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Wie werde ich Abwassertechniker/in?

Mit Abwasser will sich eigentlich niemand genauer befassen. Für David Uweis gehört das zu seinen täglichen Aufgaben. Der Auszubildende erzählt, was ihm an der Arbeit im Klärwerk gefällt.



David Uweis
Anhand von Laborergebnissen kann David Uweis, angehende Fachkraft für Abwassertechnik entscheiden, was der Bakterienmix in der Kläranlage braucht.   Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn » zu den Bildern

Beim Duschen, Waschen oder Spülen: Sobald das Abwasser den Ausfluss hinab rauscht, ist es für die meisten aus dem Sinn. Wie es gereinigt wieder in die Natur kommt, darüber machen wir uns im Alltag nur wenig Gedanken.

Anders sieht das bei David Uweis aus. Umwelt und Technik - diese beiden Themen interessieren den 28-Jährigen und waren bei seiner Berufswahl entscheidend. Er ist im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zur Fachkraft Abwassertechnik bei der Kläranlage der Stadt Bonn.

Ein Klärwerk ist ein komplexes System mit mechanischen, biologischen und chemischen Reinigungsstufen. Zum Berufsalltag des Auszubildenden gehören deshalb ganz unterschiedliche Bereiche. Einerseits sind Abwassertechniker draußen in der Anlage unterwegs. «Wir sind dafür zuständig, die Geräte und Instrumente instand zu halten», sagt Uweis. Fällt etwa im Belebungsbecken ein Sensor aus, ist er oder jemand aus der Belegschaft zur Stelle.

Die Azubis begleiten zudem die Pumpwerksentstörungsdienste, erklärt Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben. Mithilfe von Pumpwerken wird Abwasser aus der Kanalisation in die Klärwerke gepumpt. «Immer häufiger kommt es zum Beispiel durch Feuchttücher zu Verstopfungen», erklärt Hackenesch-Rump. Dann müssen Abwassertechniker etwa die entsprechende Pumpe öffnen und reinigen.

Im Labor werden die Wasserproben geprüft

Hinzu kommt die Arbeit im Labor, wo die Fachkräfte Wasser- und Klärschlammproben untersuchen - nach Vorgaben des zuständigen Landesamts. «Interesse an Chemie ist daher wichtig», sagt Uweis. Denn nur wer versteht, welche Prozesse zur Reinigung des Wassers in Gang gesetzt werden, kann regulierend eingreifen. «Wir sorgen dafür, dass die Bakterien, die für uns arbeiten, das bekommen, was sie brauchen.»

Vieles läuft digital ab. Über das sogenannte Prozessleitsystem können die Fachkräfte die Abläufe in der Kläranlage steuern. «Einen Großteil der Arbeit erledigt man also auch am PC», sagt Uweis. «IT-Kenntnisse sind also auf jeden Fall wichtig.»

Künftig wird die Steuerung via Software in den Klärwerken immer wichtiger, erklärt Clivia Conrad, Bundesfachgruppenleiterin Wasserwirtschaft bei der Gewerkschaft Verdi. Die Handarbeit falle deswegen nicht weg, aber Daten zu lesen und richtig zu interpretieren, gewinne an Bedeutung. Die Ausbildungsprogramme der umwelttechnischen Berufe sollen deshalb bald in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung an die neuen Herausforderungen angepasst werden.

Schon jetzt trainieren Auszubildende für diese Tätigkeit mit einem simulierten Klärwerk, das sie selbstverantwortlich steuern. «Dann wird zum Beispiel Starkregen in benachbarten Bezirk vorgegeben», erklärt Hackenesch-Rump. Der Abwassertechniker muss einschätzen, welche Wassermengen auf das Klärwerk zukommen und ob es dann die Reinigungsprozesse noch gewährleisten kann.

Der Bakterienmix, eine der wichtigsten biologischen Reinigungsstufen im Klärwerk, arbeitet nur mit bestimmten Schmutzstoffwerten. Der Zustrom zum Klärwerk muss daher so kontrolliert werden, dass Bakterien nicht aus dem Werk gespült werden.

Kenntnisse in Chemie, gut rechnen können und mit Routinen klarkommen - das gehört mit zu den wichtigsten Voraussetzungen. «Wir gucken auf die Zeugnisse. Ein mittlerer Schulabschluss sollte es sein, und schlechter als eine 3 sollte man in Chemie und Physik auch nicht stehen», rät Hackenesch-Rump. Es gebe aber Ausnahmen. Mit viel Engagement und Interesse lasse sich eine nicht ganz so gute Chemie-Note wettmachen.

Robustheit ist im Umgang mit Abwasser gefragt

Die Arbeit mit Abwasser hat kein gutes Image. Vorurteile bekommen die Fachkräfte immer wieder zu hören. Auch wenn Uweis das noch nicht persönlich erlebt hat, kennt er die Vorbehalte. «Etwa, dass man im Schlamm herumwühlt oder die Arbeit unhygienisch ist», sagt er.

«Natürlich haben wir mit Abwasser zu tun.» Und an die Gerüche auf dem Gelände der Kläranlage müsse man sich schon erstmal gewöhnen. Aber in den Gebäuden gebe es zum Beispiel Luftwäscher, so dass man das Abwasser zwar ab und an riecht - aber ohne Bedenken arbeiten könne.

Wichtig ist, dass angehende Abwassertechniker «mit einer gesunden Robustheit ausgestattet» sind - was etwa Gerüche und Farben des Wassers angeht, erklärt Hackensch-Rump. Sie lernen dann natürlich auch alles, was man über Hygiene wissen muss.

Uweis weiß zu schätzen, dass er einer verantwortungsvollen Tätigkeit nachgeht und jeden Tag die Ergebnisse seiner Arbeit sieht: Am Zulauf kommt das schmutzige Abwasser an - beim Ablauf ist es so sauber, dass es zurück in die Natur geleitet werden kann. Ein wichtiger Prozess, damit Stadt und Natur für alle lebenswert bleiben. «Das ist einer der Hauptfaktoren, warum mir die Arbeit Spaß macht.»

Gute Gehaltsaussichten für Azubis

Vergütet werden die Fachkräfte bei Kommunen nach dem Tarif des öffentlichen Diensts. Die Bundesagentur für Arbeit gibt Werte zwischen rund 1000 und 1100 Euro brutto im Monat an, gestaffelt nach Lehrjahr. In der chemischen Industrie fällt die tarifliche Vergütung demnach etwas geringer aus. «Direkt nach der Ausbildung kommt man oft schon auf 2000 Euro netto im Monat», sagt Hackenesch-Rump. Fachkräfte arbeiten im Schicht- oder Betriebsdiensten oder in den Pumpwerken.

Wer nach der Ausbildung beruflich weiterkommen will, kann einen Meister oder Techniker machen - etwa der Fachrichtung Wasserversorgungstechnik oder Umweltschutztechnik. Uweis möchte nach seiner Ausbildung studieren. «Es gibt Studiengänge wie Wasserwirtschaft und Wasserversorgung oder Umwelttechnik. Mich interessiert aber die Fachrichtung Siedlungswasserwirtschaft.»

In den nächsten Jahren werden Klärwerke durch neue Reinigungsstufen erweitert. «Das sind ganz neue Stoffe, mit denen dann hantiert wird», sagt Hackenesch-Rump. Ihre Prognose: Abwassertechnik werde aufgrund steigender Umweltanforderungen und dem Bestreben, so viel wie möglich aus dem Abwasser herauszuholen, ein noch aufwendigeres Geschäft.

Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
04:53 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
04:53 Uhr



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