Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

App-Stadtführungen und virtuelle Zeitreisen

Mit den Möglichkeiten der Digitalisierung schaffen Tourismusregionen neue Erlebnisse für Besucher: Sie können mit Virtual-Reality-Brillen historische Städte besuchen oder sich mit Apps durch die Gegend führen lassen - wenn es nicht am Handyempfang hapert.



Mit VR-Brille durch die Kölner Altstadt
Mit VR-Brille fahren Köln-Besucher in einer historischen Straßenbahn virtuell durch die Altstadt. Foto: TimeRide GmbH   Foto: dpa » zu den Bildern

Früher war die traditionelle Stadtführung Pflichtprogramm für Touristen. Doch zum Beispiel im bayerischen Teil Schwabens könnte sie bald Vergangenheit sein. Die Reiseregion setzt seit mehreren Jahren auf Lauschtouren: Besucher gehen mit dem Smartphone von Punkt zu Punkt.

Eine App spielt Erklärungen zu Schlössern, Kirchen oder Gassen ab - automatisch per GPS-Ortung. So sind die Gäste unabhängig von Terminen und Öffnungszeiten.

Klassische Stadtführung abgelöst

«Wir erleben einen Paradigmenwechsel», sagt der Tourismusforscher Harald Pechlaner von der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Mit der interaktiven Welt der Technik hätten sich die Ansprüche von Urlaubern verändert. «Gäste entscheiden selbst, wie das Erlebnis aussieht. Ein einziges, fertiges Produkt ist heute kaum noch gefragt.»

Führungen nach festem Programm passen immer weniger in diese Welt. Bei den Lauschtouren der Region Bayerisch-Schwaben können Touristen aus 18 Strecken zu Themen wie Hexenverfolgung, Kneipp-Kuren oder der Römerzeit wählen. Ein ähnliches Angebot gibt es im westfälischen Minden, wo kleine Sender - sogenannte Beacons - Audio-Erklärungen auf dem Smartphone von Besuchern aktivieren. Und bei der QR-Tour der Städte Bad Berneck und Goldkronach im Fichtelgebirge scannen Besucher die schwarz-weißen QR-Codes, um Informationen aufzurufen.

Größere Bereitschaft für digitale Angebote

«Wir bemerken, dass es bei Urlaubern eine immer größere Bereitschaft gibt, digitale Angebote zu nutzen», sagt  Claudia Gilles, die Geschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbands. Immer beliebter würden auch Ausflüge in die virtuelle Realität. In Köln können Besucher auf einer Tour in einer historischen Straßenbahn ein Video mit einer animierten Fahrt durch die Altstadt durch eine VR-Brille sehen. Auch Reisebüros und Tourist-Infos nutzen solche Brillen, um Urlaubsziele und Aussichtspunkte fast wie in echt vorzuführen.

Mit der Digitalisierung verändern sich nicht nur Erlebnisse vor Ort, sondern auch der Weg dorthin. Als einen der wichtigsten Trends betrachtet Gilles intelligente Applikationen. Diese schlagen Gästen je nach Vorliebe und Situation spontan Ausflugsziele und Aktivitäten vor - angepasst etwa an das Wetter. «Früher haben wir den Gast undifferenziert zugeschüttet mit Informationen», sagt die Expertin. Regale im Hotelfoyer, vollgestopft mit Werbeprospekten, wären durch die neue Technik in Zukunft überflüssig.

Stabiler Handyempfang ist Voraussetzung

Voraussetzung für viele digitale Möglichkeiten sind stabiler Handyempfang und schnelles Internet - gerade in ländlichen Gegenden oft ein Problem. Das bemängelt der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft. Die Versorgung müsse schnellstmöglich auf ein modernes und praxistaugliches Level gebracht werden. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass manche Regionen abgehängt werden.

Ein Trost: Manchmal ist jedoch gerade der Verzicht auf Erreichbarkeit der entscheidende Faktor. Digital Detox bedeutet, dass Gäste ihre Geräte einfach mal auslassen und sich auf Umgebung und Gastgeber vor Ort einlassen. Bei aller Digitalisierung gilt: «Das Menschliche bleibt im Tourismus absolut wichtig», sagt Tourismusforscher Pechlaner.

Veröffentlicht am:
19. 03. 2019
05:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apps Besucher Digitalisierung Digitaltechnik Smartphones Tourismusregionen Urlauber
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Henn na Hotel

13.12.2018

Im Hotel der Zukunft dienen Smartphones als Zimmerschlüssel

Die Zimmertemperatur mit dem Smartphone einstellen und die Vorhänge mit der Stimme steuern: Die Hotelbranche rüstet sich für die Digitalisierung. Wer Sorge hat, dass Hotelzimmer in Zukunft digitalen Kommandozentralen ähn... » mehr

Reise-Apps nutzen

24.04.2019

Reise-Apps von clever bis kurios

Postkarten verschicken, Aussichtspunkte finden, Einheimische kennenlernen: All dies geht auf Reisen mittlerweile über Apps. Eine kleine Auswahl an digitalen Helfern für unterwegs. » mehr

Tourismus auf Mallorca

29.11.2019

Kunden halten Pauschalreise bislang die Treue

Der Zusammenbruch von Thomas Cook jagt Schockwellen durch die erfolgsverwöhnte Tourismusindustrie. Hat die Pauschalreise noch eine Zukunft? Wie geht es weiter beim Ferienflieger Condor? » mehr

Ökosiegel im Tourismus

19.11.2019

Unterwegs im touristischen Ökolabel-Dschungel

Im Tourismus wollen sich immer mehr Anbieter als «grün» vermarkten. Doch bei den vielen Siegeln auf dem Markt ist es schwer, den Überblick zu behalten. Eine Orientierungshilfe für Urlauber. » mehr

Geldautomat in Athen

12.11.2019

Die richtige Reise-Kreditkarte finden

Welche Kreditkarte taugt für den Urlaub im Ausland? Und welche Gebührenfallen lauern an Automaten? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Plastikkarte im Überblick. » mehr

Flugreise

05.11.2019

Neues Projekt macht CO2-Kompensation leichter

Klimaschutz kostet - das gilt auch beim Thema Urlaub. Doch kaum jemand zahlt für seine Flugreise zusätzlich einen freiwilligen Umweltbetrag. Eine neue Kooperation will das nun ändern. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
19. 03. 2019
05:07 Uhr



^