Topthemen: Fall Peggy KnoblochFrankenpost-ChristkindNeue B15-AmpelHilfe für NachbarnStromtrasse durch die RegionGerch

 

Was Passagiere über Fluggastrecht-Portale wissen müssen

Ausfälle, Verspätungen: An den Flughäfen ging zuletzt einiges schief. Urlaubern steht immerhin oft eine Entschädigung zu, jedenfalls theoretisch. Viele Airlines zahlen aber nicht. Deshalb gibt es Fluggastrecht-Helfer - nicht alle arbeiten jedoch seriös.



Fairplane
Fluggastrecht-Portale wie Fairplane versprechen Abhilfe, wenn Passagiere von der Airline keine Entschädigung bekommen.   Foto: Robert Günther » zu den Bildern

Ryanair nennt sie verächtlich «Ausgleichsjäger», sie selbst verstehen sich als Anwälte der Passagiere: Fluggastrecht-Portale. Immer mehr Anbieter drängen in den Markt.

Für die Airline-Kunden erstreiten sie Entschädigungen, wenn Flüge ausgefallen sind oder sich stark verzögert haben - gegen üppige Provisionen. Für Fluggäste kann sich das trotzdem lohnen.

Warum sind die Portale für Passagiere interessant?

Im vergangenen Sommer herrschte an deutschen Flughäfen häufig Chaos: gestrichene Flüge, massenhafte Verspätungen, Wartezeiten, Frust. «Einen verspätungsfreien Flugbetrieb wird es nie geben», sagt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt aus Hamburg. Dafür sei das System zu komplex. «Aber der Sommer war schon heftig.»

Bei vielen Annullierungen und Verspätungen steht den Passagieren eine Entschädigung zu. Lufthansa hat im Sommer 2018 nach eigenen Angaben rund 250 Millionen Euro für Kompensationen an die Passagiere ausgegeben. Doch nicht alle Fluggesellschaften sind so zahlungsfreudig. Viele Airlines wehren berechtigte Entschädigungsansprüche ab.

Warum steht mir bei Flugstreichungen und Verspätungen Geld zu?

Das schreibt die EU-Fluggastrechteverordnung vor. Bei kurzfristigen Annullierungen und Verspätungen von mehr als drei Stunden steht dem Passagier oftmals eine Ausgleichszahlung zu. Je nach Flugdistanz sind das 250 Euro (bis 1500 Kilometer Flugstrecke), 400 Euro (1500 bis 3500 Kilometer) oder 600 Euro (mehr als 3500 Kilometer).

Warum frage ich nicht einfach bei der Airline nach?

Das ist der beste Weg, zu dem auch Verbraucherschützer raten. Doch er funktioniert nicht immer. Es kommt auf die Airline an. Nach den Erfahrungen von Fairplane, einem führenden Fluggastrechte-Portal, tun sich zum Beispiel die Lufthansa und Tuifly durchaus positiv hervor, wie Sprecher Ronald Schmid sagt. Negativ fielen dagegen Easyjet, Iberia, Eurowings, und Sun Express auf - und der bekannte irische Billigflieger: «Ryanair ist am schlimmsten.»

Wie arbeiten die Portale genau?

Es gibt zwei Modelle. Bei der «Inkasso-Variante» bestreitet das Portal für den Kunden den Rechtsweg und kassiert im Erfolgsfall eine Provision. Die «Sofortentschädiger» kaufen dem Passagier den Anspruch ab und versuchen, ihn dann selbst durchzusetzen. In diesem Fall ist die Provision meist höher als bei der Inkasso-Methode.

Was kostet mich die Dienstleistung?

Bei EUclaim sind es 22,5 Prozent der Entschädigungssumme (mit Mehrwertsteuer 26,76 Prozent). Beispielrechnung des Anbieters: Von 250 Euro Entschädigung erhält der Passagier 183,06 Euro. Flightright behält 20 bis 30 Prozent, plus Steuern. Die genaue Höhe erfährt der Kunde, bevor er den Auftrag abgibt. Fairplane nennt 24 bis 35 Prozent inklusive Steuern. Airhelp behält von 250 Euro Anspruch 63 Euro, was ungefähr 25 Prozent der Entschädigungssumme entspricht. Der Anbieter EUflight entschädigt ausschließlich sofort und rechnet vor: Von 250 Euro bekommt der Kunde 148,88 Euro. Der Abschlag beträgt also satte 42 Prozent. Dafür gibt es das Geld binnen 24 Stunden.

Wie finde ich ein seriöses Portal?

Wie viel Geld die Passagiere verschenken, weil sie berechtigte Ansprüche nicht einfordern, ist offen. Doch der Markt boomt, gerade nach dem Flugchaos im Sommer 2018. Nach Recherchen der Fachzeitschrift «fvw» (Ausgabe 21/2018) sind inzwischen 30 Fluggasthelfer auf dem deutschen Markt aktiv. Doch manche arbeiteten mit «grenzwertigen Methoden», heißt es in dem Bericht. Bemängelt wird etwa, dass die genaue Höhe der Provision zunächst nicht ersichtlich ist. Oder dass von den Airlines bereits bezahlte Entschädigungen nicht sofort an den Passagier überwiesen werden - was kaum ersichtlich sei.

Wie gehe ich vor als Passagier?

Fluggäste sollten sich zuerst direkt an die Fluggesellschaft wenden. Viele Airlines kommen berechtigten Ansprüchen zuverlässig nach. Im nächsten Schritt kann die Schlichtungsstelle söp in Berlin helfen. Das ist kostenlos, das Ergebnis aber nicht bindend. Führt all dies nicht zum Erfolg, bietet sich ein Portal an.

Veröffentlicht am:
02. 11. 2018
09:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Lufthansa AG Eurowings Fluggäste Heinrich Provisionen Ryanair
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Handgepäckfach im Flugzeug

29.05.2018

So viel Gepäck erlauben die Airlines

Einen Koffer aufgeben, ein Handgepäckstück mit in die Kabine: So verreisen wohl die meisten Fluggäste. Was das kostet, wird von den Airlines aber höchst unterschiedlich geregelt. Mit dieser Übersicht zahlen Passagiere ni... » mehr

Maße des Koffers werden kontrolliert

22.06.2017

Fliegen nur mit Handgepäck

Ob Wochenende in Barcelona, Kurztrip nach Sizilien oder eine Woche Badeurlaub auf Mallorca: Seitdem die Gepäckaufgabe immer häufiger extra kostet, reisen viele nur noch mit Handgepäck. Doch das sorgt für einige Probleme.... » mehr

Katze im Koffer

02.08.2018

Was Tierhalter beim Fliegen mit Hund und Katze wissen müssen

Wer mit Hund oder Katze in den Urlaub fliegen möchte, muss viel beachten. Nicht alle Airlines bieten diesen Service an. Und den Tieren wird durch die Flugreise einiges abverlangt. » mehr

W-Lan im Flugzeug

20.07.2018

Internet im Flugzeug auf dem Vormarsch

Kilometerweit über der Erde: Einst konnten selbst Geschäftsleute ihr Handy hier mangels Empfang getrost zur Seite legen. Längst hat das Internet auch ins Flugzeug Einzug gehalten. Experten sehen darin einen großen Markt.... » mehr

Sitzabstände

19.06.2018

Welche Sitzabstände bieten Airlines?

Vor allem für Menschen mit langen Beinen ist der Flug in der Economy Class meist wenig bequem. Die Sitzabstände bei den Airlines unterscheiden sich jedoch deutlich. Auch innerhalb eines Flugzeugs wird die Bestuhlung imme... » mehr

Neuordnung am Himmel

23.01.2018

Wer übernimmt welche Air-Berlin-Strecken?

Air Berlin und Niki sind Geschichte - und viele Flugverbindungen erst einmal weggefallen. Doch andere Airlines schließen die Lücken, vor allem Easyjet und Eurowings. Wenn sich das Chaos gelegt hat, können Fluggäste sogar... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
02. 11. 2018
09:54 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".