Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

 

Flößer zwischen Folklore und Toten Hosen

Früher transportierten die Flößer aus Wolfratshausen Waren, heute Touristen. Über Loisach und Isar treiben die Flöße bis nach München. Für die Gäste ist es eine Gaudi mit Blasmusik und Bier, für die Flößer ein Knochenjob.



Floßrutschen
Rasantes Vergnügen: Höhepunkt für die Touristen sind die Floßrutschen.   Foto: Bernd F. Meier » zu den Bildern

Stamm um Stamm klatscht ins Wasser und wird von den Männern zu einem Floß zusammengebaut. So machen es die Flößer von Wolfratshausen heute, und so war es schon immer. 19 Tonnen bringt die schwimmende Insel am Ende auf die Waage.

Wer das Tag für Tag macht, bei dem sitzt jeder Handgriff. «Fitnessstudio? Das brauchen wir nicht, hier ist unsere Muckibude», sagen die beiden Flößer Jason Charles und Michelle Scollo.

Charles und Scollo arbeiten für Josef Seitner. Der ist 70 Jahre alt und Flößermeister in der vierten Generation. Zwischen dem 1. Mai und Mitte September bietet er täglich Floßfahrten für Touristen an.

Im Tölzer Land gehört er zu den Letzten einer traditionsreichen Zunft , deren Geschichte bis in das 12. Jahrhundert zurückreicht. Tuche und Kalk, Marmor und Möbel schafften die Männer während wochenlanger Fahrten nach München, Passau und auf der Donau bis Wien und Budapest. Darüber hinaus wurden die Flöße bis etwa 1850 zur Personenbeförderung genutzt.

1904 machte Josef Seitners Großvater Sebastian seine allerletzte Floßfahrt als Fuhrunternehmer. Die Eisenbahn war längst ins bayerische Oberland vorgedrungen. Um 1890 erreichte der erste Zug die Flößergemeinde Wolfratshausen . Außerdem entstanden Ende des 19. Jahrhunderts an der Isar mehrere Wasserkraftwerke. «Viele Flößer gaben auf und ließen sich mit Geld abfinden», erinnert sich Josef Seitner.

Doch Opa Sebastian blieb stur. «Bereits 1910 hat er die erste Vergnügungsfahrt mit Gästen von Wolfratshausen nach München geflößt», so Enkel Josef.

Rund 300 Fahrten kommen für Meister Seitner und seine 18 Mitarbeiter heute während der Sommermonate zusammen: Freundescliquen, Burschenvereine, Feuerwehren, Sängerkreise, Skatclubs, Stars und Sternchen. Natürlich dürfen Bier und zünftige Musik nicht fehlen.

Die Musik kommt von Wigg Heislmeier und seinen Kollegen. «Floßcombo» nennt sich das Quartett um den 77 Jahre alten, quirligen Landshuter. Von bayerischen Heimatklängen bis zu den Toten Hosen spielen die Vier so ziemlich alles, was die Gäste zum Mitsingen und Tanzen auf den schwankenden Brettern animiert.

Spritzige, nasse Höhepunkte der abhängig vom Wasserstand fünf bis sieben Stunden dauernden Gauditour sind die Floßrutschen an den Wasserkraftwerken Pullach und Mühlthal bei Straßlach. 345 Meter lang ist die Mühlthaler Rutsche, die längste Schräge dieser Art in Europa. Mit Tempo 40 driften die massigen Holzinseln auf der Flutwelle abwärts in die 18 Meter tiefer dahinrauschende Isar.

«Jede Fahrt ist anders, jeden Tag ändert sich das Wasser», so Flößer Jason Charles. Der Vierzigjährige mit den muskelbepackten Armen stammt aus Trinidad und Tobago. Einst kam er der Liebe wegen nach Oberbayern. Die Liebe ist gegangen, sein Beruf als Flößer blieb, seit nunmehr 14 Jahren schon. Michelle Scollo ist erst seit 2016 dabei. «Ich muss noch viel von Jason lernen», meint der 38-jährige Sizilianer. Die Zwei sind die einzigen Vollzeitflößer in Seitners Betrieb. Und die neue Generation, die eine über 800 Jahre alte Tradition weiterführen wird.

Veröffentlicht am:
05. 04. 2018
10:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bier Blasmusik Folklore Hosen Tote Touristen Traditionen Wasserkraftwerke
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Badeort Föhr

25.04.2019

Auf Föhr lässt sich Urlaub machen fast wie in alten Zeiten

Vor 200 Jahren wurde Wyk auf Föhr zum Seebad. Heute setzen die Einheimischen auf der Nordseeinsel auf friesische Traditionen ebenso wie auf neue Angebote. Bier spielt eine Rolle - aber auch Grabsteine. » mehr

Travemünder Woche

16.07.2019

Travemünder Woche bietet Sport und Unterhaltung

Die Travemünder Woche verspricht wieder eine bunte Mischung aus Sport und Unterhaltung. Auch das Rennen um den Rotspon-Cup gehört dazu. Am Freitag (19.7.) wird die Segelsportveranstaltung eröffnet. » mehr

Bonbonmanufaktur Bömske

06.12.2018

Ausflugsziele für Genießer und Hobbyköche

Brezeln backen, Bier brauen oder Pralinen machen: In Deutschland laden jede Menge Museen und Handwerksbetriebe zum Mitmachen ein - Verköstigung inklusive. Eine Auswahl für den Winter. » mehr

Kreuzfahrtschiff

11.10.2018

Die Hafencity kommt langsam in Hamburg an

Vor 14 Jahren zog der erste Bewohner ein, vor rund 11 Jahren begann der Bau der Elbphilharmonie. Inzwischen ist die Hamburger Hafencity recht gut belebt, auch viele Touristen zieht es hierhin. Fertig aber ist sie noch la... » mehr

Ticketkontrolle

07.06.2018

Mit der Nostalgiebahn durch die Heide

Lange ist es her, dass am Rande der Lüneburger Heide regelmäßig Züge zwischen Lüneburg und Bleckede unterwegs waren, um Menschen täglich zur Arbeit oder nach Hause zu bringen. Doch noch immer fahren Bahnen auf den alten ... » mehr

Fertig zum Einsteigen

10.05.2018

Mit dem Zeppelin über den Bodensee fliegen

Zeppeline gehören untrennbar zu Friedrichshafen am Bodensee. Seit einigen Jahren können Touristen wieder über den See schweben - oder sich in der Gondel sogar das Ja-Wort geben. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 04. 2018
10:02 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".