Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

Muße und Einfachheit in den Sylter Dünen

Luxus sucht man in der Heimvolkshochschule im Klappholttal auf Sylt vergebens. Einfachheit wird hier seit 100 Jahren groß geschrieben. Dennoch zählt die Akademie mehr als 40.000 Übernachtungen im Jahr.



Akademie am Meer Klappholttal
In einem 7,5 Hektar großen Dünengebiet zwischen List und Kampen liegt die Akademie am Meer Klappholttal. Im August feiert sie ihr 100-jähriges Bestehen.   Foto: Archiv Klappholttal/dpa-tmn

Die einfachen Hütten liegen verstreut in einem 7,5 Hektar großem Dünengebiet zwischen List und Kampen. Irgendwie scheinen sie nicht so recht ins Bild vom mondänen Sylt zu passen. Einige der Einzel-, Doppel- und Mehrbetthäuser haben nicht einmal ein WC, auch Fernseher gibt es nicht.

Die Hütten gehören zur Akademie am Meer Klappholttal , die im August ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Die einfache Ausstattung stört die Besucher nicht. Im Gegenteil: «Die meisten kommen wieder», sagt Akademieleiter Hartmut Schiller. «Das ist unser Programm. Die Einfachheit, Kultur und die Naturnähe». Dass es auch keinen Handyempfang gibt, stört die Gäste nicht.

«Ein Ort, den man entdecken muss»

Besucher kommen aus ganz Deutschland, aus den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz. Werbung macht die Heimvolkshochschule kaum. Vieles geht über Mundpropaganda. «Meine Strategie ist, dass wir ein Geheimnis sind. Ein Ort, den man entdecken muss», so Schiller.

Und das wollen einige: Rund 41.000 Übernachtungen zählt die Akademie nach eigenen Angaben pro Jahr. Die Kombination aus unberührter Natur und einem großen kulturellen Angebot ist reizvoll für die Gäste. Und sie versetzt die Bildungsstätte in die Lage, ohne staatliche Unterstützung auskommen zu können.

1919 hatte der junge Arzt und Naturschützer Knud Ahlborn, inspiriert vom pazifistischen Gedankengut der akademischen «Freideutschen», das Jugendlager in den Dünen zwischen List und Kampen gegründet. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs steht die Einrichtung Menschen jeden Alters offen.

Nacktbaden, Meditatives Tanzen und Konzerte

Anfangs wurden die Einrichtung und seine Besucher argwöhnisch beäugt - was auch an den Sitten lag, die damit auf der Insel Einzug hielten. So hat das Nacktbaden auf Sylt hier seinen Anfang genommen, wie Schiller erzählt. «Das war 1919 und es herrschte noch die Moralvorstellung des Kaiserreiches.» Das brachte die Einrichtung damals zwar in Verruf, sorgte aber für Aufmerksamkeit.

Im Klappholttal wird vieles anders gemacht, nicht jede Mode mitgemacht. «Wir fallen aus dem Rahmen», sagt Schiller. Für den 62-Jährigen ist eines der Erfolgsgeheimnisse, dass Menschen hier Sachen ausprobieren können, die sie normalerweise nicht machen würden. «Es kann sein, dass Menschen hier Seiten an sich bemerken, dass sie Fähigkeiten haben, von denen sie nicht wussten, dass sie sie haben.»

Meditatives Tanzen, Bogenschießen, Konzerte, Vorträge über Bauhaus und Jugendstil, philosophische Gesprächsreihen und Wattwanderungen: Das Angebot ist vielfältig, die Dozenten ausgesuchte, oft bekannte Experten auf ihrem Gebiet.

Bis nach Kampen, mit seinen teuren Reetdachhäusern, den schicken Boutiquen und den noblen Restaurants sind es nur wenige Kilometer. Und doch scheint es eine andere, weit entfernte Welt zu sein. Schiller fasst zusammen, was er selbst und viele seiner Gäste denken: «Klappholttal ist der letzte schöne Ort auf Sylt.»

Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
14:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Akademien Bildungsanstalt Bogenschießen Luxus Mode Naturschützer Staaten Staatliche Unterstützung und Förderung Weltkriege Zweiter Weltkrieg (1939-1945)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
«Kessel von Falaise»

23.05.2019

75 Jahre D-Day - Auf Spurensuche in der Normandie

Vor 75 Jahren landeten die Alliierten in der Normandie, um Europa von den Nazis zu befreien. Die Spuren heftiger Kämpfe sind allgegenwärtig - trotz der Idylle der malerischen Küstenlandschaft. » mehr

Sand Mountain

16.04.2019

Amerikas einsamste Straße - Unterwegs auf dem Highway 50

Diese Straße ist perfekt für einen eigentümlichen Roadtrip: Nevada vermarktet den U.S. Highway 50 als einsamste Straße Amerikas. Nicht ohne Grund. Und wenn man vom Highway abfährt, wird es noch verlassener. » mehr

Bunkermuseum in Hamburg

04.02.2019

Im Hamburger Bunkermuseum in die Vergangenheit reisen

In Deutschland gibt es noch heute Hunderte Bunker. Sie haben Tausenden Menschen im Zweiten Weltkrieg das Leben gerettet. In manchen wird heute gewohnt, gefeiert, gesungen oder gelagert. In einem wird gereist - und zwar i... » mehr

Mit Blick aufs Meer

28.10.2019

Australiens legendäre Ocean Pools werden 200 Jahre alt

Mit jedem Tag, an dem es in Deutschland kälter wird, rückt in Australien der Sommer näher. Zeit für die berühmten Ocean Pools. Ein großer Vorteil der Meerwasserbecken direkt am Strand: keine Haie. Wobei... » mehr

Eike Schmidt

22.08.2019

In Italiens Museen wird das Rad zurückgedreht

Ausländische Museumsdirektoren sollten Italiens Museen moderner machen. Nun verlassen sie allerdings das Land. Die scheidende Regierung richte eine «Spur der Zerstörung» an», sagt eine deutsche Museumschefin, die gehen m... » mehr

Fahrt ins Watt

26.06.2019

Was das Welterbe Wattenmeer einzigartig macht

Es steht bei der Unesco auf einer Stufe mit dem Grand Canyon und dem Great Barrier Reef: das Wattenmeer. Große Teile der einzigartigen Landschaft zwischen Dänemark und den Niederlanden wurden 2009 zum Weltnaturerbe. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
14:08 Uhr



^