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Wie werde ich Hörakustiker/in?

Hörakustiker sorgen dafür, dass Menschen wieder Vögel zwitschern hören: Der Berufsalltag ist allerdings keineswegs Romantik pur. Die Fachkräfte brauchen vor allem ein gutes Gespür für ihre Kunden.



Telefon
Die angehende Hörakustikerin Carolin Haag erklärt in einer Filiale ihres Ausbildungsbetriebs Becker Hörakustik ein Telefon. Es kann mit dem Hörassistenzsystem kommunizieren.   Foto: Thomas Frey/dpa-tmn » zu den Bildern

Erlebt sie den Wow-Effekt, dann spürt Carolin Haag, dass sie im richtigen Beruf gelandet ist. «Das ist der Moment, wenn das Hörsystem perfekt angepasst ist.

Der Kunde oder die Kundin staunt, was das Ohr wieder alles registriert und freut sich über eine neue Hörerfahrung: Geräusche, Zwischentöne, Stimmen, Vogelgezwitscher. Das macht die Menschen glücklich.»

Carolin Haag hat nach ihrem Schulabschluss die dreijährige Ausbildung zur Hörakustikerin begonnen. Die 17-Jährige arbeitet nun in der Filiale Neuwied (Rheinland-Pfalz) der Firma Becker Hörakustik.

Skepsis gegenüber Hörsystemen abbauen

Um Kundinnen und Kunden auf dem Weg zum richtigen Hörsystem zu begleiten, muss sie sich immer wieder neu auf sie einstellen. Die Branche spricht längst nicht mehr von «Hörgeräten». Die meisten Kunden bringen dennoch eine gehörige Portion Scham und Skepsis mit. «Denn schlecht hören zu können, ist für viele ein Stigma», sagt die Auszubildende.

Es ist dann ihre Aufgabe, die Skepsis abzubauen und das Augenmerk auf die positiven Eigenschaften der Hörsysteme zu lenken: «Hören ist Teilhabe - im Gespräch mit anderen, bei Familienfesten, beim Fernsehen», sagt Haag.

Neben dem Gespür für die Kundschaft ist für ihren Beruf technisches Verständnis gefragt. Zwar stellt die 17-Jährige die Hörsysteme nicht selbst her, muss sich allerdings gut auskennen mit der Bandbreite der Systeme.

Zentrale Begriffe in der Beratung sind «drei Ks»: Klang, Komfort und Kosmetik. Haag registriert außerdem schnell, wie es um die Eitelkeit bestellt ist. Oftmals ist die oberste Prämisse, dass die Hörhilfe nicht zu sehen ist.

Hörakustiker kommen dem Ohr ganz nah

Manche entscheiden sich für eine direkte Verbindung zwischen Hörgerät und Ohr, die direkt ins Ohr eingesetzt und damit kaum sichtbar wird. Um diese Otoplastik individuell anfertigen zu können, nimmt Haag eine Abformung des Ohrs.

Berührungsangst darf sie also nicht haben. Hat Carolin Haag normalerweise auch nicht. Schwieriger wird es, wenn jemand vor ihr steht, der unter massivem Ohrenschmalz leidet, dann sind starke Nerven gefragt. Ist es ganz schlimm, spricht sie allerdings die Empfehlung aus, den Ohrenarzt aufzusuchen.

Zu ihrem Arbeitsalltag von Hörakustikerinnen gehört auch die Durchführung von Hörmessungen und die Wartung von Hörsystemen. Die Kunden kommen mit ganz verschiedenen, individuellen Anliegen ins Geschäft: Das sind etwa Kinder, deren Hörvermögen eingeschränkt ist, Menschen, die ein Tinnitus quält oder Träger von Cochlea-Implantaten. Haag erledigt außerdem kaufmännische Arbeiten sowie die Abrechnungen mit Krankenkassen.

Schnelle technologische Fortschritte

Eva Keil-Becker, Meisterin bei Hörakustik Becker verlangt von ihren Nachwuchskräften vor allem, dass sie Neuerungen gegenüber offen sind: «Ich habe während meiner Ausbildung noch mit dem Schraubendreher nachjustiert. Heute arbeiten wir mit intelligenten Technologien, mit Smartphones und Tablets, wir können sogar Fernpassungen vornehmen.»

Die Bundesinnung der Hörakustiker (Biha) gibt Empfehlungen für die Ausbildungsvergütung. Demnach bekommt ein Auszubildender laut Biha-Sprecher Michael Skwarciak im ersten Lehrjahr 560, im zweiten Lehrjahr 670 und im dritten und letzten Lehrjahr 780 Euro brutto monatlich. Je nach Region weichen Ausbildungsbetriebe unter Umständen von den Empfehlungen ab.

© dpa-infocom, dpa:201009-99-887354/4

Veröffentlicht am:
12. 10. 2020
04:32 Uhr

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dpa

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12. 10. 2020
04:32 Uhr



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