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Das sollten Sie über die Wiesn wissen

Ort der Sehnsüchte, Traum oder Alptraum: Am 22. September beginnt wieder das größte Volksfest der Welt. Aber wieso eigentlich Oktoberfest? Und wie erkennt Frau einen Mann zum Anbandeln?



Oktoberfest
Ob eine Oktoberfest-Besucherin anbandeln möchte, zeigt die Dirndlschleife auf der linken Seite. Für freie Männer gibt es Armbänder mit der Aufschrift: «Mogst obandln?».   Foto: Felix Hörhager

Die Hotels sind ausgebucht, die Straßen verstopft, die U-Bahnen trotz Extra-Zügen überfüllt: München schaltet an diesem Samstag (22. September) wieder in den Oktoberfest-Modus.

Sechs Millionen Menschen drängen innerhalb von 16 Tagen zum Festplatz mit seinen Bierzelten, Fressbuden und Fahrgeschäften. Die Wiesn - was ist das eigentlich?

- Wiesn: Wer an saftiges Gras und bunte Blumen denkt, liegt falsch. Vielmehr wächst auf dem 34 Hektar großen Gelände kaum ein Halm. Dort, wo Darstellungen aus den Anfangszeiten tatsächlich eine grüne Fläche zeigen, dominiert heute Schotter. Wiesn heißt das Fest, weil es auf der Theresienwiese gefeiert wird - benannt nach Therese von Sachsen-Hildburghausen. Ein Stück echte Wiese gibt es im Süden des Geländes, zur Wiesnzeit ist es allerdings ein Parkplatz. Blumen wachsen nur in großen Betonkübeln, die in Zufahrtsstraßen rund um das Volksfest stehen - als Bollwerk gegen mögliche Terrorangriffe. Übers Jahr ist die Theresienwiese eine Freizeitfläche für Anwohner, Hundebesitzer und Jogger.

- Oktoberfest: Synonym für Wiesn . Ursprünglich war es wirklich ein Oktoberfest: Ganz München feierte vom 12. Oktober 1810 an fünf Tage lang, als Kronprinz Ludwig - der spätere König Ludwig I. - Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete. In den folgenden Jahren wurde das Fest wiederholt. 1818 wurden das erste Karussell und zwei Schaukeln aufgestellt, um 1880 kamen mehr Fahrgeschäfte und Schaubuden hinzu. Allerdings kann es im Oktober schon kalt sein: Schlechtes Wetter - schlechtes Geschäft. 1872 wurde das Fest erstmals früher gefeiert, 1904 beschloss der Magistrat offiziell die Vorverlegung. Schon 1829 hatte es entsprechende Vorschläge gegeben, die aber aus Rücksicht auf umliegende Bauern abgelehnt wurden - sie sollten ihre Ernte einbringen, bevor Besucher diese niedertrampelten.

- Bierorgie: Bier ist die wichtigste Essenz des ganzen Festes. Rund 7,7 Millionen Liter rannen im vergangenen Jahr durch durstige Kehlen. Mit gut 6 Prozent Alkohol ist es stärker als gewöhnliches Bier - und es wird nur literweise ausgeschenkt. In feucht-fröhlicher Stimmung merkt mancher die Wirkung zu spät. Mehrere Hundert Besucher müssen deshalb alljährlich auf der Sanitätswache behandelt werden. Ist der Maßkrug leer, scheint er vielen als schönes Souvenir: Rund 120.000 Mal wurden Gäste im vergangenen Jahr beim Klau-Versuch erwischt.

- Tropenoase: Feucht, warm, fast tropisch könnte man das Klima nennen. Auf der Wiesn kann es bis zu zehn Grad wärmer sein als sonst in der Stadt; die Luftfeuchtigkeit liegt ein Drittel höher, wie der Bonner Meteorologe Karsten Brandt bei Messungen herausfand. Zu zwei Dritteln heize die Masse - manchmal sind es 350.000 Gäste am Tag - selbst das Klima auf. Denn ein Mensch erzeuge 80 Watt - so viel «wie eine große alte Glühbirne», sagt Brandt. Lichter, Fahrgeschäfte, Hendl-Bratereien und Küchen tun ihr Übriges. Der Erdgasverbrauch auf dem Oktoberfest lag 2017 Jahr bei 224.000 Kubikmetern und der Stromverbrauch bei 3,25 Millionen Kilowattstunden. Zu Spitzenzeiten braucht die Wiesn so viel Energie wie eine Kleinstadt.

- Flirtbörse: In der schwülen Wärme, bei Bier und fetzigen Schlagern kommt man sich leicht näher. Bei der Dame zeigt die Dirndlschürze, wie es um sie steht: Schleife links: zu haben. Rechts: vergeben. Männern fehlt auch in Zeiten der Gleichberechtigung diese subtile Möglichkeit, ihren Status auszudrücken. Für sie haben Marketingexperten schon vor längerem Gummibänder fürs Handgelenk entwickelt mit der Aufschrift: «Mogst obandln?» Der Spruch steht auch auf Lebkuchenherzen, die Mann plakativ auf der Brust tragen kann. Spezielle Wiesn-Flirt-Apps helfen, dass die Suche nicht erst im Bierzelt beginnt.

- Virenbörse: Ein paar Tage nach dem Start geht es meist los: Triefende Nasen, schlappe Glieder. Die Wiesn ist eine große Virenbörse. Die Erreger werden in der Enge leicht ausgetauscht. Zudem schwächt Alkohol die Abwehr; die feuchtwarme Atmosphäre ist für Viren ein gutes Umfeld. Streng wissenschaftlich erwiesen ist der Zusammenhang nicht. Berichtet wird aber, dass nach bundesweiten Meldungen ausgewählter Arztpraxen das herbstliche Gehuste im Raum München etwas früher beginnt als im Rest Deutschlands. Es handelt sich meist aber nicht um die echte Grippe. Gute Nachricht: Magen- und Darminfektionen sind selten.

- Kindertraum(a): Karussells, Geisterbahn, Zuckerwatte - ein Traum für jedes Kind. Sollte man meinen. Doch der Lärm, die vielen Menschen und die langen Wege sind für manchen kleinen Gast zu viel. Ein Wiesntag ist anstrengend und endet manchmal im Chaos - wenn Kinder im Gedränge verloren gehen. Fünf Kinder landeten im vergangenen Jahr in der «Kinderfundstelle» und wurden dort den Eltern zurückgegeben. Vormittags kann das Volksfest durchaus kindgerecht sein. Es gibt Vergünstigungen für Familien und das «Familien-Platzl» als ruhigeren Ort.

- Historie & Hightech: Historische teils hundert Jahre alte Fahrgeschäfte, Jahrmarktorgeln, Schuhplattler, Volkstanz: Vor allem auf der Oidn Wiesn geht es traditionell zu. Zugleich erleben auf dem Oktoberfest neueste Fahrgeschäfte ihre Premiere. Der fünffache Olympia-Looping eröffnete hier 1989 als weltgrößte transportable Achterbahn. Dieses Jahr kommt das «Chaos Pendel», das in 42 Metern Höhe die Fahrgäste herumwirbelt. Nichts für schwache oder allzu volle Mägen. Seine Weltpremiere hatte das Pendel aber schon im Juli auf der Rheinkirmes in Düsseldorf.

- Fundsachen: 4055 Dinge blieben im vergangenen Jahr liegen und stapelten sich in den Regalen des Wiesn-Fundbüros bis unter die Decke. Darunter waren eine Tuba, ein Kinderautositz und zwei Bootspaddel - und wie fast jedes Jahr ein Paar Krücken. Auch Rollstühle und Gebisse werden regelmäßig vergessen, wenngleich bei letzteren die Zahl abzunehmen scheint - womöglich wegen der Implantatkünste der Zahnärzte.

Veröffentlicht am:
21. 09. 2018
16:57 Uhr

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dpa

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21. 09. 2018
16:57 Uhr



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