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Wie werde ich Baumpfleger/in?

Grüne Städte sind wichtig für Mensch und Natur - und für die Pflege der Bäume gibt es extra Baumpfleger. Der Beruf fordert Sachverstand und Fitness, denn Baumpfleger klettern oft bis in die Baumkrone.



Mit Liebe zum Baum
Baumpfleger wissen, wie wichtig schonende Pflege ist. Viele Arten sind durch die Klimaerwärmung belastet.   Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn » zu den Bildern

Auf Bäume klettern? Das weckt Erinnerungen an Abenteuergeschichten oder Erlebnisse in der Kindheit. Doch auch Erwachsene können auf Bäume klettern - sogar beruflich. Baumpfleger kümmern sich um Ästhetik, Gesundheit und Sicherheit von Bäumen, damit zum Beispiel kaputten Äste nicht auf Passanten oder Autos fallen.

Dafür geht es für die Baumpfleger oft hoch hinein in die Baumkrone: entweder mit der Hebebühne oder mit dem Kletterseil.

«Bäume brauchen keine Baumpflege. Das reguliert die Natur. Wir brauchen Baumpflege nur wegen der Menschen», erklärt Wulf Schneider. Der geprüfte Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung klettert seit zwölf Jahren fast jeden Tag auf Bäume. Er kümmert sich dabei um die Optik, aber auch um die Verkehrssicherheit.

Fußgängerwege haben beispielsweise eine vorgeschriebene Durchgangshöhe von 2,5 Metern. Niedrigere Äste, die in den Fußgängerweg hineinragen, müssen entfernt werden. «Ziel der Baumpflege ist es, möglichst viele Bäume zu erhalten», sagt Schneider. Denn sie dienen nicht nur der Sauerstoffbildung, sondern haben auch einen ästhetischen und einen psychologischen Effekt.

Quereinsteiger mit grüner Erfahrung

Wer sich für den Beruf interessiert, hat verschiedene Einstiegsmöglichkeiten, eine einheitliche Ausbildung gibt es nicht. Viele sind Quereinsteiger aus sogenannten grünen Berufen im Bereich Gartenbau oder Forstbetrieb. Meist beginnt die Ausbildung mit dem Seilklettertechnik-Kurs A (SKT-A-Kurs). Teilnahmevoraussetzungen sind lediglich ein Erste-Hilfe-Kurs und eine arbeitsmedizinische Untersuchung, sagt Merlin Fuchs von der Münchner Baumkletterschule.

Mit Helm, Seil, Klettergerät und -gurt ausgestattet, kann der Aufstieg beginnen. Dafür wird zuerst kontrolliert, ob der Baum stand- und die Äste bruchsicher sind. Anschließend wird ein Wurfseil in die höchstmögliche stabile Gabel geworfen. Daran lässt sich das Kletterseil hochziehen. Gelingt alles auf Anhieb, braucht ein geübter Baumkletterer gerade einmal zehn Minuten, bis er eine etwa 30 Meter hohe Baumkrone erklommen hat - inklusive der Vorbereitung am Boden.

Der Einsatz hoch oben im Baum ist oft notwendig, um zu kontrollieren, ob es Schäden gibt oder nistende Tiere, die geschützt werden müssen. Aber auch wenn eine normale Fällung nicht möglich ist, sind Baumkletterer gefragt, um den Baum von oben herab Stück für Stück abzutragen. Der Fokus im SKT-A-Kurs liegt auf der Klettertechnik, im SKT-B-Kurs geht es vor allem um den Umgang mit der Motorsäge.

Ein Kletterprofi ist noch kein Baumexperte

Die Baumkunde wird nur am Rande behandelt, sagt Fuchs. Wer diese Kurse absolviert hat, ist also laut Schneider noch nicht in der Lage, eigenständig zu entscheiden, ob Äste entfernt oder gar ein ganzer Baum gefällt werden müssen. Für Schneider sind die optionalen Lehrgänge «European Tree Worker» (ETW) und «European Tree Technician» (ETT) daher Voraussetzung für verantwortungsvolle Baumpflege.

Diese Fortbildungen sind in fast ganz Europa anerkannt und erleichtern daher europaweites Arbeiten. Inhaltlich geht es viel um die Baumbiologie, die Rolle der Wurzeln und des Bodens sowie die Analyse von Schäden. Außerdem lernen die Teilnehmer, was sie bei der Planung der Maßnahmen beachten müssen, wie sie Kosten kalkulieren und einzelne Leistungen abrechnen. Subunternehmer sollten für einen Tag Baumpflege etwa 350 bis 400 Euro verdienen, sagt Schneider.

Für zusätzliche Leistungen wie eine Fällung sollte es einen Aufschlag geben. «Der Job ist mit Risiken verbunden», sagt Fuchs. Gute Zusammenarbeit im Team und ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein sind unerlässlich: «Es ist wichtig, vorausschauend zu denken. Bevor ein Kletterer in den Baum steigt, sollte er sich einen Notfallplan überlegt haben.» Und auch die Arbeitgeber müssen sich aktiv für den Unfallschutz einsetzen.

Sterbebegleitung für Bäume

Fundiertes Fachwissen, eine sorgfältige Arbeitsweise und die Orientierung am «ZTV-Regelwerk», den Vorgaben zur fachgerechten Baumpflege, sind für Schneider die wichtigsten Grundlagen. Nur damit kann man zum Beispiel überprüfen, ob die Forderungen eines Auftraggebers auch sinnvoll sind. Denn sogar manche Stadtverwaltung beschließe teilweise nicht fachgerechte Baumpflegemaßnahmen, klagt der Berliner Fachagrarwirt. Auch sei es kein gerechtfertigter Grund, einen Baum zu fällen, um mehr Licht oder weniger Laub zu haben.

Aktuell gilt es mehr denn je, um jeden Baum zu kämpfen. «Alle Baumarten sind durch die Klimaerwärmung enorm belastet», sagt Schneider. Aufgrund von Wassermangel brechen trockene Äste schneller ab und Bäume sind anfälliger für Parasiten und Pilze. «Wenn das so weitergeht, machen wir nur noch die Sterbebegleitung für Bäume.» Mehr Bäume spenden wiederum mehr Schatten und speichern mehr Feuchtigkeit, weshalb ein hoher Baumbestand das Problem mindern kann.

«Schonende Baumpflege ist für den Laien nicht ersichtlich», sagt Schneider. Denn: «Es muss nicht immer viel geschnitten werden. Jeder Schnitt bedeutet eine Verletzung für den Baum.» Die Liebe zum Baum ist ihm für den Beruf wichtig. «Der Mensch braucht den Baum, der Baum aber nicht den Menschen.»

© dpa-infocom, dpa:200918-99-614322/2

Veröffentlicht am:
21. 09. 2020
04:44 Uhr

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dpa

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21. 09. 2020
04:44 Uhr



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