.

Das Problem sehen Experten derzeit vor allem in zwei Inhaltsstoffen: Octinoxat und Oxybenzon, beide in Hawai'i nun verboten. Sie werden in Sonnencremes als UV-Filter benutzt, sollen die Haut vor der Ultraviolettstrahlung der Sonne schützen. «Diese Chemikalien sind inzwischen überall in der Natur zu finden, von der Arktis bis hin zu abgelegenen Korallenriffen im Südpazifik», sagt Craig Downs vom Haereticus-Labor in Virginia. Eine mögliche Folge seien Schäden am Erbgut von Fischen und Korallen.

Natürlich sind die Chemikalien in Sonnencremes nicht die einzige Gefahr für Meere und Korallenriffe - aber Experten hoffen, dass sich dieses Problem vergleichsweise einfach in den Griff bekommen lässt. Rund 14.000 Tonnen Sonnencreme landen Schätzungen zufolge jedes Jahr im Meer. Wo besonders viele Touristen sind - wie in Hawai'i mit seinen rund neun Millionen Besuchern jährlich - ist der Schaden im Meer besonders deutlich. «Meine Prognose ist, dass es bald keine lebenden Korallenriffe in Hawai'i mehr geben wird, die Touristen besichtigen können», sagt Downs.

Auch in Deutschland sind UV-Filter aus Sonnencremes in Gewässern zu finden - zum Beispiel in der Ostsee, wie Messungen in Strandnähe 2015 ergaben. Das Umweltbundesamt (UBA) beschäftigt sich vorsorglich seit Jahren mit UV-Filtern: Einige der Stoffe wirken hormonähnlich, manche reichern sich in der Umwelt und in Organismen an - mit unklaren Langzeitfolgen.

«Die Konzentrationen an chemischen UV-Filtern, die in deutschen Gewässern gemessen werden, sind bisher noch so, dass kein Fisch akut lebensbedroht ist», sagt UBA-Experte Jürgen Arning. Ein flächendeckendes Monitoring von Gewässern in Hinblick auf UV-Filter gebe es allerdings nicht.

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chemikalien Fluggesellschaften Gefahren Gesetz Korallen Korallenriffe Meere Schutz und Sicherheit Sonnencremes Umweltbundesamt Umweltschutz
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Eine Person schnorchelt

12.02.2019

Bade-Paradiese verbieten Sonnencreme

Palau und Hawaii verbieten bald Sonnencremes mit Inhaltsstoffen, die Korallen schaden. Andere Reiseziele könnten folgen. Welche Alternativen haben Urlauber? Und wie lassen sich der Schutz der Haut vor gefährlicher UV-Str... » mehr

Algenplage in der Karibik

01.07.2019

Algenplage in der Karibik sorgt für schmutzige Strände

Braune Algen statt weißem Sand - das nervt nicht nur die Urlauber in der Karibik. Auch Wissenschaftler und Unternehmer sorgen sich um die Umwelt und suchen nach Wegen, um der Algenplage Herr zu werden. Ein paar findige P... » mehr

Christian Rapp

10.07.2019

Wie der Klimawandel die Urlaubsreise gefährdet

Waldbrände, Schneemangel, Korallenbleiche: Der Klimawandel bedroht auch viele Reiseziele. Urlauber sind nicht nur von den Folgen der Erderwärmung bedroht - sie stecken auch in einem Dilemma. » mehr

Gassi gehen am Meer

15.07.2019

Was am Strand erlaubt ist - und was nicht

Das sandige Handtuch direkt neben dem nächsten Strandurlauber ausschütteln, ohne die Windrichtung zu beachten? Klar, macht man nicht. Aber was ist mit Burgen bauen und Nacktbaden? Ein Überblick. » mehr

Restaurant Fredheim

12.07.2019

Warum die «Roald Amundsen» bisher einmalig ist

Ziel Antarktis: Mit der «Roald Amundsen» hat die norwegische Reederei Hurtigruten jetzt das erste Expeditionskreuzfahrtschiff mit einem Hybridantrieb auf Reisen geschickt. Wie sieht es aus? » mehr

Einsteigen und los geht`s

30.07.2019

Fünf Gründe für eine Busreise

Mit dem Bus in den Urlaub - das ist doch eher was für in die Jahre gekommene Rentner, könnte man meinen. Stimmt aber nicht. Die Pauschalreise mit dem Reisebus ist viel besser als ihr Image. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr



^