Topthemen: Hofer Kaufhof wird HotelHilfe für NachbarnBenefiz-BallStromtrasse durch die RegionGrabung bei NailaGerch

 

Der schwere Stand der Orchideenfächer

Sie heißen Arabistik, Koptologie oder Umformtechnik: 119 kleine und kleinste Fächer gibt es derzeit an deutschen Hochschulen. Brotlose Kunst sagen die einen, wertvolles Spezialwissen die anderen. Doch was bringt das Studium eines Mini-Fachs wirklich?



Entschlüsselung am Computer
Mittelalterliche Literatur entschlüsseln: Stellen für Tätigkeiten wie diese gibt es kaum. Wer so ein Fach studiert, sollte sich frühzeitig auf dem Arbeitsmarkt umschauen.   Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn » zu den Bildern

Gerade erst ist Fabian Reiter von einer Dienstreise zurückgekehrt, schon gibt der Kalender die nächsten Termine vor. Der Professor der Universität Trier hat viel zu tun. Kein Wunder, besetzt er doch eine von bundesweit nur zwei Professuren für Papyrologie.

Papyrologie gehört zu den sogenannten kleinen Fächern oder Orchideenfächern. «Die Hauptbeschäftigung ist, griechische Texte zu entziffern, zu transkribieren, ergänzen, erklären und zu edieren, die sich auf Papyri und anderen Schriftträgern in großen Mengen aus Ägypten erhalten haben», erklärt Fabian Reiter. Viel Arbeit, doch kann man davon auch leben?

In Deutschland gibt es nur sehr wenige Stellen explizit für Papyrologen, meist in der Wissenschaft oder der Museumsarbeit, sagt Reiter. Stattdessen empfiehlt der Professor, das Fach als Ergänzung zu anderen Wissenschaften zu nutzen. Welche Fächerkombinationen für den eigenen Karriereweg am besten zusammenpassen, sollte man sich demnach am besten schon vor Beginn des Studiums überlegen.

«Ich denke, das Fach ist für viele Bereiche sinnvoll, in denen man kreativ und sorgfältig arbeiten muss», sagt Reiter. Er empfiehlt beispielsweise in Vorstellungsgesprächen auf die erlernten kognitiven und sozialen Fertigkeiten eines Fachstudiums einzugehen. So gehöre es zur Arbeit des Papyrologen, ein Kritikbewusstsein zu entwickeln, sich immer wieder in neue Probleme einzuarbeiten und zu vertiefen.

Ganz unabhängig von den beruflichen Möglichkeiten sieht Katharina Bahlmann von der Mainzer Arbeitsstelle Kleine Fächer viel Potenzial in den kleinen Fächern: «Kleine Fächer tragen wesentlich zur Diversität wissenschaftlicher Disziplinen und Perspektivenvielfalt an unseren Universitäten bei.»

Als klein gelten Fächer, die mit nicht mehr als drei Professuren an einer Universität besetzt oder bundesweit an weniger als zehn Prozent der Universitäten vertreten sind. Seit 1997 sei die Anzahl der Professuren in den kleinen Fächern bundesweit annähernd konstant geblieben.

«Es ist allerdings anzumerken, dass die Entwicklung zwischen den einzelnen Fachgruppen stark differiert», sagt Bahlmann. So seien beispielsweise Geschichts- und Altertumswissenschaften von sinkenden Professorenzahlen betroffen, wohingegen die meisten Religionswissenschaften und Fächer mit Medienbezug deutliche Zuwächse aufwiesen. Den größten Teil der erfassten kleinen Fächer machen derzeit mit rund 82 Prozent die Geistes- und Kulturwissenschaften aus.

«Als Geisteswissenschaftler sind Sie für wirtschaftliche Unternehmen schwer einsetzbar, es sei denn, Sie gehen in die Kommunikationsabteilung», sagt Frauke Narjes, Leiterin des Career Centers der Universität Hamburg. Mit 49 kleinen Fächern bietet die Universität Hamburg mit das größte Angebot an exotischen Studiengängen in Deutschland. Doch für die meisten dieser Fächer gebe auf dem Arbeitsmarkt keinen großen Bedarf, so Narjes.

«Diejenigen, die diese Fächer studieren, sollten sich die Frage stellen, was der Anlass für die Fächerwahl ist», sagt sie. «Es ist erstmal ein reines Bildungsstudium und keine Berufsausbildung.» Berufliche Qualifikationen erhalte man am besten mit schnellstmöglichem Praxisbezug, «indem Sie von Anfang an eine Idee entwickeln, wo Sie arbeiten möchten und dann sofort Kontakte zur Praxis herstellen».

Veröffentlicht am:
10. 07. 2017
04:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Arabistik Arbeitsmarkt Arbeitsstellen Beruf und Karriere Berufliche Ausbildung und Weiterbildung Berufliche Qualifikationen Dienstreisen Existenzangst Geisteswissenschaftler Universität Hamburg Universität Trier
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Nadia Blüthmann

06.08.2018

Präsentieren an der Uni leicht gemacht

Präsentationen gehören einfach zum Studium dazu. Leichter gesagt als getan: Fehlerquellen wie überladene Powerpoint-Folien oder chaotische Themensprünge gibt es viele. Wie sieht er also aus, der perfekte Vortrag? » mehr

Wettervorhersage im TV

03.07.2017

Meteorologie-Studium eröffnet gute Berufschancen

Das Studium ist nah an der Physik, die Abbrecherquoten sind hoch - und vor der Kamera landen die wenigsten. Doch auf studierte Meteorologen warten noch viel spannendere Jobs. » mehr

Stellensuche

08.11.2017

Jobs für Geisteswissenschaftler sind oft gut versteckt

Jobsuchende orientieren sich bei Stellenanzeigen an Stichwörtern. Daher haben es Geisteswissenschaftler recht schwer. Sie können sich jedoch mit Begriffen aus anderen Disziplinen behelfen. » mehr

Alle Lehrbücher im Blick

03.09.2018

Jobben als studentische Hilfskraft

Literatur heraussuchen, Gäste betreuen, Veranstaltungen vorbereiten: Als studentische Hilfskraft kann man an der Uni erste Erfahrungen im Hochschulbetrieb sammeln. Der Job kann ein Sprungbrett für eine wissenschaftliche ... » mehr

Hörsaal

27.11.2017

Aus dem Job an die Uni und zurück: So geht der Wechsel

Hörsaal oder Berufsschule, Hausarbeit oder Berichtsheft, Studium oder Berufsausbildung: Wer nach der Schule einen Beruf lernen will, wählt in der Regel einen dieser beiden Wege. Doch inzwischen wird aus dem «entweder ode... » mehr

Mareike Menne

26.02.2018

Geisteswissenschaftler auf Jobsuche

Mediziner werden Ärzte, Jura-Studenten Anwälte ? und Geisteswissenschaftler? Historiker oder Linguisten kämpfen oft mit dem Ruf, für alle möglichen Jobs geeignet zu sein ? aber für keinen so richtig. Das muss allerdings ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
10. 07. 2017
04:35 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".