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Verden hat Freude am Pferd und zeigt sie in einem Museum

In Verden dreht sich nicht Alles, aber doch Vieles ums Pferd. Davon zeugen große Turniere, Holsteiner-Zucht und -Auktionen, Messinghufeisen auf Gehwegen und: das Deutsche Pferdemuseum. Als Reiterstadt ist Verden weltweit bekannt.



Pferdemuseum in Verden
Im Pferdemuseum in Verden lässt sich ein Modell mit Przewalski-Pferden betrachten.   Foto: Sina Schuldt/dpa

Wie hätte sich der Mensch wohl ohne das Pferd entwickelt? Als Beute gejagt, vor Streitwagen gespannt, in zahllose Schlachten geführt, als Arbeitstier verwendet, oft genug geschunden, und im Hochleistungssport trainiert - das Pferd dient und nutzt dem Menschen seit Jahrtausenden bis heute.

Das kann man in Verden besonders gut erleben. Die Stadt ist nicht nur seit den 1930er Jahren Reiterstadt, sondern Heimat des Deutschen Pferdemuseums , das in einer ehemaligen Kavallerie-Kaserne untergebracht ist. «Ein passender Standort», finden Verwaltungschefin Ina Rohlfing und die wissenschaftliche Leiterin Christine Rüppell.

Etwa 20.000 Besucher jährlich

Das Museum begrüßt die jährlich etwa 20.000 Besucher mit einer historischen Gedenktafel im Eingangsbereich: «Gaudemus equis» («Wir haben Freude an Pferden»). Die Ursprünge des 1831 errichteten Kaserne-Baus sind noch deutlich zu erkennen. Im Erdgeschoss des flächenmäßig 1600 Quadratmeter großen Museums sind noch Tröge, Boxen und Stallvorrichtungen zu sehen. Mehr als 100 Pferde dürfte hier einst gestanden haben.

An den Futtertrog wäre das kleine Urpferd gar nicht erst nicht rangekommen. «Es war gerade mal so groß wie ein Fuchs», sagt Rüppell und zeigt auf das Modell, das irgendwie eher an einen Tapir als ein Pferd erinnert. Der Unpaarhufer gehörte der ausgestorbenen Gattung «Hyracotherium» an, hatte mehrere Zehen und erreichte vor 50 Millionen Jahren gerade mal eine Größe von etwa 50 Zentimetern.

Im Laufe der Evolution entwickelten sich beim Pferd die Zehen zu Hufen. Die Zähne änderten sich, um besser Gras fressen zu können. «Auch die Beine wurden länger, damit es besser fliehen konnte», erläutert Kulturhistorikerin Rüppell. Stärke und Schnelligkeit des Pferdes wusste der Mensch stets zu nutzen, nicht immer zum guten Zweck. Ab dem 3. Jahrtausend wurde das Pferd fürs Militär rekrutiert - ob vor dem Streitwagen oder als Schlachtross im Dreißigjährigen Krieg oder auch noch im Zweiten Weltkrieg. Militärisch hatten große Reiterarmeen lange enorme Vorteile.

Pferde auf dem Schlachtfeld

Reiterschulen beschäftigten sich damit, wie Pferde am besten und schnellsten auf dem Schlachtfeld zu führen sind. Im Zweifel mussten die Tiere im Gefecht hochsteigen auf die Hinterbeine, um den Reiter vor Kugeln oder Pfeilen zu schützen. In der oberen Etage des Museums zeugen große Gasmasken und Gasstrümpfe und ein Sauerstoffgerät vom Einsatz der Pferde im Zweiten Weltkrieg. Aber das Pferdemuseum erzählt bei weitem nicht nur die kriegerische Geschichte. Thema sind auch Pferde als prunkvolle Repräsentanten der Mächtigen, Pferde im Zirkus, bei der Jagd, als Motiv in der Malerei und natürlich als Sportpferde, denen Verden den Beinamen Reiterstadt verdankt.

«Aachen, Verden, Berlin» - das waren und sind die klingenden Namen bei Top-Reitturnieren. «Verden ist als Reiterstadt weltweit bekannt», sagt auch Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD). Die Stadt sei Heimat des Hannoveraner Verbandes, einer der weltweit größten Zuchtverbände. Vor einigen Jahren untersuchten die Verdener auch, wie viele Arbeitsplätze am Pferd hängen. «Wir glauben, es geht in die Richtung 1000», so Brockmann. Ausbildung und Zucht, Gastronomie, Tierärzte, Ausrüster, Auktionen - das Pferd ist für Verden wirtschaftlich von Bedeutung.

500 Messinghufeisen führen in die Innenstadt

Auch Fußgänger bekommen das Motto «Gaudemus equis» zu spüren. Auf Gehwegplatten, die vom Museum in die Innenstadt führen, sind 500 Messinghufeisen in den vier Pferdegangarten Schritt, Trab, Galopp und Renngalopp eingelassen. Jedes Hufeisen trägt den Namen eines Spenders, so auch die Namen von Reiterprominenz wie Isabell Werth, Alwin Schockemöhle, Hans Günter Winkler oder Rainer Klimke. Und dann ist Verden ja auch eine Stadt im Bundesland Niedersachsen, das ein Pferd, genauer: das «Sachsenross», im Landeswappen trägt.

Vor echten Pferden hat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) großen Respekt: «Deshalb halte ich immer Abstand.» Aber: «Ich habe eine kleine hübsche Sammlung von Niedersachsenrössern. Jeder, der mir ein neues, schönes Exemplar mitbringt, ist mir herzlich willkommen», sagte er. Auch selbst verschenkt er bei offiziellen Anlässen gerne ein Niedersachsenross aus Porzellan aus der Porzellan-Manufaktur Fürstenberg (Landkreis Holzminden). Nur im Pferdemuseum in Verden war er noch nicht.

© dpa-infocom, dpa:200817-99-195551/2

Veröffentlicht am:
18. 08. 2020
04:42 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 08. 2020
04:42 Uhr



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